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Internetrecht und Urheberrecht | 06.03.2017

Kinderfotos im Netz

Kaum auf der Welt und schon bei Facebook: Wenn Eltern Kinderfotos im Netz posten

Experten klären über die Risiken und Neben­wirkungen auf

Kaum auf der Welt, schon bei Facebook: Viele Eltern posten fleißig Fotos ihrer Kinder in sozialen Medien - und lassen kein Detail aus der familiären Privat­sphäre aus. Drei Experten erklären, warum solche Bilder Risiken bergen.

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„Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook und Co zu posten! - Auch Ihre Kinder haben eine Privat­sphäre!“ Mit diesem Appell erregte die Polizei der Stadt Hagen vor einem Jahr viel Aufmerksamkeit. Das Thema bleibt aktuell: Momentan sorgt eine Facebook­seite für Aufregung. Die Seite „Little Miss & Mister“ stellt zahlreiche Kinderfotos zur Schau, die sie aus öffentlichen Nutzer­profilen sammelt. Die Betreiber der Seite wollen Eltern damit auf die Gefahren öffentlicher Bilder aufmerksam machen. Wer und was genau hinter der Seite steckt, bleibt aber unklar.

Ist es okay, Fotos seiner Kinder online zu stellen? Welche Risiken birgt das? Und was tun Eltern ihren Kindern damit eigentlich an? Drei Experten antworten:

Dürfen Eltern Fotos ihrer Kinder öffentlich posten?

Wenn sie das Sorgerecht haben, dann ja. „Eltern sind die Sach­verwalter der Rechte ihrer Kinder, entsprechend dürfen sie auch Fotos von ihnen im Internet veröffentlichen“, sagt Karsten Gulden, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht aus Mainz. Dabei haben auch Kinder ein Recht am eigenen Bild. „Im Grundsatz muss jeder gefragt werden“, sagt Carsten Ulbricht, Rechtsanwalt für Internet- und Social-Media-Recht aus Stuttgart. „Je nach Alter können Kinder aber noch nicht selbst entscheiden, daher übernehmen die Eltern das für sie.“ Beide Erziehungs­berechtigten müssen sich einig sein. Hat nur ein Elternteil das Sorgerecht, darf dieser alleine bestimmen.

Ab wann dürfen Kinder mitentscheiden?

In der Regel geht man davon aus, dass Kinder etwa ab dem 14. Lebensjahr die notwendige Einsichts­fähigkeit besitzen, um über die Veröffentlichung von Fotos mitzubestimmen. „Unter 14 Jahren können die Eltern im Grundsatz alleine entscheiden“, sagt Carsten Ulbricht, Rechtsanwalt für Internet- und Social-Media-Recht. Danach sind bis zum 18. Lebensjahr beide zuständig - die Eltern und das Kind. „Sobald ein Kind 14 ist, muss es ausdrücklich gefragt werden“, sagt Carsten Ulbricht, Rechtsanwalt für Internet- und Social-Media-Recht. Dann könne es auch das Löschen von bereits im Netz publizierten Bildern verlangen.

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Welche rechtlichen Konsequenzen drohen Eltern?

„Spätestens wenn sie volljährig sind, können Kinder gegen ihre Eltern und die Veröffentlichung der Fotos vorgehen“, sagt Karsten Gulden, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht. Basis sei das Recht auf informationelle Selbst­bestimmung. „Das Kind kann eine Unter­lassung verlangen und notfalls gerichtlich erzwingen, die Bilder zu entfernen“, erläutert der Jurist. Schaden­ersatz­ansprüche ließen sich aber nur schwer durchsetzen. Wer Konflikte vermeiden will, fragt seine Kinder ab einem gewissen Alter am besten um Erlaubnis. Probleme sehen die Experten bei Scheidungs­kindern und Patchwork­familien, wenn Ex-Partner oder neue Lebens­gefährten ungefragt Bilder posten: „In diesen Konstellationen sind künftig Klagen denkbar“, sagt Karsten Gulden, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht.

Welche Bilder sind problematisch?

Dass Nacktfotos von Pädophilen genutzt werden können, ist vielen Eltern bewusst. Doch auch vermeintlich harmlose Bilder bergen Risiken, zum Beispiel wenn der Name des Kindes darunter steht. „Es gibt bereits Such­maschinen, bei denen man ein Foto hochladen kann, und dann wird das komplette Netz danach abgescannt“, sagt Karsten Gulden, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht. Jedes Foto könne zweckent­fremdet werden oder auf einer Pädophilen-Seite landen. Der Jurist rät, nur Fotos zu posten, auf denen das Kind von hinten zu sehen ist oder man das Gesicht nicht erkennt.

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Welche negativen Folgen drohen den Kindern noch?

„Ist ein Foto erst einmal veröffentlicht, haben Sie keine Kontrolle mehr darüber“, sagt Carsten Ulbricht, Rechtsanwalt für Internet- und Social-Media-Recht. Die Bilder ließen sich leicht von Dritten herunterladen und weiter verwenden. „Im Teenager­alter sind Jugendlichen viele Kinderfotos unangenehm, vor allem wenn Mitschüler sie sehen.“ So manches Kind werde deswegen gehänselt oder gemobbt. „Und man weiß nie, was irgendwann mal wieder hoch kommt“, sagt Carsten Ulbricht, Rechtsanwalt für Internet- und Social-Media-Recht. Macht das Kind später Karriere, wird es sich kaum über die eigenen Töpfchen-Bilder im Netz freuen. „Kinder können sich in ihrer Privat­sphäre verletzt fühlen, wenn ihre Eltern Fotos von ihnen online teilen“, sagt Philipp Masur vom Lehrstuhl für Medien­psychologie an der Universität Hohenheim. „Das ist eine Art Vertrauens­bruch.“ Anderen etwas über seine Kinder mitzuteilen, sei zwar nicht neu: „Hat man früher Details über das Kind ausgeplaudert, hat es sich auch geschämt.“ Online könne das jedoch viel größeren Schaden anrichten.

Helfen restriktive Privatsphäreeinstellungen?

Sie sind besser als nichts. „Wenn jemand unbedingt Kinderfotos veröffentlichen will, dann zumindest zugangsbeschränkt“, empfiehlt Carsten Ulbricht, Rechtsanwalt für Internet- und Social-Media-Recht. Die Gefahr, dass jemand Kopien macht, besteht aber immer: Wird ein Foto dann neu hochgeladen, bleibt es online, auch wenn das Ursprungs­bild gelöscht wird. Dasselbe gilt für Messenger.

Warum posten Eltern überhaupt so viele Kinderfotos?

Laut Philipp Masur vom Lehrstuhl für Medien­psychologie an der Universität Hohenheim ist das eine Form von Selbst­darstellung. „Als junge Eltern identifiziert man sich auch über seine Kinder. Man möchte zeigen, was man erreicht hat.“ Nach der Hochzeit, dem schönen Urlaub, sei das Posten von Kinderfotos nur der nächste Schritt, sagt der Wissenschaftler. Komme ein Bild gut an, bestärke das. „Man bekommt etwas zurück, indem die Leute kommentieren und liken.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
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