wichtiger technischer Hinweis:
Sie sehen diese Hinweismeldung, weil Sie entweder die Darstellung von Cascading Style Sheets (CSS) in Ihrem Browser unterbunden haben, Ihr Browser nicht vollstndig mit dem Standard HTML 5 kompatibel ist oder ihr Browsercache die Stylesheet-Angaben 'verschluckt' hat. Lesen Sie mehr zu diesem Thema und weitere Informationen zum Design dieser Homepage unter folgender Adresse:   ->  weitere Hinweise und Informationen
Suche
Anwalt gesucht?
Anwalt gefunden!
Sie haben ein rechtliches Problem? Eine individuelle Rechtsfrage? Streit mit dem Nachbarn, Chef oder Ämtern?Gehen Sie auf Nummer sicher und holen Sie sich den fachkundigen Rat eines Rechtsanwalts.Hier im Deutschen Anwaltsregister finden Sie immer den passenden Rechtsanwalt in Ihrer Nähe.Nutzen Síe Ihr Recht!

Familienrecht | 18.09.2020

Pri­vat­sphä­re von Kindern

Ob aus Sorge oder aus Neugier: Auch Kinder haben ein Recht auf Schutz ihrer Privat­sphäre

Schutz unter anderem vor willkürlichen Eingriffen in das Privatleben und den Schrift­verkehr im Artikel 16 der Kinder­rechts­konvention verankert

Ob aus Sorge oder aus Neugier: Eltern haben heute jede Menge Möglichkeiten, ihre Kinder zu überwachen - digital wie analog. Doch Experten warnen: Nur weil es geht, ist es noch lange nicht richtig.

Werbung

„Wo seid ihr denn gerade?“ „Du, ich hab da in deinem Zimmer was gesehen...“ „Wer ist denn dieser Max, mit dem du gerade so viel chattest?“ Für viele Eltern sind das ganz normale Fragen - und für manche Kinder und Jugendliche ist das eine Form der Schnüffelei, die gar nicht geht. Und damit hat der Nachwuchs recht.

Geheimnisse müssen sein

„Kinder brauchen ihre Privat­sphäre, weil es gut ist, wenn sie irgendwann eigene Dinge machen und wenn Eltern loslassen können“, sagt Ulric Ritzer-Sachs, Sozial­pädagoge bei der Online-Beratung der Bundes­konferenz für Erziehungs­beratung. Deshalb steht die kindliche Privat­sphäre sogar im Gesetzbuch.

Grundgesetz und Kinderrechtskonvention

„Kinder sind von Anfang an Rechts­subjekte und haben damit Grundrechte, unter anderem das Recht auf Privat­sphäre“, erklärt Juliane Hilbricht, Fach­anwältin für Familien­recht und Mitglied der Arbeits­gemeinschaft Familien­recht im Deutschen Anwalt­verein (DAV). Außerdem gibt es noch die UN-Kinder­rechts­konvention: Deren Artikel 16 schützt unter anderem vor willkürlichen Eingriffen in das Privatleben und den Schrift­verkehr.

Gleich­zeitig haben Eltern aber ebenfalls Rechte. „Grund­sätzlich ist es so, dass Kinder ein Grundrecht auf Entfaltung ihrer Persönlichkeit haben, und Eltern ein Recht auf Erziehung - und im Streitfall müssen diese Grundrechte gegeneinander abgewogen werden“, erklärt Linda Zaiane vom Deutschen Kinderhilfs­werk (DKHW).

Keine Schnüffelei ohne Grund

Das bedeutet konkret: Erst einmal genießt das Kind Privat­sphäre, Eltern dürfen diese aber verletzen, wenn sie sich Sorgen um das Kindeswohl machen. „Klar ist: Reine Schnüffelei ohne Anlass ist nicht erlaubt“, sagt Hilbricht. „Wenn das Kind sich aber zum Beispiel ritzt oder gar suizidales Verhalten zeigt, muss ich etwas tun.“

Was ist, wenn Eltern diese Kompetenzen überschreiten - können Kinder dann klagen? Theoretisch schon, sagt Anwältin Hilbricht. „In der Praxis gibt es aber keine solchen Verfahren und auch kaum Urteile zu dem Thema.“

Es gab und gibt aber Prozesse, die das Thema zumindest am Rand streifen - und die gehen oft eher zugunsten der Eltern aus, wie Linda Zaiane erklärt: „Die Kinder­rechts­konvention wird von Gerichten zu oft nicht berücksichtigt, nicht nur in Fragen der Privat­sphäre.“

Werbung

Das erste Smartphone sorgt oft für Streit

Klagen aus dem Kinder­zimmer müssen Eltern also eher nicht fürchten - munter drauflos­schnüffeln sollten sie aber trotzdem nicht. Zumindest nicht bei größeren Kindern, denn wie so vieles ist auch die kindliche Privat­sphäre eine Altersfrage.

Wobei das Thema keinesfalls erst in der Pubertät akut wird. „Kinder haben schon sehr früh eine sehr klare Vorstellung davon, was sie als privat empfinden - und Eltern verletzen das oft unabsichtlich, wenn sie zum Beispiel Fotos bei Facebook oder Whatsapp posten“, sagt Sophie Pohle vom Deutschen Kinderhilfs­werk.

Richtig los geht es aber tatsächlich oft erst im Grund­schulalter oder kurz danach - nämlich dann, wenn Kinder ihr erstes eigenes Smartphone haben. „Spätestens dann sind Kinder öfter auch fernab der elterlichen Augen online“, sagt Pohle. „Gleich­zeitig machen sich Eltern Sorgen, die ja zumindest teilweise auch berechtigt sind.“

Begleiten, kontrollieren - aber nicht spionieren

Was also tun? Kinder einfach surfen lassen, weil die Privat­sphäre ja vorgeht? Nein, sagt Ulric Ritzer-Sachs: „Eltern müssen ihre Kinder natürlich begleiten. In dem Alter, in dem die meisten Kinder ein Smartphone bekommen, sind sie davon noch überfordert.“

Eltern sollten also mit ihren Kindern Regeln vereinbaren, wie Smartphone und Co. genutzt werden - und dürfen sich dann auch davon überzeugen, dass diese eingehalten werden.

„Bei einem Zehn- oder Elfjährigen kann es dann schon sein, dass man zum Beispiel verbietet den Browser­verlauf zu löschen und den dann gemeinsam anschaut“, sagt Ritzer-Sachs. Er rät Eltern außerdem, sich zum Beispiel die aktuellen Lieblings­videos der Kinder aus dem Netz zeigen zu lassen. „Das hat auch den positiven Nebeneffekt, dass ich was aus der Lebenswelt der Kinder mitbekomme.“

Werbung

Die Grenzen der Technik

Kinder­schutz-Apps und andere technische Möglichkeiten können in solchen Fällen ebenfalls sinnvoll sein. Allerdings nur dann, wenn das Kind davon weiß und nicht heimlich ausspioniert wird - eine Funktion, die manche der Apps durchaus anbieten. „Technische Hilfsmittel ersetzen jedoch nicht die erzieherische Aufgabe der Eltern und das Gespräch mit dem Kind über die Medien­nutzung“, sagt Sophie Pohle.

Und natürlich gilt: Irgendwann muss Schluss sein mit der Über­wachung. „Bei älteren Kindern muss man dann auch sagen können „So, jetzt bist du reif genug“, und ihnen die Smartphone-Nutzung komplett überlassen“, sagt Ritzer-Sachs.

Kinder dürfen eigene Regeln aufstellen

Dieses Grund­prinzip der Privat­sphäre lässt sich auch auf andere, analogere Lebens­bereiche übertragen - egal ob Tagebuch oder Kinder­zimmer. Denn das Recht auf Privat­sphäre umfasst das Recht auf eigene vier Wände, inklusive geschlossener Tür. Das gilt auch in Familien, die sonst eine Kultur der offenen Tür pflegen. Kinder dürfen davon abweichen, sagt Ritzer-Sachs: „Das heißt ja nicht gleich, dass sie hinter der geschlossenen Tür was Verbotenes machen.“

Sich über diese Grundsätze hinweg­zusetzen, hält Ritzer-Sachs nur im Notfall für vertretbar: „Es gibt Grenzfälle, wo Eltern die Privat­sphäre des Kindes verletzen müssen - aber selbst dann sollte das nie hinter dem Rücken des Kindes passieren.“.

Denn das sei eine schwerwiegende Verletzung des Respekt- und Vertrauens­verhältnisses zwischen Eltern und Kinder, wie auch Sophie Pohle erklärt: „Eine respekt- und vertrauens­volles Verhältnis ist aber Grund­voraussetzung für gute Medien­erziehung.“

Ständige Überwachung hemmt Entwicklung

Ritzer-Sachs geht sogar einen Schritt weiter: „Wenn Kinder sich ständig überwacht fühlen, haben sie irgendwann das Gefühl, dass die Eltern ihnen nicht mehr vertrauen.“ Ein Argument wie „Ich will dich nur schützen!“ stoße da irgendwann auf taube Ohren. Stattdessen dominiere beim Kind das Gefühl, dass mit ihm etwas nicht stimmt - schließlich vertrauen die Eltern ihm ja nicht.

Aus dem gleichen Grund hält der Experte andere Methoden der elterlichen Kontrolle sogar für ganz falsch, das Tracking auf dem Schulweg zum Beispiel - selbst dann, wenn das Kind davon weiß.

„Kinder brauchen auch das Recht, Fehler zu machen, mal zu schummeln oder Mist zu machen“, sagt er. Das gehöre zum Erwachsen­werden dazu. „Ich würde mir viel eher Sorgen machen, wenn ein Kind nie den Schulweg verlässt.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
BewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertungssternBewertung: 4.5 (max. 5)  -  4 Abstimmungsergebnisse Bitte bewerten Sie diesen Artikel.0





       Sie sind Anwalt?! Werden Sie ein Teil vom Deutschen Anwaltsregister (DAWR) und stellen Sie sich und Ihre Kanzlei ausführlich vor!Profitieren Sie von der großen Reichweite des DAWR und seiner Partnerportale.Klicken Sie hier und nutzen Sie jetzt Ihre Gelegenheit
auf mehr Mandate aus dem Internet!

#7681

URL dieses Artikels: https://www.dawr/d7681
 für RechtsanwälteEin Kanzleiprofil beim DAWR kann auch Ihnen helfen!