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Strafrecht | 24.08.2016

Ver­gewaltigung

Opfer einer Ver­gewaltigung: Keine Angst vor Strafe wegen Falsch­verdächtigung

Antworten auf Fragen zum Verhalten nach einer Ver­gewaltigung

Ver­gewaltigung ist ein schreckliches Verbrechen. Schrecklich ist es auch, sich eine solche Tat auszudenken. Doch müssen Opfer einer Ver­gewaltigung fürchten, wegen Falsch­verdächtigung angezeigt zu werden, wenn die Beweise nicht ausreichen?

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Nach dem Fall Gina-Lisa Lohfink fürchten Experten, dass Ver­gewaltigungen seltener angezeigt werden. Das Model war zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt worden, weil sie zwei Männer laut Urteil zu Unrecht der Ver­gewaltigung beschuldigt und wissentlich gelogen hatte. Nach einer Ver­gewaltigung scheuen sich viele Opfer vor einer Anzeige - wollen das Erlebte nicht noch mal durchleben. Das Urteil weckt möglicher­weise zusätzlich die Angst, selbst in juristische Schwierig­keiten zu kommen.

Müssen Opfer Angst vor einer Anklage wegen falscher Verdächtigung haben, wenn die Vergewaltigung nicht bewiesen werden kann?

Nein. Wird ein Beschuldigter freigesprochen, leitet die Staats­anwaltschaft nicht automatisch ein Verfahren wegen falscher Verdächtigung ein. „Die Staats­anwaltschaft stellt sich dann meistens auf den Punkt: Aussage gegen Aussage - man kann es nicht beweisen“, erklärt Alexander Stevens, Rechtsanwalt für Sexual­straf­recht. Denn diese sieht natürlich das Problem, dass es „das falsche Zeichen wäre gegen die Opfer vorzugehen, weil man dann Angst haben muss, dass andere Opfer sich nicht mehr melden“. Eine solche Anklage wird häufig nur eingeleitet, wenn das vermeintliche Opfer zugibt, dass es gelogen hat.

Kann das Urteil im Fall Lohfink dennoch eine abschreckende Wirkung auf Opfer haben?

„Ja“, findet Anita Eckhardt vom Bundes­verband der Frauen­beratungs­stellen und Frauen­notrufe in Deutschland. „Ich denke schon, dass die Botschaft eine entmutigende ist.“ Sie geht davon aus, dass einige Opfer von sexueller Gewalt eine Anzeige nun sicher noch einmal hinter­fragen werden. Allerdings betont auch Eckhardt, dass Anklagen wegen falscher Verdächtigung mitnichten ein Regelfall seien.

Was sollten Opfer nach einer Vergewaltigung am besten tun?

Opfer sollten auf jeden Fall zum Arzt gehen und sich behandeln lassen. Anita Eckhardt vom Bundes­verband der Frauen­beratungs­stellen und Frauen­notrufe in Deutschland rät Betroffenen, eine Beratung aufzusuchen und sich darüber klar zu werden, ob sie Anzeige erstatten wollen. Dann ist die Sicherung der Spuren wichtig. Hier gilt: je früher, desto besser -ansonsten kann es problematisch werden.

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Warum ist das mit der Beweissicherung oft schwierig?

Rettungs­stellen und Gynäkologen sind in der Regel nicht auf forensische Beweis­mittel­sicherung spezialisiert. Für sie ist es schwierig vor Gerichten nach­zuweisen, dass kein Dritter Zugang zu den Beweis­mitteln hatte, wie Saskia Etzold erklärt. Sie ist stellvertretende Leiterin der Gewalt­schutz­ambulanz der Charité Berlin. Dort können Betroffene ihre Verletzungen gerichtsfest dokumentieren lassen.

Was bedeutet das?

Verletzungen und DNA-Spuren werden vertraulich gesichert. Das heißt, dass Betroffene sich nicht sofort entscheiden müssen, ob sie ihren Peiniger anzeigen. Die Beweise gehen nicht verloren. Oft entscheiden sich Opfer von sexueller Gewalt erst nach einiger Zeit, Anzeige zu erstatten. „Dann sind meist keine Verletzungen mehr zu sehen“, erklärt Saskia Etzold, stellvertretende Leiterin der Gewalt­schutz­ambulanz der Charité Berlin. Diese seien aber wichtig, um eine Ver­gewaltigung nach­zuweisen. Das können etwa Würgemale oder Griffspuren sein. „Allerdings heißt das nicht, dass keine Ver­gewaltigung stattgefunden hat, wenn es keine Verletzungen gibt“, sagt Saskia Etzold, stellvertretende Leiterin der Gewalt­schutz­ambulanz der Charité Berlin. Opfer von K.-o.-Tropfen etwa können sich nicht gegen die Täter wehren.

Wie lang kann man da nach der Tat noch hingehen?

DNA-Spuren seien bis zu 72 Stunden nach der Tat noch verwertbar, Verletzungen solange sie sichtbar sind. „Das ist in der Regel eine Woche“, sagt Saskia Etzold, stellvertretende Leiterin der Gewalt­schutz­ambulanz der Charité Berlin.

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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