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Erbrecht | 02.08.2021

Nachlass­pfleger

Erben verwalten: Welche Aufgaben Nachlass­pfleger haben

Nachlass­verwalter ist für die Pflege, Sicherung und Verwaltung des Nachlasses einer verstorbenen Person verantwortlich

Jemand stirbt ohne nahe Angehörige, es gibt kein Testament oder die Erben sind zerstritten - all das können für ein Gericht Gründe sein, eine Nachlass­pflegschaft anzuordnen. Was sich dahinter verbirgt.

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Immer wieder kommt es vor: Eine allein­stehende Person stirbt, ein Testament gibt es nicht - und Angehörige sind unbekannt. Stellt sich die Frage: Was passiert mit dem Eigentum, die der oder die Verstorbene hinterlässt? Und mit all den noch laufenden Verträgen?

Darum kümmern sich in solchen Fällen Nachlass­pfleger. Sie werden von dem Amtsgericht bestellt, in dessen Bezirk der oder die Verstorbene zuletzt gelebt hat. „Oft ist es der Vermieter der verstorbenen Person ohne nahe Angehörige, der bei Gericht eine Nachlass­pflegschaft beantragt, eben weil er die Wohnung freihaben und weiter vermieten möchte“, sagt der Bonner Anwalt für Erbrecht, Eberhard Rott.

Weitere Gründe für die Nachlasspflegschaft

Es gibt aber noch weitere Gründe, in denen das Amtsgericht eine Nachlass­pflegschaft anordnen kann. „Zum Beispiel, wenn einer oder mehrere Erben die hoch verschuldete Erbschaft ausschlagen“, erklärt der Diplom-Rechts­pfleger Thomas Lauk. In dem Fall ist es zum Beispiel Sache von Nachlass­pflegern, das Erbe zu verwerten und aus dem Erlös die Forderungen von Gläubigern zu begleichen.

Sind Hinter­bliebene zerstritten, wer was erbt oder liegen gleich mehrere Testamente eines Verstorbenen vor, kann das Gericht bis zur Klärung ebenfalls eine Nachlass­pflegschaft anordnen. Das gilt beispiels­weise auch dann, wenn unklar ist, ob ein Testament überhaupt wirksam ist.

Aufgaben sind vielfältig

Nachlass­pfleger sichern das Erbe und verwalten es. „Auch unauf­schiebbare Aufgaben haben sie im Blick“, sagt Lauk, der Mitglied im Präsidium des Bundes Deutscher Nachlass­pfleger (BDN) ist. Sie kümmern sich um laufende Zahlungs­modalitäten, aber beispiels­weise auch darum, dass jemand Tiere des oder der Verstorbenen versorgt.

„Wenn ein Allein­stehender stirbt und Pferde hat, ist schnelles Handeln angesagt“, erklärt der Heidel­berger Fachanwalt für Erbrecht, Jan Bittler, der Geschäfts­führer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögens­nachfolge ist. Je nach den Umständen organisieren Nachlass­pfleger auch die Beerdigung des Verstorbenen.

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Erben müssen ermittelt werden

Nicht selten müssen Nachlass­pfleger viel Zeit darauf verwenden, wenn es darum geht, bis dato unbekannte Erben ausfindig zu machen. „Sie recherchieren zum Beispiel in Personenstands­registern, die die Stande­sämter führen“, erläutert Rott, der Vorstands­vorsitzender der Arbeits­gemeinschaft Testaments­voll­streckung und Vermögens­vorsorge e.V. ist.

Gegebenenfalls sehen Nachlass­pfleger auch die persönlichen Unterlagen des oder der Verstorbenen daraufhin durch, ob es dort Hinweise auf mögliche Abkömmlinge gibt. „Schwieriger wird oft die Suche bei einem Bezug zum Ausland“, so Rott. Bleibt ihre Arbeit ohne Ergebnis, schalten Nachlass­pfleger nicht selten Erben­ermittler ein.

Verschenken dürfen Nachlasspfleger nichts

Welche Aufgaben Nachlass­pfleger haben, hängt letztendlich vom Einzelfall ab. Ordnet ein Gericht ihren Einsatz etwa im Fall des Todes eines Allein­lebenden an, tragen sie Sorge dafür, dass beispiels­weise die Mietwohnung des oder der Verstorbenen gekündigt und der Haushalt aufgelöst wird.

Sie wickeln auch Verträge etwa mit Strom- und Gasa­nbietern ab und klären möglicher­weise vorhandene Aktien­depots und Spar­guthaben bei Banken. „Als gesetzliche Vertreter des oder der unbekannten Erben dürfen Nachlass­pfleger nahezu alles“, sagt Lauk. Nur eines ist ihnen untersagt: „Sie dürfen aus dem Nachlass heraus nichts verschenken.“

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Bezahlung richtet sich nach Qualifikation

Nachlass­pfleger sind nicht zwingend Juristen. „Allerdings müssen sie persönlich und fachlich für die Tätigkeit geeignet sein“, so Lauk. Sie sollten eine vermittelnde Art haben und in der Lage sein, zum Beispiel eine Erbschaft­steuer­erklärung zu erstellen. Die Tätigkeit von Nachlass­pflegern wird vergütet - und zwar dann, wenn sie die Tätigkeit berufs­mäßig ausüben.

Die Bezahlung bei einem wert­haltigen Nachlass erfolgt auf Stundensatz-Basis und beträgt Lauk zufolge je nach Qualifikation des Nachlass­pflegers sowie je nach Umfang und Schwierigkeit des Falls zwischen 90 und 150 Euro pro Stunde plus Mehrwert­steuer. Die Mittel werden aus dem Nachlass entnommen.

Ist der Nachlass ohne Wert, bekommen Nachlass­pfleger eine Vergütung aus der Staatskasse - allerdings maximal 39 Euro plus Mehrwert­steuer die Stunde. „Wer ehren­amtlich als Nachlass­pfleger tätig ist, was heute aber eher selten vorkommt, bekommt nur Auslagen erstattet“, sagt Lauk.

Testament kann helfen

Mitunter kann sich eine Nachlass­pflegschaft über Jahre hinziehen. Anwalt Bittler weiß von einem Fall, bei dem sich Erben über einen Zeitraum von viereinhalb Jahren über die Wirksamkeit eines Testaments gestritten haben. „Gut, dass in dieser Phase sich ein Nachlass­pfleger um die Verwaltung der vorhandenen Immobilien gekümmert hat, sonst hätte es hier wohl ein Chaos gegeben“, so Bittler.

Wie Erblasser ein Nachlasspflegschafts-Verfahren vermeiden können

„Man kann man sich gar nicht früh genug darum kümmern, ein wirksames Testament aufzusetzen und es bei Gericht zu hinterlegen“, betont Rott. Das sei nicht zuletzt für Allein­lebende wichtig. Das Testament sollte gut durchdacht und verständlich sein.

Auch die Namen von Ersatzerben gehören in ein Testament, das regelmäßig auf den Prüfstand kommen sollte. Im Zweifels­fall bietet es sich an, sich von Experten wie Fach­anwälte für Erbrecht beraten zu lassen. „Der Erblasser kann auch verfügen, dass ein Testaments­voll­strecker zum Einsatz kommt“, so Rott. Mit ihm lässt sich oft Streit unter Erben vermeiden.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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