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Datenschutzrecht und Internetrecht | 10.03.2016

Internet

Mythen und Verschwörungs­theorien: Wie Internet-Gerüchte funktionieren und welche rechtlichen Konsequenzen drohen

Der Kampf gegen Falsch­meldungen im Internet

Das Internet ist umfangreicher als jede Enzyklopädie und gleich­zeitig Sammel­becken für Gerüchte, Falsch­meldungen, Spam und Datenmüll. Was tun mit all dem Unsinn, der durchs Netz geistert? Ein Überblick über Mythen und Legenden im Netz und warum sie kaum tot zukriegen sind.

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Erfundene oder stark verfälschte Geschichten geistern durch das Internet

Männer in Lieferwagen entführen Katzen, ein Prominenter ist angeblich tot, Flüchtlinge essen Schwäne vom Dorfteich. Jeder Nutzer von sozialen Netzwerken wie Facebook oder Messengern wie WhatsApp kennt diese Geschichten. Tausendfach geteilt, geistern sie durch das Netz - meistens sind sie allerdings frei erfunden oder stark verfälscht. Das Flüchtlings­thema mag neu sein -Verschwörungs­theorien, Kettenmails und Mythen sind im Internet aber seit Jahren zuhause. Manche kursieren seit Jahrzehnten.

Schon die Entstehung des Internets ist Gegenstand von Gerüchten

Immer wieder wird verbreitet, das US-Militär habe es erfunden. Richtig ist, dass der Vorläufer des Internets, das „Advanced Research Projects Agency Network“ (ARPANET), vom US-Verteidigungs­ministerium finanziert wurde. Der angebliche Vater des Internets, Tim Berners-Lee, schuf in Wirklichkeit die Technik, auf der das heutige World Wide Web mit seinen Webseiten fußt.

Neben solchen Halb­wahrheiten geistern Ketten­briefe, falsche Sensations­meldungen und Angstmache durch das Netz

„Das Grundthema ist immer gleich“, sagt Frank Ziehmann von der Technischen Universität Berlin. Er betreibt eine Webseite, auf der er Informationen zu digitalen Mythen und Falsch­meldungen sammelt. Ziel der Verbreiter: möglichst viel Publikum. „Der Klassiker sind diese Burundanga-Geschichten“, erzählt Ziehmann. Dabei geht es um Visiten­karten, die angeblich mit der Droge Burundanga präpariert sind, um Opfer zu betäuben und dann zu überfallen. Burundanga gibt es tatsächlich, die Überfälle dahinter seien aber erfunden.

Auch Meldungen über Lkw oder Transporter, in denen Katzen, Hunde oder Kinder verschwinden, tauchen immer wieder auf. Ähnlich wie bei den Falsch­meldungen über Flüchtlinge werden hier Ängste bedient. „Unbestätigte Behauptungen haben das Potential, in den Kommunikations­kreis­lauf zu kommen, wenn sie latent vorhandene Befürchtungen bestätigen“, sagt der Rechtsanwalt und Buchautor Michael Scheele. „Das Gerücht wird als wahr registriert, weil man an das Gerücht glauben will.“

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Auch anrührende Geschichten lassen sich im Internet massenhaft verbreiten

Ein weiteres Mittel zur massenhaften Verbreitung solcher Hoax (Hoax: Englisch für Scherz, Schwindel) genannten Lügen­botschaften ist die Tränen­drüse: Anrührende Geschichten von Krebs­kranken oder anderen Bedürftigen oder Warnungen vor schlimmen Computer­viren machen die Runde, mit der dringenden Bitte zur Weiter­leitung. „Das ist das Indiz, wo die Alarm­glocken schrillen sollten“, betont Ziehmann. Einmal an die Freunde weiter­geschickt, leiten die es an ihre Freunde weiter. Schlimmsten­falls wird so eine digitale Lawine losgeklickt.

„Wie soll derjenige, der das verbreitet, das jemals wieder stoppen können?“, fragt Rechtsanwalt Stephan Dirks. Der Rechtsanwalt sammelt auf seiner Internet­seite Hoaxbusters.de kuriose Lügen­geschichten und rät dazu, genau hinzusehen. Und zwar vor dem Klick auf „Gefällt mir“ oder „Teilen“. „Wenn Sie den allgemeinen Hoax nehmen, ist charakteristisch, dass immer die Angaben fehlen, die helfen könnten, die Meldung zu überprüfen“, beobachtet er. „Wenn man einen Augenblick über die Dinge nachdenkt, die da behauptet werden, muss einem auffallen: Das kann gar nicht sein“, ergänzt Ziehmann. Das könne man dann auch einfach mit ein paar Klicks in der Such­maschine überprüfen.

Manchmal gehen Internet-Scherze auch so weit, dass die Betroffenen sich zu einem Dementi gezwungen sehen

Jahrelang kursierten etwa Gerüchte, dass die Unternehmens­gruppe Theo Müller, bekannt für die Müller-Milch, die NPD unterstütze. 2007 sah sich die Firma zu einer Presse­mitteilung veranlasst, in der sie die Vorwürfe vehement zurückwies. Das hilft allerdings nicht unbedingt, sagt Buchautor Scheele. „Ein wirksames Dementi verlangt knallharte, unwiderlegbare Fakten“, sagt er. Etwas Nicht­existentes zu beweisen, ist aber schwierig.

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Konkrete An­schuldigungen können rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen

Rechtsanwalt Dirks warnt, dass solche konkreten An­schuldigungen auch rechtliche Konsequenzen haben können. „Das ist üble Nachrede und kann auch Kredit­gefährdung bedeuten“, erklärt er. Wenn ein Unternehmen durch den Rufschaden finanzielle Einbußen hat, kann das im Zweifel dem Verursacher zur Last gelegt werden. Wer ruf­schädigende Inhalte teilt, hat bisher dagegen noch wenig zu befürchten. „Die Gerichte messen dem Liken keine übermäßige Bedeutung zu“, sagt Dirks. Ganz unbedenklich sei es aber nicht.

Manchmal ist es wohl auch einfach der Herdentrieb, der falsche Inhalte um sich greifen lässt. „Das Problem ist, dass man sowas ja von Leuten bekommt, die man kennt“, sagt Ziehmann. So etwa bei den Wider­spruchs­erklärungen, die Nutzer immer besonders dann auf ihren Profilen veröffentlichen, wenn Facebook neue Daten­schutz­richtlinien oder Geschäfts­bedingungen einführt. Nach dem Motto: Wenn die Freunde das machen, kann es ja nicht falsch sein. „Es sollte inzwischen klar sein, dass man mit der bloßen Nutzung von Facebook die Regeln annimmt“, sagt Ziehmann.

Und was tun, wenn Freunde im Netz Unsinn verbreiten? „Ich selbst sage schon: Das ist Unsinn, und poste einen entsprechenden Link darunter“, sagt Dirks. Scheele betont bei Angst­gerüchten oder Verleumdung die emotionale Komponente: „Ziel muss es sein, das Gerücht als gesellschaftlich unannehmbar zu entlarven.“ Der Schlüssel liege insgesamt aber in der Medien­kompetenz, befindet Dirks: Nur wenn Internet­nutzer lernen, wie man angemessen mit Online-Inhalten umgeht, hätten Falsch­meldungen von Anfang an keine Chance.

Gerüchte enttarnen in drei Schritten:
  • Such­maschine: Einige Stichworte aus der verdächtigen Meldung in die Such­maschine eintippen. Dazu das Stichwort „Hoax“ oder „Gerücht“ setzen.
  • Webseiten: Zahlreiche Seiten im Netz wie hoaxbusters.de oder hoaxinfo.de kümmern sich um Verifizierung solcher Gerüchte. Ein Besuch informiert und unterhält gleichermaßen.
  • Gegenrede: Verbreitern unbewiesener Gerüchte oder Falsch­meldungen kann man höflich antworten und sie auf ihren Irrtum hinweisen. Links zu Webseiten, die einen Hoax aufklären, verstärken die eigenen Aussagen.
Quelle: dpa/DAWR/ab

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