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Arbeitsrecht | 17.12.2021

Verliebt im Job

Ob Flirt oder Beziehung: Verliebt im Job - Kann das gut gehen?

Es muss nicht immer problematisch werden

Bei der Arbeit nur noch Augen für den Kollegen? Oder ist der Flirt mit der Kollegin längst mehr als das? Sich am Arbeits­platz zu verlieben, kann Probleme mit sich bringen. Muss es aber nicht.

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Einen Großteil des Tages verbringen Berufstätige bei der Arbeit. Immer umgeben von denselben Kolleginnen und Kollegen. Gemeinsam mit ihnen bearbeitet man Aufgaben, erreicht Ziele oder scheitert an ihnen. Das schweißt zusammen. Aber was, wenn aus dem professionellen Verhältnis irgendwann ein romantisches Knistern wird?

Behält man seine Gefühle dann lieber für sich? Oder offenbart man seiner Kollegin oder seinem Kollegen die Schwärmerei? Das kommt darauf an, sagt Madeleine Leitner, Diplom­psychologin und Karriere­coach aus München.

Es kommt auf die Ausgangssituation an

Sind die Beteiligten Single, ist die Konstellation erst einmal unproblematisch. Ist einer von beiden oder sind sogar beide verheiratet, wird die Situation schnell ziemlich heikel. Erst recht, wenn es hierarchische Ab­hängigkeiten gibt. Zum anderen kommt es laut Leitner darauf an, wie man selbst Gefühle entwickelt: Ver- und entliebt man sich schnell? Oder sind die Gefühle sehr ernst zu nehmen, wenn sie aufkommen?

Gesagtes ist schwer zurückzunehmen

Wer das Thema offen anspricht, muss sich dessen bewusst sein, dass das Gesagte anschließend schwer zurückzunehmen ist. Madeleine Leitner rät daher dazu, erst mal mit einem Scherz unverbindlich vor­zufühlen, wie die Kollegin oder der Kollege darauf reagiert. Treffen die Gefühle auf Gegenliebe? Oder biegt der Gegenüber subtil ab? Das ermögliche beiden die Chance, ihr Gesicht zu wahren.

Christoph Burger, Diplom­psychologe und Karriere­berater aus Herrenberg, rät bei Unsicherheit zum Mittelweg: Zeit vergehen lassen, klare Kommunikations­signale definieren und die Reaktion des oder der Aus­erwählten abwarten. Und erst dann entscheiden, ob man die Person darauf anspricht. „Ob die Folgen die erwünschten sein werden? Dafür gibt es leider keine Garantie.“ Doch die Prüfzeit und die Reaktions­tests erhöhen die Wahrscheinlichkeit für den richtigen Entschluss.

Dass die Gefühle nicht erwidert werden, kann trotzdem passieren. Dann braucht es laut Burger klare Absprachen, wie es weitergehen soll. Sind gemeinsame Projekte noch vorstellbar? Und wenn ja, welche Regeln sollten dabei eingehalten werden? Genießt es zum Beispiel einer der Beteiligten, unverbindlich zu flirten und kam es dadurch erst zu dem unglücklichen Missverständnis? Dann muss klar sein: Damit ist jetzt Schluss.

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Firmenpolitik: Wie steht der Arbeitgeber zu Pärchen?

Was aber, wenn die Gefühle auf Gegen­seitigkeit beruhen? Hält man eine Partnerschaft besser geheim oder geht man offen damit um? Das hänge von der Firmen­kultur und den Beteiligten ab, sagt Madeleine Leitner. Die Diplom­psychologin kennt Unternehmen, in denen Beziehungen zwischen Mitarbeitern offiziell unerwünscht sind. Immerhin verändern Beziehungen einiges innerhalb des Team­gefüges. Es gibt aber auch Firmen, die Partnerschaften am Arbeits­platz unterstützen.

Wichtig sei eine klare gemeinsame Haltung, sagt Burger. Außerdem sollten vor der Bekanntmachung mögliche Szenarien durch­gespielt werden. Wer wird wie reagieren? Gibt es möglicher­weise verschnupfte Nebenbuhler? Oder gibt es Personen im beruflichen Machtspiel, die den Beziehungs­status als Schwäche erkennen und gnadenlos ausnutzen?

Ist klar, wie es für alle Beteiligten gut weitergehen kann, kann die Beziehung laut Christoph Burger öffentlich gemacht werden. Geht es um eine Affäre, rät Madeline Leitner, das besser unter Verschluss zu halten.

Arbeitsleben und Privatleben bleiben getrennt

Das Paar kann sich darauf einstellen, dass es nach Offenlegung des Beziehungs­status mit Argusaugen beobachtet wird. Deshalb sei es besser, vor allem zu Beginn über­korrekt zu sein, sagt Leitner. Das

bedeutet: keine vertraulichen beruflichen Dinge mit dem Partner oder der Partnerin besprechen. Und anders herum auch keine privaten Dinge in der Firma ausfechten.

„Was keiner braucht: Verliebte, die meinen, alle Welt müsse den erfreulichen, schwierigen oder gar intimen Aspekten ihres Privat­lebens beiwohnen“, sagt Christoph Burger. Idealer­weise sollte eine offen existierende Beziehung unter Arbeits­kollegen keinerlei negative Auswirkungen auf den Job haben.

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Dateverbote vom Arbeitgeber sind rechtlich unwirksam

Rein rechtlich sind Beziehungen oder Affären am Arbeits­platz nicht verboten. „Der Chef kauft die Arbeits­kraft, nicht das Liebesleben seiner Mitarbeiter“, sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeits­recht aus Berlin. Nur wenn die Qualität der Arbeits­leistung leidet oder sittliche Gebräuche verletzt werden, könne der Arbeitgeber mit Abmahnung oder Kündigung reagieren.

Trotzdem sind intime Beziehungen zwischen Mitarbeitern seiner Erfahrung nach nicht gerne gesehen. Ärger folge dann oft indirekt, zum Beispiel über berufliche Nachteile.

Es gebe Unternehmen, die zum Beispiel mit Anzeige­pflichten oder Date­verboten Beziehungen unter Mitarbeitern unterbinden wollen, sagt Bredereck. Das sei zwar unwirksam, führe aber trotzdem zu großem Druck auf die Betroffenen. „Kein schönes Bild, wenn man bedenkt, dass sich fast ein Drittel aller Paare über die Arbeit kennen­lernen.“

Das wird schwierig: Flirten über Hierarchieebenen

Richtig kompliziert werden Flirts, Affären oder Beziehungen über Hierarchie­ebenen hinweg. Job und Privatleben vermischen sich dabei laut Burger fast zwangs­läufig.

Wer mit seinem Chef oder seiner Chefin anbandelt, muss Madeline Leitner zufolge damit rechnen, dass Team­mitglieder einem ab diesem Zeitpunkt mit der gebotenen Vorsicht begegnen. Bahnt sich ein solches Verhältnis an, ist oberste Vorsicht geboten: Schon ein loser Flirt könne die Karriere fatal ins Aus katapultieren, sagt Burger.

Bei Trennung muss der Umgang professionell bleiben

Vor dem Scheitern ist am Ende keine Beziehung gefeit. Auch nicht die am Arbeits­platz. Doch was, wenn das Verhältnis irgendwann in die Brüche geht? Dann gelte es, professionell damit umzugehen, sagt Karriere­berater Burger: „Offener Streit, vergiftete Atmosphäre zwischen den Expartnern, komplizierte Kommunikation mit doppeltem Boden - all derlei ist tabu.“

„Es gibt faire Trennungen und sogar geschiedene Paare, die weiter gut miteinander arbeiten oder gemeinsam erfolgreich Unternehmen führen“, sagt Madeline Leitner. Einen Rosenkrieg in der Firma auszutragen könne hingegen nicht im Sinne der Beteiligten sein. Das gehe nicht gut. Stattdessen könne es in so einem Fall sinnvoll sein, sich gemäß dem Sprichwort „der Klügere gibt nach“ zu verhalten.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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