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Arbeitsrecht | 15.10.2018

Elternzeit

Elternzeit gleich Karriere­knick: Wie Sie Erfolg und Baby unter einen Hut bringen

So lassen sich Elternzeit und Wieder­einstieg erfolgreich gestalten

Elternzeit, Teilzeit, Kind-krank-Tage: All das gilt als schädlich für das Vorankommen im Job. Aber auch Arbeit­nehmer mit Karriere­ambitionen bekommen Kinder. Wie Mütter und Väter trotzdem Verantwortung übernehmen können - und was sie dafür brauchen.

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Neulich, auf einer Gartenparty, wurde Louisa Baron von einer jungen Frau angesprochen. Sie folge ihr bei Instagram, und es mache ihr so viel Mut, wie sie das schafft: diesen tollen Posten und trotzdem Mama zu sein. „Das hat mich glücklich gemacht“, sagt Louisa Baron. „Was kann es Schöneres geben, als Vorbild sein zu dürfen für andere, die vielleicht zweifeln oder Angst haben?“

Unsicher war die 31-Jährige selbst, als sie feststellte, dass sie schwanger ist. 2015 war das. Louisa Baron hatte erst kürzlich die Leitung der Marketing-Abteilung im Berliner Edel­kaufhaus Galeries Lafayette übernommen. Ihren Traumjob. „Um da hinzukommen, habe ich sehr hart gearbeitet“, erzählt sie. „Ich war oft bis spät abends im Büro, habe zig Events im Jahr organisiert und mitgemacht.“ Wie bitte sollte das gehen - mit einem kleinen Kind? Und was würde mit ihrem Posten passieren, wenn sie in die Elternzeit entschwindet?

Gefahr für einen Karriereknick besteht

Die Gefahr für einen Karriere­knick ist in dieser Situation tatsächlich groß, sagt Frank Schabel, Sprecher des Personal­dienst­leisters Hays. „Wer weiter Karriere machen will, sollte das nicht auf die leichte Schulter nehmen.“ Stattdessen gelte die Devise: Flucht nach vorn. Also früh mit den Verantwortlichen sprechen, gut planen, klare Ansagen machen.

Das ist auch Louisa Barons Erfahrung. Sie holte die Geschäfts­führung des Kaufhauses schon im vierten Schwangerschafts­monat ins Boot. „Meine Strategie: totale Offenheit und klares Erwartungs­management.“Galeries Lafayette ist ein französisches Unternehmen. „In der Regel sitzen meine Pariser Kolleginnen auf Management­ebene nach spätestens drei Monaten wieder am Schreib­tisch.“ Louisa Baron forderte trotzdem ohne Umschweife ein Jahr Elternzeit - mit der Option auf Ver­längerung, falls sie keinen Kitaplatz bekommt.

Vorschläge zur Überbrückung anbieten

Zugleich präsentierte sie einen fertigen Plan, wie ihre Abteilung in der Zwischen­zeit aufgestellt werden kann: Wer kann ihren Posten übernehmen? Wie lassen sich die Aufgaben im Team verteilen? Der Chef und die Personal­abteilung reagierten positiv. „Mit dem fertigen Plan habe ich gezeigt, dass ich Lösungen anbieten möchte und dabei unterstütze, meine Abwesenheit bestmöglich zu managen“, glaubt Louisa Baron.

So ein Auftreten empfiehlt auch Mirjam Niedermeier, die Frauen und Männer vor, während und nach der Elternzeit coacht. Sie rät, selbst­sicher und mit einem Plan in der Tasche in das Elternzeit-Gespräch zu gehen. Dabei gilt es auch realistisch zu bleiben, betont Niedermeier: „Wenn mir drei oder sechs Monate Elternzeit eigentlich viel zu kurz sind, sollte ich das nicht so anbieten“, findet sie. Ihre Erfahrung ist zwar, dass kürzere Eltern­zeiten für die Karriere besser sind. Aber das nützt am Ende nichts, wenn sich die werdenden Eltern damit gar nicht wohlfühlen.

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Kontakt halten

Daneben ist wichtig, dass Mütter und Väter mit dem Mutter­schutz oder der Elternzeit nicht in der Versenkung verschwinden. „Ich rate, unbedingt Kontakt zu halten“, sagt Mirjam Niedermeier. Mal mit den Kollegen mittags essen zu gehen oder sich auf Betriebs­feiern blicken zu lassen, das sorgt dafür, dass Mitarbeiter nicht in Vergessenheit geraten.

Wiedereinstiegsgespräch frühzeitig planen

Wer seinen Posten zurückhaben oder aufsteigen will, sollte frühzeitig ein Wieder­einstiegs­gespräch planen. Dabei gilt wieder: nicht denken, das wird schon. Sondern vorab genau überlegen, was machbar ist und wie man es kommuniziert. „Gerade bei Frauen stehen nun mal Fragen im Raum wie: Wer kümmert sich ums Kind? Und was, wenn es mal krank ist?“ Frauen müssen - anders als Männer - meist glaubhaft vermitteln, dass sie alles bedacht haben, erklärt Mirjam Niedermeier.

Louisa Baron ging mit klaren Vorstellungen in ihr Rückkehr­gespräch. „Ich wusste, ich bin die Erste, die auf dieser Ebene ein Teilzeit­modell aus­probieren will. Also musste ich schon vorher genau überlegen, wie das funktionieren kann.“ Ihr Plan: drei lange Arbeitstage und ein kurzer. Freitags würde sie nicht da sein.

„Ich hatte ehrlich gesagt etwas Sorge, ob das so funktioniert“, räumt sie ein. „Alle waren es ja gewohnt, dass ich immer da bin.“ Aber sie habe auch gewusst, dass sie diesen Job machen will. Also setzte sie alles auf eine Karte.

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Kinderbetreuung sicherstellen

Ihr kam dabei auch ihr soziales Netz zugute - das zu betonen, ist Baron wichtig. Sie und ihr Mann stammen beide aus Berlin und können sich bei drei Große­ltern­teilen und zwei Ur­großeltern Hilfe holen. Es ist eine Win-win-win-Situation, findet Baron. Sie und ihr Mann hätten dafür aber auch mehrere Jobangebote in Süd­deutschland abgelehnt, obwohl diese nicht nur finanziell attraktiv gewesen wären.

„Ein starkes soziales Netz braucht man einfach“, findet auch Frank Schabel. Gerade in Führungs­positionen sei nicht alles so gut planbar. Umso wichtiger, dass Arbeit­nehmer nicht jeden Tag den Druck haben, pünktlich zu gehen. Louisa Baron bestätigt das: „Ohne die langen Tage, an denen ich auch mal was wegarbeiten kann, hätte ich Schwierig­keiten.“

Daneben ist unabdingbar, dass Arbeitgeber sich offen für solche Modelle zeigen. „Gleitzeit­regelungen und die Möglichkeit, auch mal von zu Hause zu arbeiten, helfen enorm“, erklärt Frank Schabel. Die Kultur im Betrieb ist auch wichtig: Werden die Möglichkeiten aus­geschöpft? Gibt es die Bereitschaft, Führungs­positionen in Teilzeit zu besetzen? Nicht auf alles haben Arbeit­nehmer selbst Einfluss.

Einbeziehung der Mitarbeiter wichtig

Aus Louisa Barons Sicht ist entscheidend, dass das eigene Team Verständnis zeigt. Und das hätten Führungs­kräfte selbst in der Hand. Sie hat ihre Mitarbeiter in dem ganzen Prozess miteinbezogen. „Sobald ich das Okay von der Personal­abteilung hatte für meinen Plan, habe ich das mit den Kollegen besprochen.“

Und als sie zurück­kehrte, konnte sie damit argumentieren, dass am Ende womöglich alle von dieser Lösung profitieren. „Ich habe viele junge Mitarbeiter im Team. Denen habe ich klar gesagt: Die Tür, die ich hier gerade aufstoße, die ist dann auch für euch offen.“ Denn wo eine Führungs­kraft vorlebt, dass man in Teilzeit Verantwortung übernehmen kann, stehen die Chefs dem auch künftig offener gegenüber.

Arbeitsweise ändern und Prioritäten setzen

Damit Führung in Teilzeit klappt, ist es Louisa Baron zufolge allerdings nötig, die eigene Arbeits­weise zu verändern. Früher habe sie zum Beispiel den Anspruch gehabt, jede E-Mail sofort zu beantworten. „Das mache ich nicht mehr. Stattdessen setze ich ganz klare Prioritäten und schaue genau, an welchen Meetings ich wirklich teilnehmen muss.“ Delegieren können - das ist für sie eine ganz zentrale Fähigkeit für die Vereinbar­keit von Kind und Karriere. „Wir müssen nicht alles alleine schaffen“, sagt sie. Weder im Job, noch zu Hause.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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