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Verbraucherrecht und Versicherungsrecht | 08.10.2021

Kinder­invaliditäts­police

Nachwuchs absichern: Lohnt sich eine Kinder­invaliditäts­police?

Abschluss einer Kinder­invaliditäts­versicherung sinnvoll

Eine Kinder­invaliditäts­versicherung? Viele kennen die Police nicht und haben sie folglich auch nicht für ihren Nachwuchs. Dabei kann sie wichtig werden. Worauf kommt es an?

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Es ist ein Szenario, das sich die meisten Eltern nicht ausmalen wollen: Der Sohn oder die Tochter hat einen Unfall oder erkrankt schwer - und trägt bleibende Schäden davon. Sprich: das Kind ist schwerbehindert.

Gegen dieses Risiko können sich Eltern absichern

Mit einer Kinder­invaliditäts­versicherung. „Eine solche Police für Kinder ist ebenso wichtig wie die Berufs­unfähigkeits­versicherung bei Erwachsenen“, sagt Michael Wortberg von der Verbraucher­zentrale Rheinland-Pfalz in Mainz.

Zwar ist die Kinder­invaliditäts­versicherung laut Stiftung Warentest weitgehend unbekannt. Aber: Eine Kinder­unfall­versicherung, die viele Eltern für ihren Nachwuchs abschließen, reicht für den schlimmsten Fall oftmals nicht. Denn sie zahlt nicht, wenn eine Krankheit Ursache für eine In­validität oder Schwer­behinderung ist - was sehr viel häufiger der Fall ist als ein Unfall.

Police kann Einkommen gewährleisten

Eine Kinder­invaliditäts­versicherung kann sich also lohnen: „Die Police sichert die In­validität sowohl bei einem Unfall als auch bei Krankheit ab“, sagt Michael Nischalke von der Stiftung Warentest. Die Versicherung zahlt, wenn der Sohn oder die Tochter nach einem Unfall oder nach einer Erkrankung schwer behindert bleibt. So fließt Geld, wenn etwa ein Elternteil den Beruf aufgibt und das pflege­bedürftige Kind zu Hause versorgt.

Später, wenn das Kind ins Erwachsenen­alter kommt, aber aufgrund seiner Schwer­behinderung arbeits­unfähig ist, ist ebenfalls vorgesorgt, voraus­gesetzt, es wurde eine monatliche Rente vereinbart. Zumeist wird sie lebenslang gezahlt, womit also ein gewisses Grund­einkommen gewähr­leistet ist.

Rente oder einmalige Kapital­leistung? Eltern haben bei Vertrags­abschluss die Wahl. Aber welche Option ist die bessere? „Ideal ist eine monatliche Renten­zahlung in Höhe von mindestens 1000 Euro plus eine einmalige Kapital­leistung“, sagt Nischalke. Die einmalige Kapital­leistung könnten Mütter und Väter nutzen, etwa um den behinderten­gerechten Umbau der Wohnung zu finanzieren.

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Vertrag nicht zu spät abschließen

Wer den Sohn oder die Tochter absichern will, sollte sich rechtzeitig kümmern. „In der Regel muss das Kind mindestens ein Jahr alt sein“, sagt Verbraucher­schützer Wortberg. Bei Vertrags­abschluss darf das Kind oft nicht älter als 14 oder 16 Jahre sein.

Zudem sollten sich möglichst weder Entwicklungs­störungen noch ein Verdacht auf eine schwerwiegende Krankheit zeigen. Ist dies doch der Fall, ist es womöglich alles andere als einfach, einen Anbieter zu finden, der sich auf einen Vertrags­abschluss einlässt. Ähnlich sieht es aus, wenn Eltern unter Krankheiten leiden, die unter Umständen vererbbar sein könnten.

Immer bei der Wahrheit bleiben

Für Kinder gilt ebenso wie für Erwachsene: „Bei der Aufnahme in die Versicherung sind alle Gesundheits­fragen vollständig und wahrheits­gemäß zu beantworten“, sagt Christian Ponzel vom Gesamt­verband der Deutschen Versicherungs­wirtschaft. Andernfalls kann der Versicherer später unter Umständen die Leistung verweigern.

Ebenfalls wichtig: Unbedingt Tarife mit möglichst wenigen Krankheits­ausschlüssen wählen, rät Wortberg. Der Versicherer sollte auch zahlen, falls eine In­validität infolge einer psychischen Erkrankung eintritt. Und die Preise? Laut Verbraucher­zentrale Rheinland-Pfalz schwanken sie je nach Leistung zwischen 100 und 400 Euro im Jahr.

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Zusatzbaustein lohnt nicht immer

Einige Versicherer bieten die Invaliditäts­versicherung als Zusatz­baustein zu einer Kapital­lebens- oder Renten­versicherung an. Wortberg hält ein solches Paket aber nicht für empfehlens­wert. „Es mangelt hierbei zumeist an Transparenz und Flexibilität“, so der Verbraucher­schützer. Zudem brächten solche Produkte oft weniger Rendite als andere Geldanlagen.

Ebenfalls nicht empfehlens­wert laut Stiftung Warentest: die Schulunfähigkeits­versicherung. Sie tritt ein, wenn dem Kind dauerhaft ein Schulbesuch nicht mehr möglich ist. Ein solcher Fall sei jedoch vergleichsweise selten. Viele Kinder besuchten trotz Schwer­behinderung die Schule. Sitzen sie etwa im Rollstuhl, gibt es kein Geld von der Versicherung.

Hilfe auch ohne Versicherung

Familien, die sich eine Kinder­invaliditäts­versicherung finanziell nicht stemmen können, sind im Fall einer Schwer­behinderung des Sohns oder der Tochter nicht auf sich gestellt. Unterstützung gibt es zumeist etwa über die Kranken- und Pflegekasse sowie gegebenenfalls über das Sozialamt.

Eltern können sich im Fall der Fälle dorthin wenden. Die Kranken­kasse zahlt zumeist Behandlungen, Medikamente und Therapien und kommt in der Regel auch für Hilfsmittel wie etwa einen Rollstuhl auf. Der Bundes­verband für körper- und mehrfach­behinderte Menschen hat in einem Ratgeber einen Überblick über Hilfen zusammengestellt.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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