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Familienrecht | 22.01.2020

Un­verheiratet mit Kind

Eltern ohne Trauschein: Woran unverheiratete Paare vor der Geburt denken müssen

Was Paare ohne Trauschein regeln sollten

Was früher selten war, ist inzwischen normal: ohne Trauschein Eltern werden. Rechtlich haben unverheiratete Paare im Prinzip keine Nachteile. Sie müssen aber einige Formalitäten erledigen.

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Von ungefähr jedem dritten neu­geborenen Kind in Deutschland sind die Eltern nicht verheiratet. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Die gute Nachricht: Väter und Mütter ohne Trauschein werden gegenüber Eheleuten nicht mehr so unterschiedlich behandelt wie noch vor einigen Jahrzehnten. Die Rechte seien immer mehr angepasst worden, sagt die Berliner Familien­rechtlerin Eva Becker.

Dennoch: Unverheiratete Paare müssen einige Formalitäten erledigen, auf die Eheleute verzichten können. Idealer­weise kümmern sie sich vor der Geburt ihres Kindes darum. Konkret geht es dabei um die Anerkennung der Vaterschaft beim Standesamt und die gemeinsame Sorge­erklärung beim Jugendamt.

„Sobald man jene beiden Dinge erledigt hat, unter­scheiden sich unverheiratete Eltern - mit Blick auf das Kind - nicht mehr von verheirateten“, sagt Rechtsanwältin Eva Becker, die Vorsitzende der Arbeits­gemeinschaft Familien­recht beim Deutschen Anwalt­verein (DAV) ist.

Vaterschaftsanerkennung und Sorgerecht

Worum geht es bei der Vater­schafts­anerkennung? Wenn ein Kind auf die Welt kommt und die Eltern sind nicht verheiratet, ist der Vater nicht automatisch ein rechtlicher Elternteil - das wird er eben erst durch die Anerkennung. Väter werden damit unterhalts­pflichtig und ihr Nachwuchs erbt fortan von ihnen.

Die Anerkennung der Vaterschaft ist außerdem die Voraussetzung für eine gemeinsame Sorge­erklärung. Danach erst haben beide Eltern das gemeinsame Sorgerecht - und damit mehr Rechts­sicherheit. Aus dem Grund sollte man sie im Idealfall auch vor der Geburt abgeben, erklärt die Rechtsanwältin an einem Beispiel: „Stellen Sie sich vor, das Kind kommt nicht gesund zur Welt. Dann müssen etwa Entscheidungen über die gesundheitliche Versorgung getroffen werden. Als nicht sorge­berechtigter Vater wäre man hier raus.“

Der Nachname des Kindes

Ein weiterer Effekt: Mit der gemeinsamen Sorge­erklärung kann der Nachwuchs nicht mehr nur den Nachnamen der Mutter tragen, sondern auch den des Vaters. Die Eltern haben die freie Wahl. Diese Entscheidung gilt dann aber auch für den Familien­namen von möglichen weiteren gemeinsamen Kindern.

Wer erst nach der Geburt die gemeinsame Sorge festlegt, kann danach innerhalb von drei Monaten den Familien­namen des Kindes neu bestimmen, schreibt das Bundes­familien­ministerium auf seinem Familien­portal.

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Krankenversicherung und Elterngeld

Mit Blick auf die Kranken­versicherung gilt: Sind beide unverheirateten Elternteile gesetzlich versichert, können sie das Kind familien­versichern. Ist zum Beispiel die Mutter privat und der Vater gesetzlich kranken­versichert, haben Eltern die Wahl: Sie können das Kind familien- oder privat versichern. Ein Wechsel von der einen zur anderen Variante sei aber auch danach möglich, erklärt der bundesweite Verband der Kranken­kassen (GKV-Spitzen­verband).

Unverheiratete Väter müssen beachten, dass sie erst mit der Anerkennung ihrer Vaterschaft Elterngeld erhalten können. Diese muss aber noch nicht wirksam sein, heißt es im Elterngeld­gesetz. Das gilt auch für eine bereits beantragte Vaterschafts­feststellung - über sie muss noch nicht entschieden sein. Der Anspruch besteht dennoch. Die Väter müssen aber im gleichen Haushalt wie der Nachwuchs wohnen.

Wissenswertes zu Kinderfreibeträgen

Werden bei unverheirateten Paaren Kinder­freibeträge anstelle des Kinder­geldes gewährt, steht jedem Elternteil die Hälfte davon zu. Das sind aktuell 3.906 Euro im Jahr. Den gesamten Betrag in Höhe von 7.812 Euro auf nur auf einen Elternteil zu legen, ist in der Praxis zwar denkbar, für regulär zusammen­lebende Paare aber eher keine Option, sagt Erich Nöll vom Bundes­verband Lohn­steuerhilfe­vereine.

Denn das sei nur unter bestimmten Voraus­setzungen möglich - etwa, wenn einer der Partner seinen Unterhalts­pflichten nicht zu mindestens 75 Prozent nachkommt oder nur beschränkt einkommen­steuerpflichtig ist, etwa weil er oder sie im Ausland wohnt. Eheleute werden beim Kinder­freibetrag gemeinsam veranlagt.

Den Kinder­freibetrag müssen Eltern nach der Geburt in der Steuer­erklärung beim Finanzamt beantragen. Generell prüft die Behörde bei jeder Einkommens­steuer­erklärung, ob sich der Kinder­freibetrag für sie steuerlich mehr lohnt als Kindergeld. Ab einem gewissen Einkommen ist der Freibetrag vorteil­hafter als das Kindergeld.

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Vorkehrungen bei Reisen

Während Eheleute in der Regel den gleichen Nachnamen haben, tragen unverheiratete Paare unter­schiedliche Nachnamen. Wenn ein Elternteil mit einem Kind alleine verreist, bedarf es darum mitunter etwas mehr Vorbereitung. „Man sollte sich Vollmachten ausstellen und gerne auch eine internationale Geburts­urkunde dabei haben“, sagt Rechtsanwältin Eva Becker, „damit es an der Grenze oder vor Ort im Fall einer Verletzung und daraus notwendiger medizinischer Versorgung keine Probleme gibt.“

Ein Beispiel der Expertin: „An der Grenze wird durchaus, das ist meine praktische Erfahrung, geprüft: Liegt ein Ausreise­stopp vor? Gibt es vom anderen Sorge­berechtigten eine Vollmacht für die Ausreise?“ Am Ende werde man dort sonst unfreiwillig aufgehalten.

Unterhalt rückwirkend einfordern

Nicht immer wollen Väter freiwillig ihre Vaterschaft anerkennen. Mütter müssen sie in dem Fall erst gerichtlich feststellen lassen, haben dann aber auch rückwirkend ab dem Zeitpunkt der Geburt einen Anspruch auf Unterhalt, erklärt Rechtsanwältin Eva Becker. „Normalerweise geht das nicht, da man Unterhalt nur ab einem bestimmten Zeitpunkt für die Zukunft erfragen kann.“ In so einem Fall jedoch, im Zuge eines Fest­stellungs­verfahrens, sei das anders.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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