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Bankrecht und Verbraucherrecht | 23.08.2017

Konto­gebühren

Nichts ist umsonst: Was ein Girokonto kosten darf

Von 104 untersuchten Banken und Sparkassen waren nur 23 Konten umsonst

Nichts ist umsonst. Nicht einmal das Geld. Denn Banken verlangen für Konten Gebühren. Doch wie viel Geld­institute verlangen, ist durchaus unterschiedlich. Ein Test der Stiftung Warentest zeigt: Es gibt noch Gratis­konten.

Bargeld abheben, Rechnungen bezahlen oder für das eigene Gehalt - ohne ein Girokonto kommt man kaum aus. Der Haken: Ein Konto kostet oft Geld. Wie viel, ist äußerst unterschiedlich: Während einige Institute kostenlose Konten anbieten, sind manche beim Erfinden von Gebühren durchaus kreativ.

Geldinstitute wollen Girokonto-Kunden für andere Angebote gewinnen

Dabei sind Girokonten nicht nur für Kunden wichtig, sondern auch für die Geld­institute. „Das Girokonto ist der Dreh- und Angelpunkt für die Kunden­beziehung“, sagt Martin Schmidberger von der ING-DiBa in Frankfurt am Main. Denn wer ein Girokonto hat, lässt sich eventuell auch für andere Produkte gewinnen. „Cross-Selling“ wird diese Strategie im Fachjargon genannt, zu Deutsch: über Kreuz verkaufen.

Der Vorteil der Banken dabei: Sie kennen ihre Kunden in der Regel gut. „Bei der Immobilien­finanzierung ist ja oft der erste Rat: 'Gehen Sie zu Ihrer Hausbank'“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanz­beratung in Frankfurt am Main. Schließlich hat diese einen Überblick über die finanzielle Lage.

Ein wichtiger Punkt bei dieser Strategie ist allerdings die Transparenz. „Der Kunde muss selbst entscheiden, wann er welche Dienst­leistung in Anspruch nehmen will, und wissen, was ihn das kostet“, sagt Martin Schmidberger. Denn hat der Kunde einmal das Vertrauen verloren, ist er schnell bei einem anderen Anbieter.

„Gebühren für ein Konto sind durchaus in Ordnung“, findet Verbraucher­schützer Thomas Mai. Schließlich haben Banken ja auch Kosten. „Es muss aber Klarheit und Wahrheit herrschen“, sagt der Finanz­experte der Verbraucher­zentrale Bremen. Hier hapert es in der Praxis mitunter aber, wie eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Warentest für die Zeitschrift „Finanztest“ (Heft 9/2017) zeigt.

Bei Preiserhöhungen sind Banken durchaus erfinderisch

Eine Bank verband die Bargeld­versorgung am Geld­automaten mit den Öffnungsz­eiten der Filialen. Wollten Kunden sich außerhalb der Öffnungsz­eiten an den Automaten bedienen, mussten sie 35 Cent pro Abhebung zahlen. Ein anderes Geld­institut stellt den Kunden bei bestimmten Konto­modellen 50 Cent für jede Abhebung in Rechnung.

Mitunter werben Geld­institute zwar mit einem kostenlosen Girokonto, verlangen dann aber für die Girocard eine Gebühr von 10 Euro pro Jahr. Das ist irre­führend, befand die Wettbewerbs­zentrale und klagte vor dem Landgericht Düsseldorf. Mit Erfolg: Diese Form der Werbung erschwere für Kunden den Vergleich von Girokonten (Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 06.01.2017, Az. 38 O 68/16). Die Werbung für das Kontomodell musste geändert werden.

Grenze der Kosten sollte bei 60 Euro im Jahr liegen

Der Test der Stiftung Warentest zeigt aber auch: Es gibt noch kostenlose Girokonten. Von den 231 untersuchten Konto­modellen von 104 Banken und Sparkassen waren immerhin 23 Konten „ohne Wenn und Aber“ gratis. Die Tester fanden nicht nur Direkt­banken, sondern auch Filial­banken, die Kunden keine Gebühren für ein Konto in Rechnung stellen. Allerdings waren diese Institute regionale Anbieter.

Doch was darf ein Konto kosten? Einen festen Betrag gibt es nicht, aber eine Richtung: „Alles unter 100 Euro pro Jahr ist in Ordnung“, sagt Verbraucher­schützer Thomas Mai. Die Stiftung Warentest setzt die Grenze noch etwas niedriger an: „Wer mehr als 60 Euro im Jahr - die Kosten für die Kreditkarte nicht eingerechnet - für sein Girokonto ausgibt, sollte sich ein neues Konto suchen“, heißt es in der „Finanztest“.

„Es kommt immer darauf an, was Sie wollen“, erklärt Max Herbst. Wer ohne Filiale auskommt und seine Geld­geschäfte online erledigt, könne problemlos zu einer günstigen Direktbank wechseln. „Wenn Sie aber Ihren persönlichen Berater schätzen, dann ist eine Filialbank sicher die bessere Wahl.“ In ländlichen Gebieten werde die persönliche Kunden­beziehung von einigen Geld­instituten auch aktiv gepflegt, weiß Max Herbst aus Erfahrung. „Ein solcher Service darf auch was kosten.

Kostensenkung auch ohne Konto-Wechsel möglich

“Wer die Kosten für sein Girokonto senken will, muss nicht immer gleich das Geld­institut wechseln. Man kann sich auch bei der eigenen Bank erkundigen, ob es nicht günstigere Konten­modelle gibt, raten die Experten der Stiftung Warentest. Manchmal reicht es aber schon, sein Verhalten zu ändern, um Geld zu sparen. Online-Kunden etwa zahlen oft für jede Über­weisung auf Papier Gebühren. Wer den Zahlungs­auftrag am Computer eingibt, kann diese Kosten vermeiden.

Auch bei der Bargeld­versorgung lassen sich mitunter Gebühren sparen, erklärt Verbraucher­schützer Thomas Mai. Das gilt sogar, wenn kein Geldautomat der eigenen Banken­gruppe in der Nähe ist. „Bargeld bekommen Sie inzwischen auch oft an der Supermarkt­kasse.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
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