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Arbeitsrecht | 19.06.2018

Über­stunden

Mehrarbeit im Job: Der richtige Umgang mit Über­stunden

Wann Über­stunden zulässig und in wann sie bezahlt werden müssen

Ob unbezahlt oder mit Zeit­ausgleich: Über­stunden gehören in vielen Unternehmen zum Arbeits­alltag. Nicht immer sind die rechtlichen Rahmen­bedingungen klar - umso wichtiger ist es, dass Arbeit­nehmer ihre Zeiten auch selbst erfassen.

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Um 17 Uhr Feierabend? An vielen Arbeits­plätzen ist das nur Wunsch­denken. Obwohl immer mehr Unternehmen eine gute Work-Life-Balance versprechen, gehören Über­stunden für viele Mitarbeiter immer noch zum Arbeits­alltag. Oft wissen sie nicht, dass sich ihre Arbeitgeber im Umgang mit Über­stunden in einer rechtlichen Grauzone bewegen - oder ihnen fehlt der Mut, die angemessene Bezahlung für die Zusatz­arbeit einzufordern.

Das Pensum der geleisteten Über­stunden in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stabil geblieben: „Wenn man sich die Gesamtheit von bezahlten Über­stunden, unbezahlten Über­stunden und Über­stunden, die mit Freizeit abgegolten werden, ansieht, dann blieb die Zahl seit der Wieder­vereinigung weitgehend konstant“, sagt Prof. Enzo Weber vom Institut für Arbeits­markt- und Berufs­forschung in Nürnberg.

Klauseln im Arbeitsvertrag zur Überstundenregelung nicht immer korrekt und zulässig

Allerdings gab es eine Verschiebung innerhalb der geleisteten Über­stunden: Solche, die bezahlt werden, haben sich halbiert - dafür gibt es doppelt so viele Über­stunden, die abgefeiert werden können. Ein Trend geht also zu Arbeitszeit­konten - doch es gibt auch viele Mitarbeiter, deren geleistete Stunden überhaupt nicht erfasst werden. Je nach Unternehmen und Position sind Über­stunden mit dem Gehalt abgegolten - Klauseln im Arbeits­vertrag regeln das scheinbar.

Denn nicht immer sind sie erlaubt: „Klauseln eines vom Arbeitgeber vorformulierten Arbeits­vertrags können ähnlich wie Allgemeine Geschäfts­bedingungen unzulässig sein“, sagt Jürgen Markowski, Fachanwalt für Arbeits­recht aus Nürnberg. „Gibt es Klauseln, die überraschend sind oder einseitig benachteiligen, sind diese unzulässig und damit unwirksam.“ Das gelte auch für Formulierungen, die nicht klar und verständlich seien.

Arbeitnehmer müssen Überstunden genau nachweisen

„Bei der pauschalen Abgeltung von Über­stunden ist die Regelung intransparent und somit unzulässig“, so Rechtsanwalt Jürgen Markowski. In der Theorie kann ein Mitarbeiter den Arbeitgeber hier auffordern, Über­stunden trotzdem zu bezahlen - wenn er seine Forderung belegen kann. „Ein Arbeit­nehmer trägt die Darlegungs- und Beweislast und muss deshalb belegen können, dass er die Über­stunden entweder nach Anordnung geleistet - oder dass sie nötig waren, der Arbeitgeber davon wusste und es gebilligt hat“, erklärt der Anwalt. Er empfiehlt deshalb, die eigene Arbeitszeit im Büro in einer Tabelle zu erfassen, selbst wenn das im Unternehmen eigentlich unüblich ist.

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Bei gut bezahlten Jobs werden Überstunden meist nicht vergütet

Wie erfolgreich dieses Nachhalten ist, hängt von der eigenen Position ab: Kann ein Arbeit­nehmer in seinem Job erwarten, dass Über­stunden gesondert bezahlt werden? „Bei Führungs­kräften oder Mitarbeitern mit sehr freier Zeit­gestaltung und sehr hohem Gehalt ist das meistens nicht der Fall“, sagt Rechtsanwalt Markowski. „Aber ein ganz normaler Mitarbeiter erwartet selbstverständlich, dass zusätzliche Arbeit entsprechend bezahlt wird.“ Oft fehlt nur der Mut, für das Extra-Geld zu kämpfen: Vor allem, wenn Über­stunden Teil der Unter­nehmens­kultur sind.

Mitarbeiter fühlen sich zu Überstunden verpflichtet

„Viele Mitarbeiter haben das Gefühl, von ihnen werden viele Über­stunden erwartet - auch wenn das nicht immer so offen kommuniziert wird“, sagt die Kommunikations­psychologin Steffi Jacobeit aus Delbrück bei Paderborn. Ihrer Einschätzung nach ist vor allem die mittlere und niedrige Führungskräfte­ebene betroffen: „Abteilungs­leiter zum Beispiel leiden häufig unter einem hohen Überstunden­pensum“, sagt sie. „Sie erhalten Druck von oben, wollen aber gleich­zeitig ihre Mitarbeiter schützen. Zusätzliche Arbeit übernehmen sie deshalb oft selbst.“

Aber auch normale Angestellte fühlen sich oft zu Über­stunden verpflichtet: Sie springen aus Loyalität für kranke Kollegen ein oder bleiben länger im Büro, weil der Schreibtisch­nachbar mit einer wichtigen Aufgabe nicht rechtzeitig fertig wird. „Es gibt auch Unternehmen, in denen Mitarbeiter komisch angeguckt werden, wenn sie pünktlich Feierabend machen“, erzählt Steffi Jacobeit.

Und oft gibt es vermeintlich lustige Sprüche wie „Heute nichts zu tun?“. Wer sich das nicht auf Dauer gefallen lassen will, sollte - falls vorhanden - mit dem Betriebsrat, einer Vertrauens­person oder dem Betriebs­arzt sprechen, der zur Verschwiegenheit verpflichtet ist. So kann man das Problem thematisieren und gemeinsam eine Strategie entwickeln, rät die Kommunikations­psychologin.

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Zeitraum für Überstunden abgrenzen

Leiden auch andere Kollegen unter permanenten Über­stunden, hilft es, sich als Team zusammen­zuschließen. „Es soll keine Meuterei ausgerufen werden, aber vielleicht kann das gesamte Team den Wunsch äußern, sachlich über die Arbeits­bedingungen sprechen zu wollen“, rät Steffi Jacobeit. Am besten sei es, schon im Vorstellungs­gespräch nach Unter­nehmens­kultur und Leitlinien zu fragen. „Wenn es welche gibt, dann kann man sich die gerne anschauen“, rät Steffi Jacobeit. „Und wenn es keine gibt, dann ist das auch ein Zeichen.“

Auch die Frage nach dem Umgang mit Über­stunden ist erlaubt - und die Antwort kann zumindest einen Hinweis darauf geben, was Mitarbeiter nach einer erfolgreichen Bewerbung erwartet. Klar ist aber auch: In jedem Unternehmen kann es mal stressig werden und zusätzliche Arbeit anfallen. „Wenn Über­stunden nötig sind, sollten Mitarbeiter versuchen, den Zeitraum abzugrenzen“, empfiehlt Steffi Jacobeit.

Steht zum Beispiel einmal im Jahr eine große Messe an, dann wissen Arbeit­nehmer vorher von einem erhöhten Stresslevel und können sich darauf einstellen, so Steffi Jacobeit. „Wichtig ist es, den Rahmen einer solchen Phase mit dem Arbeitgeber klar abzustecken und zu fragen: Wann kann ich auch mal Pause machen und mich davon erholen?“

Quelle: dpa/DAWR/ab
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