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Verkehrsrecht und Versicherungsrecht | 18.04.2018

Rauchen am Steuer

Nicht nur eine Gefahr für die Gesundheit: Rauchen am Steuer kann teuer werden

Rauchen hinter dem Autosteuer ist ungesund und brand­gefährlich

Nach wie vor nutzen viele Raucher die Autofahrt für eine Zigarette hinterm Steuer. Verboten ist das nicht. Aber schon wenn die brennende Kippe aus dem Fenster fliegt, kann es teuer werden.

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Freie Straße, stress­freies Cruisen bei 110km/h und dazu eine Zigarette. Was für Raucher nach einer entspannten Autofahrt klingt, sehen Experten kritisch. „Das Rauchen hinterm Steuer bedeutet immer auch eine Ablenkung“, sagt Prof. Matthias Graw, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verkehrs­medizin. „Wohin mit der Zigarette, wenn beide Hände am Lenkrad benötigt werden? Und was ist, wenn glühende Asche oder die ganze Zigarette auf den Sitz oder in den Fußraum fallen?“ Das habe schon zu schweren Unfällen geführt.

Kommt es zum Crash, kann das für Raucher teuer werden. „Der Fahrzeug­führer wird sich wegen grober Fahrlässigkeit verantworten müssen“, sagt Tobias Goldkamp, Fachanwalt für Verkehrs­recht. Das Ausmaß der Haftung hänge davon ab, ob es noch weitere Unfall­ursachen wie einen Vorfahrts­verstoß gab. Die Rechtsprechung stelle auf die Umstände ab. „In einem Fall verlor der Autofahrer die Zigarette, als er reflexartig einem anderen Autos ausweichen musste. Hier entschied das Gericht: keine grobe Fahrlässigk­eit.“

Experten plädieren für Rauchverbot in Autos

Sicherer und gesünder ist es in jedem Fall, die Zigarette gleich draußen zu lassen. „Wer auf einer Autofahrt gar nicht darauf verzichten kann, sollte besser eine Raucher­pause einlegen und die Gelegenheit nutzen, sich dabei auch die Beine zu vertreten“, rät Anja Smetanin vom Auto Club Europa (ACE). Alternativ gebe es die Möglichkeit, bei einer langen Strecke auf ein Nikotin­pflaster oder -kaugummi zurückzugreifen. Doch die Ablenkung ist nicht der einzige Aspekt, warum Experten vom Qualmen hinterm Steuer abraten.

„Das Gesundheits­risiko vor allem auch für Mitfahrer ist auf so einem engen Raum natürlich noch deutlich höher einzuschätzen“, sagt Prof. Matthias Graw. Die Gefahr eines Bronchial­karzinoms sei bei Passiv­rauchern erwiesenermaßen erhöht. Der Verkehrs­mediziner plädiert daher für ein generelles Rauchverbot in Autos. Dem schließt sich der ACE an.

Rauchverbot hinterm Steuer in einigen Länder schon aktiv

„In einigen Ländern in der EU ist das Rauchen hinterm Steuer bereits verboten. Es wäre begrüßens­wert, wenn Deutschland sich da anschließen würde“, fordert Anja Smetanin. In Griechen­land, Frankreich und Großb­ritannien etwa gilt ein Rauchverbot im Auto, wenn Kinder bis zwölf Jahre mitfahren. In Großb­ritannien sind sogar Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr im Auto vor Qualm geschützt. Ab 1. Mai gilt in Österreich ebenfalls ein Rauchverbot, wenn Minder­jährige mitfahren.

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Brennende Kippe aus dem Auto werfen grundsätzlich verboten

Wer eine brennende Zigarette aus dem Fenster schnippt, verstößt unter Umständen gleich gegen mehrere Paragrafen. „Das ist verboten und wird je nach Bundesland mit einem Bußgeld von bis zu 100 Euro nach den Kreislauf­wirtschafts- und Abfall­gesetzen geahndet“, sagt Rechtsanwalt Tobias Goldkamp. Werden andere Verkehrs­teilnehmer wie nachfolgende Motorräder durch die brennende Kippe gefährdet, hat dies auch einen Punkt in Flensburg zur Folge - neben dem entsprechenden Bußgeld von 60 Euro.

Auch kann ein rauchender Autofahrer nicht den fehlenden Aschen­becher als Grund dafür anführen, dass Asche und Kippe aus dem Fenster fliegen. „Der Raucher muss sich vorher vergewissern, dass das Rauchen im Auto gefahrlos möglich ist“, stellt Rechtsanwalt Goldkamp klar. Der Aschen­becher gehöre auch nicht zu den vorgeschriebenen Ausstattungs­merkmalen eines Fahrzeugs.

Tatsächlich verfügen längst nicht mehr alle Autos heute über einen Aschen­becher. Gehörte er früher zur Serien­ausstattung der meisten Modelle, muss er inzwischen oft als „Raucher­paket“ extra geordert werden. Viele Neuwagen­kunden machen das auch, allerdings nicht unbedingt, weil sie Raucher sind.

„Ein Argument ist oft die Buchse des Zigaretten­anzünders, die als Stromzufuhr für Handykabel dient“, sagt Markus Herrmann vom Bundes­verband Fahrzeug­aufbereitung. Im Aschen­becher landet dann auch keine Asche, sondern eher Kleingeld für den Park­automaten oder Münzen für die Auto­waschanlage. Gleichwohl ist dieser 12-Volt-Anschluss in den meisten Autos heute serien­mäßig an Bord.

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Auch Qualm von E-Zigarette schadet der Gesundheit

Wer zur E-Zigarette greift, kann zwar auf den Aschen­becher verzichten, die Gefahr der Ablenkung ist aber auch hier gegeben. „Gerade dann, wenn zum Beispiel der Tank leer ist“, sagt Anja Smetanin. Zudem sei auch der Qualm einer E-Zigarette nicht unbedenklich. „Bei einer E-Zigarette werden durch den Dampf die Stoffe Acetaldehyd und Acrolein verbreitet, die die Haut sowie die Atemwege reizen. „Kinder sind dafür natürlich besonders anfällig - gerade dann, wenn während der Fahrt nicht einmal das Fenster geöffnet wird“, so Anja Smetanin.

1.500 Euro Wertverlust beim Raucherauto

Wer Qualm im Auto zulässt, muss beim Verkauf einen Wertverlust ein­kalkulieren. „Der liegt im Schnitt bei 1.500 Euro“, sagt Markus Herrmann vom Bundes­verband Fahrzeug­aufbereitung. Er rät, ein Raucher­fahrzeug vor dem Wieder­verkauf professionell reinigen zu lassen. „Mit einem Duftbaum und dem oberflächlichen Reinigen der Glas- und Kunststoff­teile ist es nicht getan, damit lässt sich der Rauchgeruch nicht beseitigen.“

Erfolg­versprechender seien Verdampfer mit einem speziellen Reinigungs­fluid, das die Kohlenstoff­verbindungen zerstört. Fach­werkstätten böten das für rund 90 Euro an. Auch mit einer Ozon­behandlung des Innenraums lassen sich unangenehme Gerüche dauerhaft beseitigen. Je älter ein Fahrzeug, desto aufwendiger die Anti-Qualm-Behandlung. Und: „Zigarren­qualm ist noch einmal hartnäckiger als Zigaretten­qualm“, sagt Markus Herrmann.

Rauchen in Leasingfahrzeugen unerwünscht

Unterm Strich koste die komplette Auf­bereitung eines Raucher­autos zwischen 300 und 400 Euro. Übrigens: In Leasing­fahrzeugen ist das Rauchen in der Regel schon durch die Vertrags­bedingungen unerwünscht. Wer sich nicht daran hält, zahlt drauf. „Bei der Leasing­rückgabe führt das automatisch zur teuren Nach­bereitung“, erklärt Markus Herrmann.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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