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Strafrecht | 26.07.2021

Betrugs­masche

Enkeltrick ohne Ende - eine „wahre Seuche“

Viele ältere Menschen fallen immer wieder auf den sogenannten Enkeltrick herein

Mal ruft ein angeblicher Enkel an, mal ein Staats­anwalt oder Arzt. Ihr Ziel: Das Geld der Angerufenen. Trotz viel Aufklärungs­arbeit fallen immer wieder ältere Menschen auf diese Masche rein - warum?

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Es beginnt immer ganz harmlos

Das Telefon klingelt und der Anrufer meldet sich mit den Worten: „Rate mal, wer hier ist.“ Bei einem solchen Gesprächs­auftakt sollten bei den Angerufenen die Alarm­glocken schrillen. „Seien Sie misstrauisch, wenn sich jemand am Telefon nicht selbst mit Namen vorstellt. Es könnte sich um einen Enkeltrick-Betrüger handeln“, sagt Matthias Rascher, Presse­sprecher des Landes­kriminal­amtes Mecklenburg-Vorpommern.

Immer wieder fallen ältere Menschen auf diesen Trick herein, bei dem sich die Anrufer als Verwandte, aber auch als Polizisten, Bank­mitarbeiter oder Notare ausgeben. „Sie gaukeln den Angerufenen vor, ein Verwandter bräuchte dringend Geld für den Kauf einer Wohnung, eines Autos oder zur Regulierung eines Unfall­schadens“, sagt die Presse­sprecherin des LKA Sachsen, Kathlen Zink.

„Seit Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 geben sich die Anrufer oft auch als Klinik­mitarbeiter aus und behaupten, ein Angehöriger sei schwer an Corona erkrankt und benötige ein teures Medikament aus dem Ausland“, sagt Zink. Allein in Sachsen wurden nach LKA-Angaben 2020

79 solcher Corona-Schock­anrufe registriert. Insgesamt wurden in Sachsen 1078 Straftaten gegen ältere Menschen erfasst, die von über­regional agierenden Tätern oder Täter­gruppen im häuslichen Umfeld begangen wurden.

Enkeltrick - eine Erfindung aus Deutschland

„Der Enkeltrick ist eine deutsche Erfindung mit inzwischen internationaler Verbreitung“, sagt der Soziologe Christian Thiel, der an der Uni Augsburg unter anderem die Hintergründe von Betrugs­taten erforscht. In der Schweiz und in Österreich sei die Masche als Neffentrick bekannt, im angel­sächsischen Sprachraum als „grand­parents scams“, sagt er.

„Als Erfinder dieser Betrugs­masche, die Ende der 1990er Jahre erstmals registriert wurde, gilt Arkadiusz „Hoss“ Lakatosz“, sagt Thiel. Der habe eine schon in den 1950er Jahren existierende, vorwiegend auf Aussiedler aus Osteuropa zielende Strategie aufgegriffen und ausgebaut. „Er hat eine logistische Infra­struktur geschaffen, die den Enkeltrick seit den frühen 2000er Jahren zu einer wahren Seuche werden ließ“, sagt Thiel.

Fallzahlen deutlich gestiegen

Auch das LKA Schleswig-Holstein berichtet von deutlich gestiegenen Fallzahlen. „2016 waren es noch 396 Fälle, davon 377 versuchte Taten, der Gesamt­schaden betrug knapp 407.000 Euro“, sagt Presse­sprecher Uwe Keller. „2020 waren es schon 1033 Fälle mit einem Gesamt­schaden von etwa 944.000 Euro und in den ersten fünf Monaten 2021 waren es bereits 368 Fälle“, stellt Keller fest. Bundesweite Zahlen gibt es nicht, da der Enkeltrick oft in den Kriminal­statistiken nicht als eigene Delikt­gruppe erfasst wird.

Der materielle Schaden ist oft hoch. So ergaunerten Enkeltrick-Betrüger in Nordrhein-Westfalen 15.000 Euro von einer 82-Jährigen, die glaubte, mit dem Geld ihrer Enkelin beim Kauf einer Wohnung zu helfen. Das Geld hatte die alte Dame eigentlich für ihre Beerdigung gespart.

Im Landkreis Stade in Nieder­sachsen erhielten nach Polizei­angaben Anfang Juni mindestens zehn ältere Menschen Anrufe, in denen Summen von bis zu 30.000 Euro in bar für ein Medikament für ein an Corona erkranktes Familien­mitglied gefordert wurden. Die meisten Angerufenen beendeten das Gespräch nach Polizei­angaben allerdings sofort, bei einer 87-jährigen Frau aus Stade verhinderte eine aufmerksame Bank­mit­arbeiterin das Geldabheben.

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Die Erfolgsmasche

Doch warum fallen trotz aller polizeilichen Aufklärungs­arbeit immer wieder ältere Menschen auf die Betrüger rein? „Die Täter entwickeln eine effiziente Täuschungs-Choreographie, die die Opfer „überzeugt“, sagt Thiel. „Sie verfügen über eine Art Werkzeug­kasten mit typischen Täuschungs­taktiken, die sie wie Bausteine zu unterschiedlichen Betrugs­maschen zusammensetzen.“

Einen weiteren Grund nennt Frank Scheulen vom LKA Nordrhein-Westfalen. „Viele Senioren fühlen sich in ihren eigenen vier Wänden sicher, so dass sie vorhandenes und in Teilen schon verinnerlichtes Wissen außer Acht lassen“, sagt Scheulen. Außerdem seien die Anrufer rhetorisch routiniert und anpassungsfähig, was bei den Opfern wegen der vermeintlichen Not­situation Stress verursache.

„Dazu kommen oft eine tief verankerte Hilfs­bereitschaft, ausgeprägtes Sozial­verhalten und Respekt gegenüber vorgeblichen Amtspersonen“, sagt Scheulen. „Alles zusammen ist der Schlüssel zur systematischen perfiden Ausbeutung von Seniorinnen und Senioren“, sagt er.

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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