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Arbeitsrecht | 05.10.2021

Fehler im Job

Oft unvermeidbar: Warum eine gute Fehler­kultur im Job wichtig ist

Wie man als Berufstätige mit Fehler im Job umgeht

E-Mail falsch versendet, Präsentation vermasselt, falsche Kundendaten freigegeben: Fehler im Job können belanglos sein oder aber ernsthafte Folgen haben.

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Oft ist es nur ein Klick oder ein falscher Handgriff - und schon ist es passiert: Die vertrauliche E-Mail geht an den Unter­nehmens­verteiler oder die gesamte Charge der aktuellen Produktion ist verunreinigt. Fehler kommen im Berufs­alltag ständig vor, ein offener Umgang damit ist aber eher selten. „Fehler werden unter Psychologen darüber definiert, dass ein beabsichtigtes Ziel nicht erreicht wird“, sagt Dieter Zapf, Professor für Arbeits- und Organisations­psychologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. „Es fällt uns schwer, Fehler zuzugeben, weil wir sie mit Inkompetenz verbinden.“

Gewohnheits- oder Wissensfehler sind oft unvermeidbar

Dabei folgen sie bestimmten Mustern, die nicht nur mit der einzelnen Person zu tun haben müssen. Gewohnheits­fehler beispiels­weise treten vor allem durch routinierte Abläufe auf, so Zapf. „Sie sind fast unvermeidlich und wird es immer wieder geben.“ Wissens­fehler haben ihre Ursache meistens in fehlender Erfahrung, die wir erlernen können.

Schwierig sind Denkfehler. Sie offenbaren sich dann, wenn der Überblick über eine Sache fehlt oder verloren geht, etwa bei der Planung eines Projektes. Mitunter kann das Folgefehler nach sich ziehen. Das Problem sei aber, dass Unternehmen oft keine Fehler­kultur hätten, um sie zu verhindern, sagt Zapf.

Fehler lösungsorientiert formulieren

Dem Kommunikations­forscher Werner Pfab zufolge ist die Fehler­kultur ein Teil der Arbeits­kultur eines Unternehmens. Die ist aber längst nicht überall ausgeprägt: „Es gibt Arbeitskulturen, die durch eine hohe Fehler­feindlichkeit gekennzeichnet sind. Man geht dort nicht offen und konstruktiv mit Fehlern um“, so Pfab.

Eine fehler­feindliche Arbeits­kultur zeichnet sich durch nicht vorhandenes Bewusstsein für die Ursachen von Fehlern aus. Außerdem spielt eine Rolle, wie und ob über Fehler gesprochen werden darf. In fehler­feindlichen Unter­nehmens­kulturen werden sie eher vertuscht oder auf andere geschoben.

Grund­sätzlich gilt: Wer selbst einen Fehler verursacht, sollte mit denjenigen reden, die davon betroffen sind. „Fehler bedeuten immer, dass etwas passiert ist, was nicht passieren sollte. Das tangiert in aller Regel nicht nur mich selber, sondern auch andere, mit denen ich zusammen­arbeite“, so der Kommunikations­forscher.

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Auch Führungskräfte spielen eine Rolle

Auch das Führungs­personal beeinflusst natürlich, wie Mit­arbeiterinnen und Mitarbeiter eines Unternehmens mit Fehlern umgehen. Fehler­gespräche zwischen Tür und Angel etwa sind laut Pfab unangebracht.

Vor allem dann, wenn andere dabei sind. „Jede Thematisierung von Fehlern wird immer auch als Angriff auf die eigene Person wahr­genommen“. Wichtig sei, Gesprächs­bedingungen zu schaffen, in denen diese Gefahr möglichst minimiert wird. Außerdem zahlt es sich aus, Kritik möglichst wert­schätzend zu formulieren, so Pfab.

Nach der Ursache suchen

Ein guter Weg, mit Fehlern umzugehen, kann auch sein, Fehler positiv zu bewerten. „Unter der Maßgabe, sie zu reflektieren und zu schauen, was hätte besser gemacht werden können oder was kann beim nächsten Mal anders gemacht werden“, sagt Florian Walzer, der als Prokurist für die Software-Firma Rexx Systems in Hamburg arbeitet. In seiner Funktion hat er sich näher mit der Relevanz einer offenen Fehler­kultur in Unternehmen auseinandergesetzt.

Fehler sollte man Grund­sätzlich nicht ignorieren, egal wie groß oder wie klein sie sind, sagt Walzer. Auch Konsequenzen müssten erst einmal nichts Schlimmes bedeuten. Das hinge von dem Ausmaß und der Anzahl der Fehler ab.

„Wenn es um geschäfts­schädigende oder geschäfts­gefährdende Fehler geht, gilt es natürlich, damit anders umzugehen, als wenn es vermeintlich kleine Fehler sind.“ Gleich­zeitig sollte eine Abmahnung oder eine Kündigung immer der letzte Weg sein, so Walzer.

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Arbeitgeber muss Schutzmaßnahmen treffen

Aus rechtlicher Sicht ist der Arbeitgeber zwar dazu verpflichtet, gewisse Schutz­maßnahmen zu treffen. „Gerade im Arbeits­schutz muss er bestimmte Regeln einhalten, damit Fehler zu keinen schlimmen Folgen führen oder gar nicht erst entstehen“, sagt Constantin von Köckritz, Fachanwalt für Arbeits­recht.

Er sei aber nicht gezwungen, jede mögliche Situation oder jeden eventuellen Sachverhalt voraus­zudenken und Arbeit­nehmerinnen und Arbeit­nehmer an die Hand zu nehmen.

Verhaltensbedingte Fehler vor Gericht

Im rechtlichen Streit um Fehler geht es von Köckritz zufolge meist um verhaltensbedingte Vorwürfe. Darunter fällt Verhalten, das Arbeit­nehmer in der Regel steuern und beeinflussen können.

Arbeits­gerichte stellten allerdings hohe Ansprüche, wenn es etwa darum geht, ob Fehl­verhalten eine Kündigung recht­fertigt. „Da kann man nicht sagen, es gibt vier kleine Fehler und dann geht es los, oder ein schwer­wiegender Fehler reicht aus. Das wird immer innerhalb eines Kündigungs­rechts­streits geprüft“, so der Fachanwalt.

Ganz Grund­sätzlich gilt die sogenannte Rücksicht­nahme­pflicht. Gemäß Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) regelt sie, dass Arbeitgeber und Arbeit­nehmer immer Rücksicht auf die Interessen des jeweils anderen nehmen müssen, so von Köckritz.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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