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Strafrecht und Verbraucherrecht | 05.01.2022

Klein­anzeigen­betrüger

„Es kann jeden treffen“: So tricksen Klein­anzeigen­betrüger

Treuhänder­dienste für Zahlungen nutzen

Klein­anzeigen­portale haben Konjunktur - gerade nach Weihnachten, der ungeliebten Geschenke wegen. Wo viel verkauft wird, tummeln sich auch Kriminelle. Wer sich schützen will, muss misstrauisch sein.

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Für 850 Euro hat ein Mann sein E-Bike zum Verkauf auf einem Klein­anzeigen­portal inseriert. Eine Interessentin meldet sich per Mail, man wird sich einig, dann kommt eine Mail der „Royal Bank of Canada“: Eine Zahlung über 1150 Euro werde an den Verkäufer freigegeben, wenn dieser zuvor 300 Euro an die Spedition „Boyd Logistics LLC“ überweist.

„Es kann jeden treffen„

So beschreibt ein Nutzer seinen Fall in einem Verbraucher­portal im Internet - und er ist bei weitem nicht der Einzige. „Ich hätte nicht gedacht, dass es mich auch erwischt.“ Wenn Kriminal­haupt­kommissar Hans-Joachim Henschel einen Satz immer wieder hört, dann diesen. „Es kann jeden treffen, alt, jung, Menschen aus allen Gesellschafts­schichten.“ Henschel arbeitet beim Landes­kriminalamt (LKA) Nieder­sachsen, sein Aufgaben­bereich: Prävention Cybercrime, also Schutz vor Straftaten im Internet.

Mehr als die Hälfte davon entfielen 2020 auf Waren- und Warenkredit­betrug. Bei ersterem liefern Betrüger die versprochene Ware nicht, obwohl bezahlt wurde; beim Warenkredit­betrug erhält der Täter die Ware, ohne zu bezahlen. Die Aufklärungsq­uote bei diesen Delikten liegt laut Polizeilicher Kriminal­statistik bei knapp 60 Prozent. Besonders beliebt sind aktuell Maschen mit erfundenen Speditionen und fingierten Mails von Zahlungs- oder Versand­dienst­leistern - wie beim Fall mit dem E-Bike.

Käufer sitzt angeblich im Ausland

„Der angebliche Käufer sitzt im Ausland und kann die Ware deswegen nicht selbst abholen“, schildert Henschel den Trick. Der Betrüger gibt vor, ein Transport­unternehmen zu beauftragen, das die Ware abholt. Teils erhält der Verkäufer gefälschte Mails von Banken, Zahlungs- oder Versand­dienst­leistern wie Paypal oder DHL, die den Kauf glaubhaft machen sollen.

Manchmal wird auch mit dem Anwalt gedroht. Überweist der Verkäufer die angeblichen Transport­kosten, wird der Kontakt abgebrochen, das Geld ist weg. Diese Masche kommt vor allem bei großen und hoch­preisigen Waren wie Möbeln oder Autos zum Einsatz.

Bei kleineren Objekten wie Uhren oder Handys gibt es andere Tricks, die nicht minder dreist sind. Der Verkäufer soll die Ware etwa als Geschenk an einen angeblichen Freund oder Verwandten des Käufers schicken und obendrein teils noch Guthaben­karten für Onlineshops oder Streaming­portale besorgen und beilegen. Das Geld für Ware und Karten will der vermeintliche Käufer angeblich vorab überweisen.

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Geld sieht der Verkäufer nie

Doch Geld sieht der Verkäufer nie. Entweder, weil der Betrag von gekaperten Konten überwiesen und später zurück­gefordert wird, oder weil die Zahlung mit gefälschten Mails von Bezahl­dienst­leistern oder Banken nur vor­getäuscht wird. „Manchmal heißt es sogar: „Sag mir die Gutschein­codes vorab““, erklärt Henschel, quasi als Absicherung, falls das Paket verloren geht.

Vermeiden kann man solche Betrugs­versuche, indem man die Kommunikation konsequent über das Klein­anzeigen­portal laufen lässt und nicht auf andere Mail-Adressen oder Messenger ausweicht. Auf den Internet­seiten von Verbraucher­zentralen, Polizei oder der Watchlist Internet finden sich außerdem aktuelle Betrugs­maschen. Wer ein komisches Gefühl hat, kann dort nachsehen, ob es schon ähnliche Fälle gab.

Besonders perfide ist der sogenannte Dreiecks­betrug. Hier kopieren die Täter einfach die Klein­anzeige, für die sie Interesse angemeldet haben, und stellen sie ein zweites Mal online. Den Verkäufer bitten sie um Zahlungs­daten für die Über­weisung und verwenden diese für ihr eigenes, gefälschtes Inserat.

Der Verkäufer ist der Verlierer

Meldet sich nun ein Interessent, wickeln sie den Kauf ab: Das Geld des Interessenten geht auf dem Konto des Verkäufers ein, der verschickt die Ware an die Betrüger, nicht an den Käufer, der das Geld überwiesen hat. Verlierer ist am Ende der Verkäufer. Denn beim Käufer kommt die Ware nie an, er fordert sein Geld vom Verkäufer zurück. Die Ware bleibt aber meist verschwunden.

Verbraucher sollten daher Käufer­schutz-Optionen nutzen, wenn es um Verkäufe mit Versand oder angeblicher Abholung durch Transport­dienst­leister geht. „Bei Paypal gibt es keinen Schutz, wenn das Geld per „Freunde und Familie“ verschickt wird“, erklärt Julia Rehberg von der Verbraucher­zentrale Hamburg.

Für die Paypal-Option „Artikel oder Dienst­leistung“ wird zwar eine Gebühr fällig, dafür bekommt der Käufer aber auch sein Geld zurück, wenn er nachweisen kann, dass die Ware nicht angekommen ist oder der Artikel nicht der Beschreibung entspricht, erklärt Rehberg.

Bei Ebay-Klein­anzeigen gibt es zudem etwa die Option „Sicher bezahlen“, die aber noch nicht bei allen Verkäufen zur Verfügung steht. Hier wird das Geld treuhänderisch verwahrt, bis die Ware angekommen ist. Auch das kostet eine Gebühr, außerdem darf der Verkäufer nur versichert verschicken.

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Die Mutter aller Betrügereien

Die Mutter jeden Klein­anzeigen­betruges ist natürlich der Vorkasse­betrug: Man überweist vorab, quasi ins Blaue hinein an den Verkäufer und muss hoffen, dass dieser die Ware auch schickt. „Vorkasse ist natürlich unsicher, ich weiß nicht, ob ich die Ware bekomme“, fasst Rehberg zusammen.

Falls es mit dem Wohnort und der Entfernung passt, ist natürlich selbst abholen und bar bezahlen auch eine gute Option - zumindest für den Käufer. Verkäufer sollten sich aber in diesem Fall vor einer Masche hüten, bei der Betrüger vorschlagen, die Ware vorab zu bezahlen und von einem Bekannten abholen zu lassen.

Doch nachdem mit diesem die Übergabe abgewickelt worden ist, bestreitet der Käufer, die Ware je erhalten zu haben und holt sich sein Geld vom Verkäufer zurück. Der steht dann ohne Geld und ohne Ware da. Also bei Vor-Ort-Geschäften doch lieber Barzahlung bei Übergabe, rät daher Harald Schmidt, Geschäfts­führer der Polizeilichen Kriminal­prävention der Länder und des Bundes. „Als Verkäufer bestimmen Sie die Abläufe.“

Und bei allen Betrugs­fällen gilt am Ende der Rat, es nicht etwa dabei bewenden zu lassen, sondern in jedem Fall Anzeige zu erstatten, sagt Kriminal­haupt­kommissar Henschel. „Auch bei 20 Euro, auch, wenn es peinlich ist.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
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