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Erbrecht | 30.09.2020

Erbschein

Nicht immer notwendig: Wann und wofür Erben einen Erbschein benötigen

Ein Erbschein ist erforderlich, wenn die Erben­stellung nicht anderweitig nachweisen werden kann

Ein Erbschein kostet Geld. Bevor Erben ihn beim Nachlass­gericht beantragen, sollten sie prüfen, ob sie ihn tatsächlich benötigen - das ist nämlich nicht immer der Fall.

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Nach dem Tod eines Angehörigen trotz Trauer rational denken und handeln: Für viele Hinter­bliebene ist dies vor allem in der Anfangs­phase alles andere als einfach.

Erben benötigen oft einen Erbschein

Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, sich um den Nachlass zu kümmern. Dann müssen Angehörige Konten, die Wohnung sowie Verträge des Verstorbenen aufzulösen. Das dürfen selbst­redend nur die Erben. Um sich als solche etwa gegenüber Banken, Behörden und Vermietern auszuweisen, benötigen Hinter­bliebene oft einen Erbschein. In dem amtlichen Dokument steht, wer Erbe ist und wie groß sein Erbteil ist. Häufig sind es vor allem Banken, die einen Erbschein fordern.

Erbschein schriftlich oder mündlich beantragen

Hinter­bliebene können den Erbschein beim Notar oder Nachlass­gericht beantragen - also beim Amtsgericht am letzten Wohnort des Verstorbenen. Das ist schriftlich möglich. Oder sie gehen persönlich zum Gericht und erklären es mündlich. „Ein Rechts­pfleger erstellt dann über das Gesagte ein Protokoll“, sagt Anton Steiner, Fachanwalt in München sowie Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht.

Erben können den Antrag gemeinsam oder einzeln stellen. Neben dem Antrag müssen sie den Personal­ausweis, die Sterbe­urkunde des Verstorbenen sowie die Geburts- und Sterbe­urkunden aller Erben vorlegen - entweder im Original oder in beglaubigter Abschrift.

In beiden Fällen, beim Gericht und beim Notar, müssen Erben an Eides statt versichern, dass die Angaben nach ihrem Dafürhalten der Wahrheit entsprechen. Das Nachlass­gericht überprüft die Angaben.

„Wenn alles glatt geht und das Gericht keine Nachfragen hat, dauert ein Erbschein-Verfahren im Schnitt vier bis fünf Wochen„, erklärt Eberhard Rott, Fachanwalt für Erbrecht in Bonn sowie Vorstands­vorsitzender der Arbeits­gemeinschaft Testaments­voll­streckung und Vermögens­vorsorge.

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Kosten sind abhängig vom Nachlasswert

Ein Erbschein kostet Geld. Die Höhe der Gebühren hängt vom Wert des Nachlasses ab. Details dazu finden Angehörige in der Gebühren­tabelle B zum Gerichts- und Notar­kosten­gesetz.

Einige Beispiele: Bei einem Nachlass­wert von 50000 Euro liegt die Gebühr für die Erteilung des Erbscheins bei 165 Euro. Hinzu kommen weitere 165 Euro für die eides­stattliche Versicherung, macht insgesamt 330 Euro. Wer 200000 Euro erbt, zahlt für den Erbschein rund 870 Euro. Bei einem Nachlass von einer Million Euro liegen die Kosten für den Erbschein etwa bei 3470 Euro.

Gehören Grund­stücke zum Nachlass, müssen Erben deren Verkehrs­wert angeben. Ist dieser nicht bekannt, ist der Boden­richtwert der Stadt oder Gemeinde maßgeblich. Bei vermieteten Immobilien müssen Erben den Ertragswert angeben, wenn sie einen Erbschein beantragen.

Für Hinter­bliebene, die den Erbschein über einen Notar beantragen, wird es meist teurer. „Der Notar muss im Gegensatz zum Gericht die Mehrwert­steuer auf seine Gebühren berechnen“, erklärt Steiner. Der Vorteil: Der Notar kümmert sich um den Antrag.

Alternativen zum Erbschein

Nicht immer brauchen Hinter­bliebene einen Erbschein. „Das ist der Fall, wenn sie sich beispiels­weise durch ein notarielles Testament als Erben ausweisen können“, sagt Rott.

Um sich etwa gegenüber Banken oder Behörden als Erben zu legitimieren, kann aber genauso ein Erbvertrag in Verbindung mit dem gerichtlichen Eröffnungs­protokoll genügen.

Auch die beglaubigte Abschrift eines handschriftlichen Testaments mit Eröffnungs­vermerk kann ausreichen, um von Dritten als Erbe anerkannt zu werden, urteilte der Bundes­gerichts­hof (Az.: XI ZR 440/15).

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Nachlassgericht kann erteilte Erbscheine wieder einziehen

Das Nachlass­gericht kann einen bereits erteilten Erbschein wieder einziehen. Das ist der Fall, wenn sich später heraus­stellt, dass ein Dokument die falsche Person als Erbe ausweist. „Das ist zum Beispiel möglich, wenn eines Tages ein jüngeres gültiges Testament auftaucht, das eine andere Erbfolge vorsieht“, erläutert Rott.

Das geht aber keinesfalls zulasten gut­gläubiger Dritter. Ein Beispiel: Jemand kauft von einem anderen, der dem Erbschein zufolge der Erbe ist, ein Kunstwerk des Verstorbenen. Der rechtmäßige Erbe kann das Kunstwerk nicht zurück­verlangen. „Aber er bekommt vom unrecht­mäßigen Erbe das Geld wieder, das dieser für das Kunstwerk bekommen hat“, erklärt Rott.

Wer ein europäisches Nachlasszeugnis beantragen muss

Hinter­bliebene können in einigen Fällen auch ein europäisches Nachlass­zeugnis beantragen. „Das ist angebracht, wenn der Erblasser seinen Haupt­wohnsitz in Deutschland hatte und zusätzlich ein Haus zum Beispiel am Gardasee oder eine Wohnung etwa in Kärnten besaß“, erklärt Anton Steiner, Fachanwalt für Erbrecht in München.

Damit können sich Hinter­bliebene als Erben im Ausland legitimieren. Das Dokument müssen sie ebenfalls beim Nachlass­gericht beantragen. Das europäische Nachlass­zeugnis gilt überall in Europa. Ausgenommen sind das Vereinigte Königreich, Irland und Dänemark.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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