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Kaufrecht, Verbraucherrecht und Vertragsrecht | 22.11.2022

Neuwagenkauf

Lange Liefer­zeiten und Lieferverzögerung für Neuwagen - Welche Rechte haben Neuwagen-Käufer?

Warten, warten, warten: Lange Liefer­zeiten für Neuwagen

Liefer­zeiten von Neuwagen werden immer länger. Dafür gibt es viele Gründe. Kunden haben kaum Chancen das Warten zu verkürzen. Einige Dinge sollten sie aber beachten, wenn es länger als gedacht dauert.

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Ein halbes Jahr, manchmal sogar ein Jahr oder zwei Jahre warten: Liefer­zeiten bei Neu­fahrzeugen sind derzeit kaum abzuschätzen und werden gefühlt immer länger. Wer einen Neuwagen oder gar ein E-Auto beim Händler bestellt hat, muss vor allem eins: sich gedulden.

Wer ist von langen Wartezeiten betroffen?

Auf einige Modelle wie den Tesla Model Y oder den Mercedes-Benz EQS warten Kunden ab Bestellung rund fünf Monate, auf andere wie den Ford Explorer bis zu 22 Monate. Einige Modelle sind laut „Mo/ove“ (Ausgabe 04/2022) gar nicht bestellbar. Das zeigt eine Übersicht, die das Fachmagazin für Elektro­mobilität von „Auto, Motor und Sport“ zu den Liefer­zeiten von Elektro­fahrzeugen und Plug-in-Hybriden erstellt hat. Demnach nehmen etwa Händler für Fiat 500 Elektro, Honda e oder Hyundai Kona Elektro gar keine Bestellungen mehr an.

Probleme bei der Lieferung von Neuwagen - was sind die Ursachen?

Ursachen dafür gibt es viele. Wichtige Teile für die Produktion fehlen, daher können die Autos nicht fertig gebaut werden. In manchen Werken kommt es zum Produktions­stopp. Liefer­ketten der Auto­industrie sind nicht nur wegen der Pandemie und daraus entstandenen Hafen­schließungen nachhaltig gestört.

„Der Mangel an Vor- und Zwischen­produkten sowie die allgemeine Verunsicherung aufgrund des anhaltenden Krieges in der Ukraine wirken sich weiterhin dämpfend auf die Produktion aus“, erklärt ein Sprecher des Verbandes der Automobil­industrie (VDA).

Als Haupt­gründe für die langen Liefer­zeiten beim Autokauf nennt Professor Stefan Bratzel neben dem Krieg in der Ukraine, auch die anhaltende Chipkrise in Taiwan. Der Direktor des Center of Automotive Management erklärt: „Die Chipkrise bleibt nach wie vor angespannt. Zu der generellen Knappheit gibt es durch zunehmende Vernetzung und deutlich mehr Elektro­fahrzeuge einen deutlich höheren Bedarf“, sagt Bratzel.

Nun fehlen wichtige Teile. Die Liefereng­pässe werden noch eine Zeit lang anhalten. Denn die Ukraine habe bislang viele Bord­netzwerke wie Kabelbäume produziert. Aber auch Zulieferer in Russland versorgten Automobil­hersteller in Europa und Asien lange mit Teilen. Gleich­zeitig kam die Nachfrage nach E-Fahrzeugen für viele Hersteller schneller als gedacht.

Zudem bevorzugen manche Hersteller laut Bratzel höher­preisige Fahrzeuge bei der Produktion, mit denen sie höhere Margen erzielen können. „Das hat zur Folge, dass Kunden auf preis­wertere Autos oder bestimmte Konfigurationen lange warten müssen“, sagt Bratzel.

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Welche Rechte haben Kunden bei Lieferverzögerungen?

Felix Flosbach, Jurist bei der Verbraucher­zentrale NRW, sieht keine Möglichkeiten, die Liefer­zeiten von bestellten Neuwagen zu beschleunigen. „Bei einem bereits geschlossenen Kaufvertrag wird meist eine unverbind­liche Lieferzeit vereinbart, in seltenen Fällen einen verbindliche“, sagt der Syndikus­rechts­anwalt.

Der Unterschied: Bei einem verbindlichen Termin legt sich der Händler auf einen fest­vereinbarten Zeitpunkt fest, bei einer unverbindlichen undatierten Lieferzeit auf einen groben Zeitraum.

Einen gewissen Handlungs­spielraum haben Verbraucher dennoch: „Kann der Händler aber auch in dem vereinbarten Zeitraum nicht liefern, kommt er in Verzug und der Kunde kann nach dem Zeitraum dagegen juristisch vorgehen“, erklärt Flosbach.

Was nützt es, wenn Kunden Druck auf den Händler ausüben?

Oft weniger als erhofft. „Es ist ja nicht so, dass Händler keine Autos ausliefern wollen“, sagt Christian Janeczek, Fachanwalt für Verkehrs­recht. „Auch wenn Kunden Druck auf den Händler ausüben, werden die Autos von den Herstellern nicht schneller gebaut“, sagt Janeczek, der auch Mitglied des Geschäfts­führenden Ausschusses der Arbeits­gemeinschaft Verkehrs­recht des Deutschen Anwalt­verein ist.

Wenn die Liefer­zeiten nicht eingehalten werden, sollten Kunden aber zumindest ihre Rechte und die dazugehörigen Fristen kennen. Janeczek nennt ein Beispiel: Steht im Kaufvertrag als unverbindlicher Liefer­termin März 2023, kann der Kunde sich erst sechs Wochen danach an den Händler wenden. Also Mitte Mai den Liefer­verzug feststellen und Gleich­zeitig dem Händler eine Frist von zwei Wochen setzen.

Die Frist zur Aus­lieferung setzen Kunden am besten per Einschreiben, rät Flosbach. In dieser Zeit muss der Händler liefern. Lässt er die Frist verstreichen, kann der Kunden je nach Umständen mögliche Schaden­ersatz­ansprüche stellen oder vom Kauf zurück­treten. „Der Rücktritt vom Kauf nutzt dem Kunden wenig, der auf das Auto angewiesen ist. Ratsamer ist es daher, den Händler zu fragen, ob ein anderes Fahrzeug früher verfügbar ist“, sagt Flosbach.

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Was können Autokäufer tun, die auf eine Neubestellung warten?

Die Experten raten vor allem zu Geduld. Felix Flosbach empfiehlt Kunden, Händler expliziert nach einer realistischen Lieferzeit zu fragen - unter Berücksichtigung der angespannten Lieferkette durch den Chipmangel, die Corona-Krise und den Krieg in der Ukraine.

Je spezifischer die Wünsche bei einem Modell zur Motorisierung, Farbe oder Ausstattung sind, desto länger könne es unter Umständen dauern. Professor Bratzel gibt daher zu bedenken: „Schneller geht es, wenn Interessenten zu bereits vorproduzierten Fahrzeugen greifen oder bei der Ausstattung Abstriche machen.“

Außerdem hilft es, wenn potenzielle Autokäufer - insbesondere bei einem unverbindlichen Liefer­termin - vorausschauend planen. „Wenn möglich, sollten Autofahrer ihr bisheriges Fahrzeug nicht vor der Aus­lieferung des neuen Autos verkaufen“, rät Fachanwalt Christian Janeczek. Denn Liefer­zeiten bleiben derzeit unberechenbar.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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