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Ordnungswidrigkeitenrecht und Verkehrsrecht | 14.03.2017

Radfahren

Irrtümer zum Thema Radfahren: Was ist erlaubt und was nicht

Ein Überblick was richtig oder was nur ein populärer Irrtum ist

Betrunken radeln, die Freundin auf dem Gepäck­träger mit nehmen und über Kopfhörer Musik hören - ist das erlaubt? Sind viele Gänge besser als wenige, und ein weicher Sattel ist bequem?

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Nicht nur Autofahrer müssen sich an strikte Regeln halten - auch Radler. Zum Beispiel beim Tempo: Zwar ist es eher unwahrscheinlich, mit dem Rad in einer Tempo-70-Zone geblitzt zu werden. Doch: „Tempolimits gelten für alle Benutzer des jeweiligen Verkehrs­wegs, also auch für Radfahrer. Bedeutsam ist das vor allem in verkehrs­beruhigten Bereichen, wo nur Schritt­geschwindig­keit erlaubt ist“, sagt Tobias Goldkamp, Fachanwalt für Verkehrs­recht. Wer rücksichtslos durch eine so genannte Spielstraße rast, riskiere daher mindestens eine Geldbuße.

Radfahrer müssen auf Radwegen fahren

Radfahrer gehören nicht auf die Straße, ist immer wieder zu hören. Doch das ist nur bedingt richtig. „Gibt es einen Radweg, muss der von Fahr­radfahrern nur zwingend genutzt werden, wenn auch das entsprechende Gebots­schild - weißes Rad auf blauem Grund - darauf hinweist“, sagt David Koßmann vom Presse­dienst Fahrrad (pd-f). Ansonsten stehe es Radlern frei, auf die normale Fahrbahn zu wechseln. „Keinesfalls aber darf der Fußweg zum Radweg umfunktioniert werden. Das ist nur erlaubt, wenn es entsprechend beschildert ist, etwa in Parks. Fußgänger haben dann aber immer Vortritt.“ Einzig Kinder bis zehn Jahre dürfen den Fußweg entlang­radeln. Bis acht Jahre darf sie dort neuerdings ein Elternteil auf dem Rad begleiten.

Auch für Radfahrer gilt Promillegrenze

Wer nach der Kneipe das Auto stehen lässt und aufs Fahrrad steigt, handelt nur bedingt richtig. Denn auch hier gilt eine Promille­grenze, warnt David Koßmann vom Presse­dienst Fahrrad (pd-f). „Die liegt zwar bei 1,6 statt der 0,5 beim Auto, aber wenn etwas passiert, und der Fahrrad­fahrer hat mehr als 0,3 Promille Alkohol im Blut, gibt es eine Anzeige.“ Ab 1,6 Promille ist zudem der Führer­schein weg. Besonders sollten S-Pedelec-Fahrer aufpassen. „Die sehen zwar aus wie Fahrräder, sind aber als Kraft­fahrzeuge eingestuft, und daher gelten auch hier die 0,5 Promille vom Auto.“

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Telefonieren auf dem Fahrrad ist erlaubt

Wie beim Auto ist Telefonieren nur mit Freisprech­einrichtung erlaubt. „Ein Verstoß kostet 25 Euro Bußgeld“, sagt Tobias Goldkamp, Fachanwalt für Verkehrs­recht. „Im Gegensatz zum Telefonieren beim Autofahren gibt es aber keinen Punkt in Flensburg.“ Erlaubt ist es nur, wenn etwa ein Knopf im Ohr genutzt wird. Entsprechende Frei­sprech­einrichtungen gibt es kabel­gebunden oder via Bluetooth. Verboten sind Kopfhörer nicht. „Zum Telefonieren, Navigieren und auch zum Musikhören ist das erlaubt“, sagt David Koßmann vom Presse­dienst Fahrrad (pd-f). „Allerdings im Falle der Musik nur so laut, dass Umgebungs­geräuschen och gut wahr­genommen werden können.“

In Deutschland besteht Helmpflicht

Apropos Kopf: Auch wenn die Zahl der Fahrrad­fahrer mit Helm nach Auskunft des Bundes­verkehrs­ministerium seit Jahren steigt: „Helme können schützen, aber eine Helmpflicht gibt es in Deutschland nicht, auch nicht für einzelne Alters­gruppen wie Kinder“, erklärt David Koßmann vom Presse­dienst Fahrrad. Vgl. vertiefend: Helmpflicht für Radfahrer: Muss man als Fahrradfahrer einen Helm tragen?

Zu zweit auf dem Fahrrad

Einer auf dem Sattel, einer auf dem Gepäck­träger: Zu zweit auf dem Fahrrad zu fahren, ist zwar nicht sehr bequem, aber es funktioniert. Nur erlaubt ist es nicht. „Mitgenommen werden dürfen nur Kinder bis sieben Jahre und auch nur in einer geeigneten Sitz­vorkehrung, sprich einem Kindersitz“, sagt Tobias Goldkamp, Fachanwalt für Verkehrs­recht. Zudem muss der Fahrrad­fahrer mindestens 16 Jahre alt sein.

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Stichwort Sattel:

Hier hält sich das Gerücht, ein weicher Sattel sei bequemer und gesünder als ein harter. Ein Irrtum, der schnell wehtun könne, sagt David Koßmann vom Presse­dienst Fahrrad (pd-f). Viel wichtiger als eine große Polster­fläche sei die richtige Form des Sattels - die finde jeder am besten über Probe­fahrten heraus.

Auch nicht richtig:

Je mehr Gänge, desto besser. Inzwischen weiß man, dass das Quatsch ist. „Nicht die Anzahl der Gänge ist wichtig, es müssen vielmehr die richtigen sein“, sagt David Koßmann vom Presse­dienst Fahrrad (pd-f). Wer vorne drei Ketten­blätter und hinten acht Ritzel habe, schalte ständig hin und her und über Kreuz, was zudem noch ineffektiv sei. „Viel besser ist es, linear zu schalten, also ein Gang nach dem anderen, wie es bei Naben­schaltungen ohnehin der Fall ist.“ Bei einem Rad mit Ketten­schaltung kann man durch extra große Ritzel-Kassetten heute auch mit einem Kettenblatt an der Kurbel gut auskommen.

Fahrradbeleuchtung braucht eine Zulassung vom Kraftfahrtbundesamt

Mal blinkt der Helm, mal strahlt der Rucksack, andere tragen die Leuchte einfach in der Hand. Fakt jedoch ist: „Die Fahrrad­beleuchtung braucht eine Zulassung vom Kraft­fahrt­bundes­amt, zu erkennen an der Kenn­zeichnung ~K“, sagt David Koßmann vom Presse­dienst Fahrrad (pd-f). Hier gebe es auch Modelle, die mobil mitgenommen und angesteckt werden könnten. Blinkende Leucht­dioden am Rad aber seien ebenso wenig erlaubt wie eine einfache Taschen­lampe. Wer mit defekter Beleuchtung liegenbleibt, sollte am besten vom Rad absteigen und im Sinne der eigenen Sicherheit schieben.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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