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Arbeitsrecht | 13.06.2022

Übergangs­phase

Die Zeit zwischen zwei Jobs richtig nutzen

Eine Auszeit oder Lücke im Lebenslauf bis zu einem halben oder sogar einem ganzen Jahr stellt kein Problem mehr dar

Wer einen Job kündigt, um einen neuen anzutreten, hat nicht immer einen nahtlosen Übergang. Manchmal liegen einige Wochen oder Monate zwischen den Stationen. Wie geht man die Übergangs­phase an?

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Viele Stellen in Deutschland sind unbesetzt, die Wechsel­bereitschaft unter den Beschäftigten ist groß. Wer den Sprung in einen neuen Job wagt, startet dabei nicht immer lückenlos in ein neues Anstellungs­verhältnis. Manchmal liegen zwischen dem letzten Arbeitstag im alten und dem ersten Arbeitstag im neuen Job Wochen oder gar ein paar Monate. Voraus­gesetzt, man kann sich das leisten. Was treibt man in der Übergangs­phase?

„Bis vor einiger Zeit wäre dieses Thema gar keine Frage gewesen“, sagt die Münchner Psychologin und Karriere­beraterin Madeleine Leitner. Da sei allein der Wunsch un­vorstellbar gewesen, Leerlauf zwischen zwei Jobs zu haben. „Da war das Menschen­bild eben: Man arbeitet.“

Auch heute gibt es der Karriere­beraterin zufolge noch konservative Branchen, „da ist es wahrscheinlich noch immer die Ausnahme, dass man überhaupt überlegt, aus dem Muster aus­zuscheren“. Da starte man mit Ablauf der Kündigungs­frist beim neuen Arbeitgeber.

Lücken im Lebenslauf: Bewerber diktieren die Regeln

Allerdings, so Leitner, gebe es heute in vielen Bereichen einen Bewerber­markt. Und das heißt: „Be­werberinnen und Bewerber diktieren die Regeln. Wenn man sich mal umguckt, wird ja fast überall gesucht.“ Insofern könne man heute andere Fragen stellen als noch vor einigen Jahren.

Mit Blick auf den Lebenslauf sei daher eine Auszeit oder Lücke bis zu einem halben oder sogar einem ganzen Jahr „überhaupt keine Diskussion mehr“. Ob das dann als Sabbatical oder Weltreise gelabelt wird, ist der Karriere­beraterin zufolge zweitrangig.

Auch Nico Rose zufolge dürfen Arbeit­nehmer hier „entspannt agieren“. Es sei heutzutage völlig normal, dass Menschen zwischen zwei Anstellungen oder innerhalb eines Jobs ein Sabbatical einlegen. „Und das wissen auch die Unternehmen, zumindest jene, die mit guten Arbeits­bedingungen punkten wollen“, so der Coach und Buch-Autor. Ein Zeitraum von einigen Wochen bis zu einem Jahr liege im grünen Bereich.

Noch längere Zeiträume sollte man sich laut Rose allerdings gut überlegen: „In manchen Branchen, ich denke zum Beispiel in Richtung IT und Programmierung, ist die Halbwerts­zeit beruflicher Kompetenzen enorm kurz.“ Hier sollte man den Eindruck vermeiden, in der Pause den Anschluss verloren zu haben.

Alles ist erlaubt - wenn man transparent ist

Bei der Frage, was man nun in der Übergangs­zeit treibt, sieht Madeleine Leitner in den meisten Branchen keine Ausschluss­kriterien. „Wer seine Karriere wirklich durchplant und eine strikte Vorstellung vom eigenen Arbeits­leben hat, kann die Zeit natürlich für eine Weiter­bildung oder Qualifizierung nutzen.“ Genauso könne man aber verreisen, chillen, ein Haus renovieren oder mal wieder Zeit mit der Familie verbringen, wenn die finanziellen Mittel dafür vorhanden sind.

„Wichtig ist ein hohes Maß an Transparenz gegenüber dem zukünftigen Arbeitgeber“, sagt Nico Rose. Alles andere hängt von der konkreten Situation ab. „Hat man die letzten Jahre „durch­gepowert“, ist es völlig legitim, auch einmal einige Monate Pause zu machen.“

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Pause zwischen zwei Jobs muss nicht verklärt werden

Wer eine Auszeit plausibel erklären will, sollte auf Rat von Madeleine Leitner heraus­stellen, dass diese am Ende auch dem Arbeitgeber zugutekommt. „Studien etwa zeigen, dass der Großteil nach einer Auszeit wieder zufriedener ist.“ So könne man dem neuen Arbeitgeber vermitteln, dass eine Pause vor der Neu­anstellung wichtig ist, um wieder Kräfte aufzubauen.

Die Ära, in der man eine solche Phase aktiv verkaufen muss, ist nach Einschätzung von Nico Rose aber ohnehin vorbei - „außer bei sehr hinter­wäldlerischen Organisationen“. Man müsse die Weltreise auch nicht als Bildungs­urlaub verklären. „Das war einmal.“

Das sieht Madeleine Leitner ähnlich: „Sich immer zu verbiegen und es dem Arbeitgeber ständig recht machen zu wollen - damit punktet man am Ende auch nicht.“ Sie empfiehlt stattdessen Mut zur Authentizität. Auch Personal­verantwortliche fänden es erfrischend, wenn jemand offen und ehrlich ist.

Wechselseitige Erwartungen offen absprechen

Steht man als Wunsch­kandidat nicht zum Wunsch­zeitpunkt bereit, wollen Arbeitgeber oft Kompromisse aushandeln. Sie lassen sich auf einen späteren Eintritts­termin ein, wenn der oder die Neue vor Vertrags­beginn schon einmal an einem Schulungs­termin teilnimmt oder bei einem ersten Einführungs­termin dabei ist.

Madeleine Leitner zufolge tut man gut daran, hier Wechsel­seitige Erwartungen offen zu besprechen. „Womöglich ist ja wirklich Not am Mann und schon fünf Minuten meiner Expertise helfen enorm weiter.“ Wer sich weigert, obwohl es eigentlich problemlos ein­zurichten wäre, trägt nicht unbedingt zu einem positiven Start bei.

Nico Rose plädiert auch hier für Transparenz. „Prinzipiell ist es sicherlich ein gutes Signal, wenn man für die zukünftige Organisation - zumindest immer wieder einmal - erreichbar ist.“ Erst­klassige Onboarding-Prozesse würden nicht erst an Tag eins beginnen, sondern schon in den Wochen davor. Anderer­seits, so der Psychologe, sollte die Organisation Verständnis aufbringen, wenn Menschen einige Zeit komplett offline sein möchten. Hier hilft eine klare Kommunikation.

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Der Realitätscheck: Versicherung und Co.

Wie sich die Übergangs­zeit gestaltet, hängt nicht zuletzt auch davon ab, ob Jobwechsler selbst gekündigt haben, gekündigt wurden, sich arbeitslos melden oder nicht. Eine Verpflichtung, sich arbeitssuchend oder arbeitslos zu melden, gibt's für die Übergangs­phase zwar nicht, erklärt Malin Hochscheid, Juristin und Beraterin bei der Arbeits­kammer des Saarlandes.

Cornelia Oster, Fach­anwältin für Arbeits- und Sozialrecht, rät allerdings jedem zu diesem Schritt. Hintergrund ist vor allem der Versicherungs­status. Wer sich arbeit­suchend und arbeitslos meldet, ist in der Regel über die Arbeits­agentur kranken- und pflege­versichert. Das gilt auch bei einer Sperrzeit nach Eigen­kündigung, hier nimmt man aber unter Umständen Lücken bei den Renten­versicherungs­zeiten in Kauf.

Lieber Überstunden abfeiern

Malin Hochscheid rät, grund­sätzlich immer erst dann zu kündigen, wenn man eine neue Stelle ganz sicher in Aussicht hat. Dazu sollte am besten der Vertrag unter­schrieben sein und ein nahtloser Übergang vom alten ins neue Arbeits­verhältnis sicher­gestellt sein.

Man könne mit dem Arbeitgeber etwa vereinbaren, eine gewisse Zeit vorzuarbeiten. So können die letzten Monate des Arbeits­verhältnisses Über­stunden abgefeiert werden. Das ermöglicht freie Zeit ohne finanzielle oder versicherungs­rechtliche Nachteile.

Zudem weist Hochscheid darauf hin, dass das Arbeitslosengeld von den Beitrags­zahlern finanziert wird. „Diesen ist es nicht zumutbar, die volle Zeit Arbeitslosengeld zu tragen, wenn jemand keinen wichtigen Grund für die Arbeits­losig­keit hat.“ Eine Auszeit sei kein wichtiger Grund.

Realitätscheck nicht vergessen

Wer sich arbeitssuchend und arbeitslos meldet, hat nicht zuletzt sogenannte Melde­pflichten gegenüber der Arbeits­agentur. So müsse man zum Beispiel sicher­stellen, täglich seine Post einsehen zu können, um gegebenenfalls Auf­forderungen der Arbeits­agentur nachkommen zu können.

„Auch Reisen müssen von der Arbeits­agentur genehmigt werden und sind nur sehr begrenzt möglich“, erklärt Hochscheid. Daneben müssen Bewerbungen geschrieben oder zum Beispiel Bewerbungs­trainings absolviert werden. Diese Punkte gilt es vor der vermeintlich freien Zeit zwischen zwei Jobs genau abzuklären.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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