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Internetrecht und Vertragsrecht | 11.05.2022

Abofalle

Gegen Dark Patterns: Manipulation im Netz erkennen

„Dark Patterns“ erkennen und vermeiden

Viele Webseiten manipulieren gezielt Nutzer. Manche sammeln so möglichst viele Daten, andere jubeln Ahnungslosen ein Bezahl-Abo unter. Die Tricks sind kreativ, der Rechts­rahmen ist löchrig.

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Zum Verkauf stand ein E-Book, wahlweise mit Tipps zu Ernährung, Diäten oder Hunde­erziehung. Das Angebot klang verlockend: Preis ein Euro plus Versand­kosten. Spätestens beim Blick auf den nächsten Kontoauszug kam die Erkenntnis: Hier stimmt etwas nicht. Auf der Abrechnung war der Preis für ein monatliches Abo aufgeführt. Ein Abo, das der Kunde nie wollte, beim Kauf aber unwissentlich abgeschlossen hatte.

Der Weg in die Abofalle führte in diesem Fall über das Klein­gedruckte der Webseite, gut versteckt zwischen großen, bunten Flächen und Buttons, die für Ablenkung sorgten. Der Fall ist ein Beispiel für das, was in der Fachsprache Dark Patterns genannt wird: Der Versuch, die Ent­scheidung eines Verbrauchers durch psychologische Tricks oder manipulative Design­elemente zu beeinflussen.

„Es fing an mit Cookie-Bannern“

Bei der Verbraucher­zentrale Rheinland-Pfalz (VZ RP) gehen immer öfter Beschwerden zu Dark Patterns ein, erzählt Jennifer Kaiser, Referentin für Digitales und Verbraucher­recht: „Es fing an mit Cookie-Bannern.“ Nutzerinnen und Nutzer beschwerten sich über die penetranten und oft unübersichtlichen Fenster, über die beim Besuch einer neuen Internet­seite Daten­schutz­einstellungen getroffen werden müssen.

Jetzt melden sich vor allem Menschen, die keinen Weg mehr aus der Abofalle finden, sagt Verbraucher­schützerin Kaiser. Denn auch nach dem ungewollten Vertrags­abschluss „helfen“ Dark Patterns, Verbraucher zu verwirren. Zum Beispiel indem Unternehmen oder Händler den Kontakt zum Kunden­service oder Informationen zur Kündigung in den Untiefen von Menüs verstecken.

Klar ist: Dark Patterns sind allgegenwärtig. „Jedes zweite Cookie-Banner in Deutschland enthält Dark Patterns“, sagt Peter Hense, Rechtsanwalt für IT und Datenschutz. Zwar ist seit Dezember 2021 gesetzlich geregelt, dass Cookies nur gesetzt werden dürfen, wenn der Nutzer „auf der Grundlage von klaren und umfassenden Informationen eingewilligt hat“. Was das genau heißt, ist allerdings Auslegungs­sache. Im Zweifel bleibt oft nur der Weg zu den Verbraucher­zentralen, die regelmäßig klagen.

Bloß nicht drängen oder einschüchtern lassen

Wichtig ist, sich nicht drängen oder einschüchtern zu lassen. „Manche Unternehmen behaupten frech, man habe zugestimmt“, sagt Anwalt Hense - nur weil der Verbraucher versehentlich eine bestimmte Option angeklickt hat. Das hat vor Gericht aber nicht unbedingt Bestand.

Andere versuchen Kunden weis zu machen, dass kein Widerruf möglich sei, berichtet Verbraucher­schützerin Kaiser. Bei Internet­käufen seien aber 14 Tage Widerrufs­recht die Regel.

Um Kunden zu einem bestimmten Verhalten zu bewegen, nutzen Anbieter von Webseiten verschiedene Tricks. Beispiel Cookie-Banner: „Die privacy-freundlichere Alternative wird eher peripher und optisch unauffällig platziert“, erklärt Professor Frank Kargl von der Universität Ulm. Und wer seine Nutzungs­daten beim Surfen auf einer Seite nicht teilen will, muss sich durch zig Checkboxen und Unterseiten kämpfen, um alle Freigaben manuell abzuwählen.

Viele kapitulieren da und akzeptieren genervt doch alle Cookies. Die Banner sind also so designt, dass sie menschliche Auto­matismen ausnutzen. Wer schnell auf eine Seite gelangen will, um etwas zu erledigen, klickt bei einem scheinbar irrelevanten Dialog eher auf die vorgewählte Option, um sich nicht aufhalten zu lassen, erklärt Kargl.

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Das, was kostet, wurde bereits ausgewählt

Weitere beliebte Tricks: Kurz vor dem Bezahl­vorgang taucht plötzlich ein Artikel im Warenkorb auf, den der Käufer gar nicht hinein­gelegt hat. Oder bestimmte Optionen, etwa zum Abschluss einer Reise­versicherung bei der Buchung eines Fluges, sind schon voraus­gewählt.

„Manchmal wird der Eindruck von Dringlichkeit erweckt“, sagt Prof. Kargl, etwa indem ein Countdown abläuft oder ein Buchungs­portal in roter Schrift darauf hinweist, dass „nur noch 1 Zimmer“ verfügbar sei. Oder Nutzerinnen wird ein schlechtes Gewissen gemacht: „Wenn Sie nicht alle Felder ausfüllen, kann Ihnen unser Dienst nicht das optimale Ergebnis anzeigen“.

Das Problem: Viele dieser Praktiken sind legal. Wenn Buchungs­portale angeben, dass nur noch wenige Flüge oder eine begrenzte Anzahl an Angeboten verfügbar ist, sei das „ein Marketing-Instrument“ und damit rechtlich erlaubt, erklärt Verbraucher­schützerin Jennifer Kaiser. Die Politik greife bisher nur bedingt regulierend ein.

Die EU-Kommission schaltete sich ein

Ein Eingriff der EU-Kommission wie im Dezember 2019 bei „Booking.com“ ist eher die Ausnahme: Das Buchungs­portal wurde angewiesen, seinen Internet­auftritt transparenter zu gestalten: Angebote dürften nur dann als begrenzt beworben werden, wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich nicht mehr verfügbar seien.

Um nicht auf die Tricks der Anbieter herein­zu­fallen, müssen Verbraucher sie vor allem kennen. Beispiele für Dark Patterns und Seiten, die sie verwenden, finden sich über Such­maschinen. Es gibt mehrere Netz­sammlungen oder Fallstudien von Wissenschaftlern, auch die Verbraucher­zentralen klären auf.

Ansonsten hilft vor allem: aufmerksam sein, nicht vorschnell auf Buttons klicken, Formulierungen genau überprüfen und vor dem Kauf eines Produkts noch einmal den Warenkorb und die Endsumme checken. Denn Dark Pattern funktionieren nur, wenn sie wirklich im Dunklen bleiben.

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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