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Familienrecht | 13.08.2021

Adoption

Entschluss fürs Leben: Adoptionen von Kindern und Erwachsenen

Familien­rechtler erklären, worauf es ankommt

Ein Kind oder einen Erwachsenen zu adoptieren ist mit hohen Hürden verbunden. Ohne notariell beurkundete Einwilligungen geht es nicht.

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Mal angenommen, ein Ehepaar lässt sich scheiden und der gemeinsame sieben­jährige Sohn zieht zur Mutter. Die Frau heiratet erneut. Mit dem zweiten Ehemann seiner Mutter versteht sich der Junge prächtig, zum leiblichen Vater hat er nur wenig Kontakt. Mit der Zeit wächst der Wunsch beim Ehemann der Mutter, den Sieben­jährigen zu adoptieren. Was muss er dafür alles bedenken?

Stiefkindadoption mit Zustimmung des leiblichen Elternsteil möglich

„Das ist möglich, wenn der leibliche Vater darin einwilligt“, sagt Eva Becker, Fach­anwältin für Familien­recht in Berlin. Ein Fall wie der beschriebene ist keine Seltenheit. Bei knapp zwei Drittel der in Deutschland adoptierten Kinder handelt es sich um sogenannte Stiefkind­adoptionen. Laut Statistischem Bundesamt war das im Jahr 2020 bei 65 Prozent der insgesamt 3800 adoptierten Kinder der Fall.

Wenn sich der leibliche Elternteil querstellt

Schwierig wird es, wenn der leibliche Vater oder gegebenenfalls die leibliche Mutter die Zustimmung zur Adoption verweigert. „Dann muss sich das zuständige Familien­gericht mit dem Fall befassen“, erklärt Martin Thelen von der Bundes­notar­kammer in Berlin.

Damit sich das Gericht über das Nein des leiblichen Elternteils zur Adoption hinwegsetzt, muss laut Thelen zweifelsfrei geklärt sein, dass der leibliche Elternteil seine Pflichten gegenüber Sohn oder Tochter gröblich verletzt hat und dass das Kind ihm offenbar gleichgültig ist.

„Eine grobe Pflicht­verletzung wäre, wenn kein Unterhalt für das Kind gezahlt wird und das Kind dadurch in Not gerät“, erläutert Becker. Als Gleich­gültig­keit könnte gedeutet werden, wenn der leibliche Elternteil zum Beispiel kein Interesse für die Belange des Kindes signalisiert hat.

Allerdings: „Die Rechtsprechung zeigt, dass die Gerichte in den allermeisten Fällen einer Stief­kind­adoption nicht zustimmen, wenn der leibliche Elternteil dagegen ist“, sagt Thelen. Argumentiert werde dann zumeist, dass das jeweilige Kind ja ohnehin gut in der neuen Familie integriert sei, dafür bedürfe es nicht zwingend der Adoption.

Generell gilt: Ist das Kind älter als 14 Jahre, muss es ebenfalls in eine mögliche Adoption einwilligen. Vor dem 14. Geburtstag ist dafür der gesetzliche Vertreter des Jungen oder des Mädchens zuständig.

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Keine Erwachsenenadoption, wenn es nur ums Geld geht

Daneben kommt es aber auch immer wieder vor, dass Erwachsene sich adoptieren lassen. Zwar ist für einen solchen Schritt ein Ja der leiblichen Eltern nicht mehr nötig. Aber: Eine Er­wachsenen­adoption muss, so heißt es, „sittlich gerechtfertigt“ sein.

„Das bedeutet, die Adoption darf nicht ausschließlich aus steuerlichen oder anderen finanziellen Erwägungen erfolgen“, erläutert Becker, die Vorsitzende des Geschäfts­führenden Ausschusses der Arbeits­gemeinschaft Familien­recht im Deutschen Anwalt­verein ist. Vielmehr muss eine echte Eltern-Kind-Beziehung bestehen: Man feiert zum Beispiel gemeinsam Feste oder fährt zusammen in den Urlaub.

Hat das Gericht Zweifel daran, ob eine solche Eltern-Kind-Beziehung besteht, kann es alle Beteiligten zu einer Anhörung laden, sie befragen und dabei ausloten, ob das Erzählte stimmig ist.

Wie sich schwache und starke Adoption unterscheidet

Grund­sätzlich sind zwei Arten der Er­wachsenen­adoption möglich. Zum einen gibt es die sogenannte schwache Adoption. „Bei dieser Variante besteht das Verwandtschafts­verhältnis zu den leiblichen Eltern fort“, erläutert Thelen. Das bedeutet dann, dass der Adoptierte bis zu viermal Erbschafts- und Pflichtteils­ansprüche geltend machen kann, aber gegebenenfalls auch Unterhalts­verpflichtungen hat - sowohl gegenüber den leiblichen als auch gegenüber den Adoptiv­eltern.

Zum anderen gibt es die sogenannte starke Adoption, bei der das Verwandtschafts­verhältnis zu den leiblichen Eltern einschließlich sämtlicher Verpflichtungen gekappt wird. Die Hürden für eine starke Adoption sind allerdings sehr hoch. „Ihr zustimmen wird das Gericht etwa dann, wenn der Erwachsene schon als Kind in der Familie gelebt hat, damals aber die leiblichen Eltern in der Adoption nicht ein­willigten“, so Thelen.

Denkbar ist ihm zufolge eine starke Adoption auch, wenn zum Beispiel die Familie schon minder­jährige Geschwister des jetzt voll­jährigen Kindes adoptiert hat oder gleich­zeitig adoptieren will. „Generell ist aber die Adoption eines voll­jährigen eher die Ausnahme.“

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Wie ist das Prozedere bei einer Adoption?

Wer ein Kind oder eine volljährige Person adoptieren will, stellt beim Familien­gericht einen notariell be­urkundeten Adoptions­antrag. Hinzu kommen von allen Beteiligten Einwilligungs­erklärungen, die ebenfalls notariell beurkundet sein müssen.

Ist der oder die Adoptions­willige verheiratet oder lebt er oder sie in einer ein­getragenen Lebens­partnerschaft, muss auch die Gattin oder der Gatte beziehungs­weise die Partnerin oder der Partner zustimmen. Des Weiteren sind dem Gericht Dokumente wie die Heirats­urkunde der Adoptiv­eltern und polizeiliche Führungs­zeugnisse vorzulegen.

Dauer und Kosten der Adoption vom Einzelfall abhängig

Die Dauer von Adoptions­verfahren ist höchst unterschiedlich. „Je nach Fallkonstellation ist von ein paar wenigen Wochen bis hin zu mehr als einem Jahr alles möglich“, sagt Eva Becker.

Und was ist mit den Kosten? „An Notar­gebühren fallen bei der Adoption eines oder einer Minderjährigen im Schnitt rund 90 Euro an“, erklärt Martin Thelen. Bei der Adoption einer voll­jährigen Person hängen die Notar­gebühren vom Vermögen des Annehmenden ab.

Thelen nennt ein Beispiel: Ist der oder die Annehmende im Besitz von 200.000 Euro, belaufen sich die Gebühren beim Notar auf 250 Euro. Bei einer Er­wachsenen­adoption entstehen zudem Gerichts­kosten von mehreren Hundert Euro. Nur die Adoption Minder­jähriger ist gerichts­kosten­frei.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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