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Versicherungsrecht | 11.07.2018

Pflege­zusatz­versicherung

Pflege­vorsorge: Wie sinnvoll ist eine private Pflege­zusatz­versicherung?

Pflege­zusatz­versicherung können sinnvoll sein und helfen Versorgungs­lücken zu schließen

Das Thema Pflege kommt bei vielen Menschen erst auf, wenn die eigenen Eltern darauf angewiesen sind. Klar ist aber: Die vor­geschriebene Pflege­versicherung reicht längst nicht aus. Wer bis ins hohe Alter gut versorgt leben will, macht sich am besten rechtzeitig Gedanken.

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Wer Pflege im Alter braucht, bekommt sie. Die Frage ist jedoch, wer dafür zahlt. „Die gesetzliche Pflege­versicherung ist eine Teilkasko­absicherung“, urteilt Peter Grieble, Versicherungs­experte bei der Verbraucher­zentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. „Mit der, so ist die Konzeption, wird es in aller Regel nicht reichen“. Dann geht es entweder an die Rente oder das Gesparte. Reicht das Geld nicht mehr, springen die Sozialhilfe­träger ein. Auch sehr gut verdienende Kinder können zur Kasse gebeten werden. Wer das nicht will, für den könnte eine Pflege­zusatz­versicherung interessant sein. Wichtige Fragen und Antworten:

Wo können Versorgungslücken entstehen?

Eine Versorgung im Pflegeheim kann an die 5000 Euro im Monat kosten. „Bei Pflegegrad fünf gibt es von der gesetzlichen Pflege­versicherung knapp 2000 Euro“, weiß Peter Grieble, Versicherungs­experte bei der Verbraucher­zentrale Baden-Württemberg. „Das heißt, wir hätten um die 3000 Euro Deckungs­summe im Monat.“

Doch auch in der ambulanten Pflege kann es knapp werden. Die Stiftung Warentest hat sich die Situation 2017 angesehen: Damals befanden sich 85 Prozent der ambulant Pflege­bedürftigen in den unteren drei Pflege­graden. Wer nicht auf die Hilfe von Angehörigen oder Nachbarn zurück­greifen kann, sondern sich durch Profis versorgen lässt, muss größere Beträge ausgeben.

„Wenn jemand professionell zu Hause gepflegt werden muss, können im Pflegegrad zwei 500 und im Pflegegrad drei schon über 1000 Euro mehr benötigt werden, als die gesetzliche Pflege­versicherung zahlt“, sagt Sabine Baierl-Johna von der Stiftung Warentest.

Wie kann man sich zusätzlich versichern?

Es gibt verschiedene Varianten: Beim Pflege­tagegeld erhalten Versicherte je nach Pflegegrad Geld, über das sie frei verfügen können. Bei einer Pflege­kosten­versicherung werden nach­gewiesene Kosten bei häuslicher oder stationärer Pflege zum Teil erstattet.

Eine Pflege­renten­versicherung wiederum wird von Lebens­versicherern angeboten. Hier wird eine nach Pflege­graden gestaffelte vereinbarte Rente fällig, unabhängig von tatsächlichen Kosten.

Und es gibt die staatlich geförderte private Pflege­vorsorge. Der Vorteil: Versicherer dürfen Kunden nicht wegen Vorerkrankungen ablehnen. Der Nachteil aus Sicht der Stiftung Warentest: Die Versorgungs­lücke wird mit diesem Tarif oft nicht gedeckt.

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Welche Variante ist also sinnvoll?

Letztlich hängt das stark von der individuellen Situation ab. Die Pflege­renten­versicherung ist die teuerste Variante. Ein Vorteil ist allerdings, dass man mit Beitrags­zahlungen pausieren kann. Bei einer Pflege­kosten­versicherung werden nur nachweislich entstandene Kosten erstattet, zum Teil nur bei Rechnungen professioneller Pflege­dienste.

Experten raten daher am ehesten zu einer Pflege­tage­geld­versicherung. Hier steht das Geld frei zur Verfügung, zum Beispiel auch für Laienpflege. Sabine Baierl-Johna von der Stiftung Warentest weist allerdings darauf hin: „Man muss sich im Klaren sein, dass man diese Versicherung gegebenenfalls bis an sein Lebensende zahlen muss. Man kann nicht pausieren und aussetzen. Wenn man kündigt oder Beiträge nicht mehr bezahlen kann, ist alles, was man bisher eingezahlt hat, weg.“

Die Stiftung Warentest hat berechnet: Wer mit 45 Jahren solch eine Versicherung abschließt, bekommt für rund 56 Euro im Monat eine Absicherung, die die vorgegebene Versorgungs­lücke schließt. 55-jährige Einsteiger zahlen dafür bereits rund 90 Euro.

Wann sollte man so einen Vertrag abschließen?

Je früher, desto geringer sind die monatlichen Beitrags­zahlungen. „Aber wenn man jünger ist, hat man vielleicht Familie und Kinder, muss sich gegen Berufs­unfähigkeit absichern oder möchte eine Alters­vorsorge aufbauen“, vermutet Sabine Baierl-Johna von der Stiftung Warentest. „Wenn man aber im zu hohen Alter abschließt, sind die Beiträge hoch und es besteht das Risiko, dass man die Versicherung gar nicht mehr bekommt, denn die privaten Kranken­versicherer stellen natürlich Gesundheits­fragen. Leute mit Vorerkrankungen wie Arthrose, Rheuma, Bluthoch­druck oder Diabetes werden häufig schon abgelehnt.“

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Worauf muss man bei Vertragsabschluss achten?

„Es kommt nicht auf den günstigsten Beitrag, sondern auf den besten Leistungs­umfang an“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg. Zu individuell passenden Leistungen rät auch Peter Grieble: „Die ganz entscheidende Frage ist: Wie hoch soll die finanzielle Absicherung überhaupt sein?“ Hier gehören Renten- und Vermögens­situation auf den Prüfstand.

Wichtig sind Fragen nach einer möglichen Dynamik, Beitrags­freiheit im Leistungs­fall oder weltweitem Versicherungs­schutz. „Dinge wie Karenz-und Wartezeiten sollte man sich ansehen“, meint Peter Grieble, Versicherungs­experte bei der Verbraucher­zentrale Baden-Württemberg. „Gute Tarife haben als Standard keine Wartezeiten.“

Wer nur vereinzelte Pflegegrade absichert, kann Beiträge sparen, erklärt Baierl-Johna. „Wir sagen allerdings, es ist sinnvoller, alle Pflegegrade abzusichern. Man könnte höchstens den Pflegegrad eins für die Versorgung zu Hause ausschließen.“ Vieles ist bei Versicherungs­abschluss natürlich reine Vermutung. „Ob das, was ich vor 20 Jahren abgeschlossen habe, mich im Leistungs­fall am besten absichert, ist die Frage“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. „Aber wenn ich mich unabhängig habe beraten lassen und für ein gutes Produkt entschieden habe, ist das schon mal ein großer Schritt in die richtige Richtung.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
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