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Baurecht und Verbraucherrecht | 25.01.2021

Hausbau

Hausbau in Corona-Zeiten: Was Bauherren jetzt beachten müssen

Tipps zur Termin­planung und bei Verzögerungen

Vieles gerät durch Corona ins Stocken, aber die Baubranche boomt. Dennoch müssen Bauherren derzeit einiges beachten, damit es mit dem Traumhaus klappt.

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Auch wenn die Maßnahmen gegen Corona in vielen Bereichen zu einem Stillstand führen. Das neue Eigenheim ist davon nicht betroffen. „Es gab 2020 noch mehr Auftrags­eingänge als im Vorjahr. Und 2019 war schon ein starkes Jahr“, sagt Christoph Windscheif vom Bundes­verband Deutscher Fertigbau.

Und die gute Nachricht: Gebaut darf weiter werden

Auf den Baustellen darf weiterhin gearbeitet werden, wenn die bundesweit geltenden Arbeits- und Hygiene-Schutz­maßnahmen eingehalten werden. „Natürlich kann es trotzdem bei manchen Arbeits­schritten zu Verzögerungen kommen, etwa weil ein ganzer Bautrupp unter Quarantäne gestellt werden muss“, sagt Florian Becker vom Bauherren-Schutzbund.

Ausreichend Puffer einrechnen

Grund­sätzlich gilt: „Termine und Fristen müssen Unternehmen trotz Corona einhalten“, so Becker. Sich deswegen auf höhere Gewalt zu berufen, ginge nicht. Zumal das Problem mittlerweile bekannt sei und die Bau­unternehmen aus seiner Sicht genügend Zeit hatten, sich auf die Situation einzustellen.

Insbesondere, wenn jemand jetzt einen Vertrag neu abschließt, rät Becker: „Hinter­fragen Sie den Zeitplan des Unternehmen und erkundigen Sie sich, welche Maßnahmen für mögliche Ausfälle eingeplant wurden.“

Bauherren sollten sich nicht damit zufrieden geben, dass ein Unternehmen Corona als Ausrede verwendet. Firmen könnten diesen Grund nicht pauschal angeben, um Verzögerungen zu recht­fertigen. „Verbraucher können dann eine detaillierte Erklärung verlangen - beispiels­weise wann, wer, wie lange aufgrund von Corona ausgefallen ist“, erklärt der Bauherren-Berater.

Auf Alternativen ausweichen und auf Qualität achten

Trotz Lockdown und Konjunktur­einbruch halten sich die Auswirkungen der Corona-Krise laut Becker aber bislang in Grenzen. „Anfängliche Material­engpässe und Liefer­schwierigkeiten sind mittlerweile weitgehend behoben.“ Dennoch kann die Pandemie Liefer­ketten beeinflussen, etwa weil Firmen im Ausland sitzen.

„Sollte es bei einzelnen Materialien zu Liefer­engpässen kommen, können Bauherren auf andere Materialien ausweichen“, erklärt Branchen­vertreter Christoph Windscheif. Bei der Bemusterung - der individuellen Ausstattung der Innenräume - kann eine andere Fliese, Tür oder Badewanne ein Kompromiss sein.

„Das Ziel beider Seiten sollte es sein, dass die Immobilie rechtzeitig fertig wird“, sagt Windscheif. Da sich seine Verbands­mitglieder verpflichtet haben, gleichwertige Materialien zu verwenden, entstehen Kunden von Fertigbau­häusern dadurch keine Extrakosten. „Es sei denn die Änderung würde jetzt einen erheblichen Planungs­mehraufwand bedeuten oder die Kunden entscheiden sich für ein hoch­wertigeres Material“, erklärt er.

Becker warnt dennoch: „Achten Sie darauf, dass Sie bei der Qualität und den technischen Möglichkeiten nichts Schlechteres als Alternativ­material unter­gejubelt bekommen.“ Das sei für Laien manchmal schwer erkennbar.

„Eine Fliese kann identisch aussehen, aber die eine rutsch­hemmend sein, die andere aber nicht. Auch wenn die technischen Komponenten übereinstimmen sind, kann ein Hersteller mit Sitz im Ausland etwa einen schlechteren Kunden­service haben als ein inländisches Unternehmen“, sagt Becker. Wer sich unsicher ist, sollte sich unabhängigen Rat suchen.

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Termine gut planen und die Baustelle besuchen

Manche Termine können Bauherren ohne ein persönliches Treffen wahrnehmen, es gibt Möglichkeiten Bauvertrags­kontrollen und Beratungen per Video­konferenz abzuhalten

„Bei der Vorplanung sind Online­termine denkbar. Bei Abstimmungen, Besichtigungen von Problemen sowie der Bauabnahme sollten Bauherren jedoch unbedingt vor Ort sein. Da birgt ein Online­termin Risiken“, rät Becker vom Bauherren-Schutzbund. Baustellen­besichtigungen sind mit genügend Abstand und Masken weiterhin möglich.

Der Experte empfiehlt: „Sprechen Sie mit der Baufirma vorher ab, wie der Termin abläuft - etwa wie viele Personen kommen. Das erspart einem vor Ort Stress.“ Und: Machen Sie klar, dass Sie den Termin nur wahrnehmen, wenn alle Maske tragen und ausreichend Abstand halten.

Und noch ein allgemeiner Tipp: Geht es um die Bauabnahme, sind Vorbegehung in kleiner Runde sinnvoll, um vorhandene Mängel durch­zu­gehen - sogar Sachverständige können dann dabei sein, wenn der Bauherr sich unsicher fühlt.

Auf Verzögerungen reagieren

Verzögert sich die Fertig­stellung des Hauses, sollten Bauherren das Unternehmen darauf hinweisen, damit sie später eine rechtliche Handhabung haben. So können Bauherren Schaden­ersatz­ansprüche geltend machen. „beispiels­weise, wenn ihnen Mehrkosten entstehen, weil sie nicht ins Haus können und die Möbel einlagern müssen“, sagt Becker.

Hier geht es dann auch um die Haftung: „Die Frage ist dann, was ist die Ursache für die Verzögerung und wer sie zu verantworten hat. Das gilt es im Einzelfall zu prüfen“, sagt Windscheif.

Er erklärt: „Ist die Lieferkette im Ausland unter­brochen und Materialien kurzfristig nicht lieferbar, kann dies höhere Gewalt sein.“ Hat ein Bau­unternehmer hingegen das Material zu spät bestellt, sei dies keine höhere Gewalt. In der Regel liegt die Beweis­pflicht beim Unternehmer.

Allerdings haben Bauherren Mitwirkungs­pflichten, damit die Fertig­stellung gelingt. Bei Fertig­häusern müssen sie beispiels­weise dafür sorgen, dass die Finanzierung steht und die Bau­vorbereitungen auf dem Grundstück abgeschlossen sind, erläutert Windscheif.

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Besser keinen Druck machen

Sollte sich der Bau verzögern, kann dies sich fatal auf die Kosten auswirken. Dennoch rät Becker davon ab, der Baufirma Zeitdruck zu machen. Erfahrungs­gemäß gehe Eile oft zu Lasten der Qualität. „Dann steigt das Risiko für Baumängel“, sagt Becker.

Beide Seiten sollten kompromiss­bereit sein, damit am Ende die Fertig­stellung rechtzeitig klappt. Zudem rät Becker: „Mehr Zeit als sonst einplanen - ein Puffer von mindestens acht bis zehn Wochen ist empfehlens­wert.“ Das sei wichtig, damit es am Ende nicht zu knapp wird.

„Bauen ist ein langfristiger Prozess“, betont Windscheif. Das habe sich durch Corona nicht geändert. „Viele Menschen haben jetzt mehr Zeit. Daher lautet mein Rat, dass sie diese Zeit nutzen, um vorausschauend zu planen.“ Neben der Prüfung der Verträge, ginge es vor allem darum, die eigenen Bedürfnisse zu klären. „Überlegen Sie sich genau, wie das Haus gestaltet sein soll“, rät Windscheif. Denn wer das gut plant, spart letztlich Geld und Ärger ohne späte Nach­besserungen.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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