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Internetrecht und Verbraucherrecht | 03.08.2021

Coaching-Angebote

Falsche Versprechen: Warum manche Coachings bedenklich sind

Wie man unseriöse Coaches entlarvt und ab wann solche Angebote gefährlich werden

Coaches gibt es mittlerweile für alle Lebenslagen und -fragen. Doch manche von ihnen bieten keine echte Lösung. Wie man unseriöse Coaches entlarvt und warum das Geschäft mit Träumen problematisch ist.

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Was sich zu schön anhört, um wahr zu sein, ist es meistens auch. Dennoch gibt es zahlreiche Coaching- und Trainings­angebote die schier unglaubliche Erfolge versprechen: „Vom Außen­seiter zum Millionär“ heißt es online, und von einem Training so einfach wie „Malen nach Zahlen“ ist die Rede. Was steckt hinter diesen Programmen, wie kann man seriöses von unseriösem Coaching unter­scheiden und ab wann werden solche Angebote gefährlich?

„Ein professionelles Coaching kann durchaus sinnvoll sein, wenn die Probleme individuell ermittelt und individuell behandelt werden“, sagt Wirtschafts­psychologe Prof. Uwe Kanning von der Hochschule Osnabrück, der sich intensiv mit dem Coaching­markt beschäftigt. Sobald jedoch Standard-Methoden angewandt werden, mit denen angeblich jeder und jede erfolgreich und glücklich werden kann, bewegt man sich schnell im Bereich des unseriösen Coachings. „Die Anzahl solcher Angebote hat stark zugenommen.“

Die Coaching-Falle: Worin besteht der Reiz?

„Man unter­scheidet zwischen Life- und Business-Coaching“, legt Prof. Kanning dar. Während beim Life-Coaching allgemeine Lebens­fragen im Vordergrund stehen, geht es beim Business-Coaching um berufliche Themen­felder. Etwa, wie man seinen Führungs­stil verändern kann.

Oft sei der Übergang jedoch fließend. Das Ziel ist häufig, „sein 'volles Potenzial' zu entfalten, sei es um möglichst glücklich oder reich zu werden. Solche Coaches spielen mit den Träumen und Hoffnungen vieler Menschen“, sagt Prof. Kanning.

Der Coach als Identifikationsfigur

Die Beratungs­stelle für Welt­anschauungs­fragen (ZEBRA) in Freiburg bietet kostenfreie Beratung für Bürger­innen und Bürger, die etwa hinsichtlich gefährlicher religiös-weltanschaulicher Hilfes­tellung suchen. „Die Idee der Selbst­optimierung ist sehr präsent in unserer Gesellschaft“, sagt Leiterin Sarah Pohl.

Besonders in Zeiten der Unsicherheit, wie nach einem Jobverlust oder in der Phase des Erwachsen­werdens, sehen einige in Coaching-Angeboten eine Orientierungs­hilfe. Die Coaches nehmen dabei häufig die Rolle einer Identifikations­figur ein, da sie es „geschafft haben“ und sich als glücklich und erfolgreich präsentieren, erklärt Pohl.

Gutes Marketing, zweifelhaftes Angebot

Die Vermarktung der Angebote erfolgt oft über ähnliche Strategien. Häufig werde beispiels­weise auf die eigene Erfahrung verwiesen. „Aber bloß, weil jemand etwas seit zehn Jahren macht, muss es nicht automatisch richtig sein“, sagt Wirtschafts­psychologe Kanning.

Zudem werden auf den Webseiten der Anbieter oftmals zufriedene Kundinnen und Kunden zitiert. Das habe eine hohe suggestive, emotionale Wirkung, sei aber kein Beleg für den tatsächlichen Erfolg, gibt der Wirtschafts­psychologe zu bedenken. Manchmal wisse man nicht einmal, ob die Personen und die Zitate überhaupt real sind.

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Vorsicht vor Coaching-Abos

Der erste Schritt zu einem solchen Coaching-Programm ist oft ein kostenloses Erst­gespräch. Wird in diesem Gespräch dazu gedrängt, einen Vertrag zu unterschreiben, ist das ein höchst unseriöses Vorgehen, sagt Alexander Brungs, Vorstand des Deutschen Coaching Verbands. Das Erst­gespräch sollte vielmehr ein Aufklärungs­gespräch sein, in dem man sich kennen­lernen, Probleme definieren und Ziele abstecken kann.

Daneben müssen Vertrag und Zahlung transparent sein, so Brungs. Online-Seminare mit beliebig vielen Teilnehmern oder Jahresabos hätten nichts mit gutem Coaching zu tun. Es sollte eine Förderung auf persönlicher Ebene gewähr­leistet werden. Und die Möglichkeit auszusteigen müsse immer gegeben sein, sagt Brungs.

Nur Abzocke oder schon Gefahr?

Gerät man an ein unseriöses Coaching, besteht neben einem möglichen wirtschaftlichen Schaden, die Gefahr, dass bei tiefer­liegenden Problemen nicht geholfen wird, warnt Prof. Kanning. Liegen etwa schwere psychologische Beschwerden vor, sollte ein verantwortungs­voller Coach seine Klientinnen und Klienten an psychologische oder psycho­therapeutische Fachkräfte verweisen. „Ein Coach muss seine Grenzen kennen“, sagt auch Familien­beraterin Pohl.

Die Logik des kinder­leichten Erfolges bedeutet im Umkehr­schluss: Wenn die Erfolgs­methode nicht wirkt, hat wohl der Kunde etwas falsch gemacht. Statt das (berufliche) Leben tatsächlich zu verbessern, können so neue Selbst­zweifel entstehen, sagt Prof. Kanning. Außerdem sei es eine „Immunisierungs-Strategie“, die den Anbieter vor jeglicher Kritik schütze, so Diplom-Pädagogin Pohl. „Misserfolg liegt demnach am Klienten, Erfolg wird dem Coach zugeschrieben.“

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Die Rechtslage: Lässt sich der Vertrag kündigen?

Rechtsanwalt Marek van Hattem hat schon einige Mandanten beraten, die sich von einem solchen Coaching-Vertrag wieder lösen wollten. Manche von ihnen hatten bis zu 35 000 Euro für ein Coaching-Programm gezahlt. „In vielen Fällen ist es möglich, sich vom Vertrag zu lösen oder zumindest einen Teil des Geldes zurück zu bekommen“, sagt der Rechts­experte der Kanzlei Himmel­reither in Köln.

Die Versprechungen eines Coaching-Programms seien oft unmöglich zu erreichen oder sittenwidrig. Entsprechend könne es sein, dass der Vertrag von Anfang an nichtig war. Ansonsten ließen sich oft Minderungen verhandeln. Letztlich gäbe es die Möglichkeit sich über einen Widerruf oder die Anfechtung vom Vertrag zu lösen.

Andere Kunden wollen dagegen gar nicht aus dem Coaching-Programm aussteigen. „Manche sind so überzeugt, dass sie immer mehr Geld dafür ausgeben und sich teils sogar von anderen Menschen isolieren“, sagt Prof. Kanning. „Im Extremfall kann das zu einer Abhängigkeit führen.“ Besonders, wenn die Teilnehmenden sich nur noch mit Menschen umgeben, die ihre Meinung widerspiegeln.

Coaching-Angebote kritisch prüfen

„Begriffe wie Coaching oder Training sind nicht geschützt“, sagt Lars-Peter Linke vom Deutschen Verband für Coaching und Training (DVCT). Er empfiehlt daher die Berufs- und Lebens­erfahrung eines Coaches zu überprüfen. Auch ein Zertifikat eines Coaching­verbands könne ein Hinweis auf eine qualifizierte Ausbildung sein.

Prof. Kanning merkt jedoch an: „Es gibt um die 20 Coaching-Verbände.“ So sympathisch oder motivierend der Auftritt eines Coaches auf den ersten Blick also auch sein mag - „man muss solche Angebote kritisch hinter­fragen“, rät der Wirtschafts­psychologe.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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