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Verbraucherrecht und Verwaltungsrecht | 20.06.2022

Corona-Pandemie

„Kein Alarm“ wegen Corona-Sommerwelle

Keine Normalität im Herbst - aber mit weniger Einschränkungen

Mit der ent­spannteren Pandemie-Lage in den warmen Monaten ist es diesmal so eine Sache: Die meisten Vorgaben sind weg, An­steckungen nehmen erneut zu. Was heißt das für die Bürger und den Corona-Kurs?

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Gesundheits­minister Karl Lauterbach setzt angesichts wieder höherer Corona-Infektions­zahlen auf Vorsicht aller im Sommer - und dann auf weitere Schutz­vor­kehrungen für den Herbst. „Es ist nicht so, dass wir sorglos und ohne Gegen­maßnahmen dieser Sommerwelle begegnen können“, sagte der SPD-Politiker in Berlin. Es sei aber auch „kein Alarm notwendig“. Er appellierte an die Menschen, freiwillig Masken in Innen­räumen zu tragen. Dann rechne er mit einem Herbst, „wo wir nicht zur Normalität zurück­kommen. Aber wir werden auch nicht so eingeschränkt sein, wie wir eingeschränkt waren.“

Die Sommerwelle: Lauterbach warnt vor Ansteckung

Das Robert Koch-Institut (RKI) erwartet auch für die nächste Zeit weiter steigende Fallzahlen, wie Vize­präsident Lars Schaade sagte. Jede Welle habe bei jungen und mittleren Alters­gruppen begonnen. „Das ist auch diesmal so.“ Sie pflanze sich dann fort, und es kämen auch wieder mehr Menschen aus Risiko­gruppen mit Covid in Kliniken und auf Intensiv­station. Gründe für den Trend seien das Ende vieler Schutz­auflagen und dass die Variante BA.5 sich noch schneller ausbreite als bisherige. „Die gute Nachricht ist, dass es derzeit keine Hinweise darauf gibt, dass BA.5 zu schwereren Erkrankungen führt als die anderen Omikron-Varianten“, erläuterte Schaade.

Lauterbach warnte dennoch davor, nun An­steckungen zu riskieren. „Die unvorsichtige Infektion im Sommer ist keine Verheißung“, sagte er auch mit Blick auf länger anhaltende Beeinträchtigungen (Long Covid). Da sei eine Impfung immer der bessere Weg.

Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI nun mit 427,8 an - nach 480,0 gemeldeten Neu­infektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen am Vortag und 318,7 vor einer Woche. Allerdings ist der Wert wegen des Feiertags Fron­leichnam in mehreren Ländern wenig aussagekräftig - Behörden meldeten Fallzahlen am Donnerstag nur sehr eingeschränkt oder gar nicht ans RKI. Zudem gehen Experten seit einiger Zeit von vielen nicht erfassten Fällen aus - vor allem weil bei weitem nicht alle Infizierten PCR-Tests machen lassen. Doch nur die PCR-Test­ergebnisse zählen in der Statistik.

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Die Herbst-Vorbereitungen

Mit Blick auf eine wieder an­gespanntere Lage will Lauterbach einen Sieben-Punkte-Plan umsetzen. „Das Ziel ist ganz klar, dass wir besser in den Herbst hineingehen wollen als wir das im letzten Jahr konnten und auch im Jahr davor.“ Dazu gehört eine weitere größere Impf­kampagne, aber ohne einen neuen Anlauf für die im Bundestag ge­scheiterte allgemeine Impfpflicht. Weitere Punkte sind ein schnellerer Einsatz von Medikamenten bei Erkrankten und präzisere Zuständigk­eiten für Corona-Schutz in Pflege­heimen. Lauterbach sagte, er gehe davon aus, dass Bürger­tests auch im Sommer weiter genutzt werden könnten. Bisher ist das kostenlose Angebot bis Ende Juni fix.

Sechs der sieben Punkte könnten direkt angegangen werden, machte der Minister deutlich. Beim letzten ist das kniffliger. Da geht es um Änderungen der Corona-Be­stimmungen im Infektions­schutz­gesetz, die am 23. September auslaufen. Und in der Koalition lehnt die FDP schnelle Festlegungen ab. Lauterbach kündigte an, dass er mit Justizminister Marco Buschmann (FDP) Eckpunkte noch vor der Sommerpause anstrebt - sie könnten dann nach dem Sommer beschlossen werden. Details nannte er noch nicht. Es sollten „Winter­reifen“ vorbereitet werden. Und da werde mehr gebraucht, als jetzt an „Sommer­reifen“ aufgezogen sei.

Neue Impfstoffe an Varianten angepasst

Impfstoff für alle: Noch für den Sommer riet Lauterbach erneut dazu, vierte Impfungen „großz­ügiger“ zu handhaben - also einen zweiten „Booster“ nach dem Grundschutz mit meist zwei Spritzen. Vier von fünf der Über-60-Jährigen hätten noch keine vierte Impfung - obwohl diese für ein paar Monate vor einer Infektion und fast immer vor schweren Verläufen schütze. „Die konkrete Ent­scheidung muss der Einzelne treffen im Ein­vernehmen mit seinem Arzt.“ Die Ständige Impf­kommission (Stiko) empfiehlt dies unter anderem generell erst ab 70 Jahren. Der Vorsitzende Thomas Mertens sagte der „Rheinischen Post“ (Freitag), eine neue Stellung­nahme dazu sei „erst nach dem Sommer sinnvoll“.

Im Herbst sollen drei Impfstoffe angeboten werden können - und zwar in jeweils ausreichenden Mengen. Neben einem für das klassische Virus werden zwei erwartet, die an neue Varianten angepasst sind. „Wir haben so viel Impfstoff beschafft, dass wir jedem jeden Impfstoff anbieten können“, sagte Lauterbach. Bei der Frage, wer welchen Impfstoff erhält, zähle das individuelle Arzt-Patienten-Gespräch. Für die Zukunft hält Lauterbach es für wahrscheinlich, dass es Impfstoffe geben werde, „die die eigentliche Ansteckung verhindern können“. Das sei „Licht am Ende des Tunnels“. Einige Wissenschaftler erwarteten dies, andere hielten es derzeit für nicht greifbar. Es könnten Impfstoffe sein, die sofort über die Schleimhaut wirken.

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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