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EU-Recht und Fluggastrecht | 10.08.2018

Arbeits­kampf

Piloten-Streik bei Ryanair: Was Passagiere wissen müssen

Ein Überblick über die Rechte von betroffenen Passagieren

Der Urlaub kann beginnen, doch der Flieger startet nicht? Kein guter Start für eine Reise. Wegen des Streiks bei Ryanair müssen Fluggäste sich auf etliche Ausfälle einstellen. Welche Rechte haben Betroffene?

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„Annulliert“ - diese Anzeige am Flughafen werden Urlauber und andere Reisende zu zahlreichen Ryanair-Flügen lesen. Wegen des Piloten­streiks müssen Passagiere mit Flug­ausfällen rechnen. Für viele Kunden bedeutet das eine Menge Ärger, denn sie müssen kurzfristig umplanen. Betroffene sollten daher ihre Rechte kennen.

Wie erfahre ich, ob mein Flug betroffen ist?

Ryanair hat angekündigt, betroffene Passagiere per E-Mail oder SMS zu kontaktieren. Der Billig­flieger bietet eine Rück­erstattung der Kosten, eine kostenlose Umbuchung auf den nächsten ver­fügbaren Flug oder einen vergleichbaren Ersatzflug an. Für Rückfragen ist das Service­center der Airline unter 0180/667 78 88 erreichbar (Kosten: 0,20 Euro pro Minute aus dem Festnetz, aus dem Mobilnetz abweichend).

Auf die Umbuchung haben Passagiere laut der Fluggast­rechte-Verordnung der EU einen Anspruch. Möglich ist demnach auch, dass Passagiere auf andere Transport­wege gebucht werden, wenn das Ziel per Bus oder Bahn erreichbar ist. Der Ausstand der Piloten ist von Freitag um 3.01 Uhr bis Samstag (11. August) um 2.59 Uhr geplant. Ryanair-Angaben zufolge sind 250 Flüge von und nach Deutschland vorab gestrichen werden.

Was ist, wenn ich im Urlaub wegen des Streiks festsitze?

Stranden Passagiere wegen des Streiks vorüberg­ehend an Flughäfen, so muss die Fluggesellschaft sie betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Flug­gast­rechte­verordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle verantwortlich ist. Passagiere haben Anspruch auf Verpflegung. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline die Übernachtung im Hotel übernehmen.

Was gilt bei Pauschalreisen?

Ist der Ryanair-Flug Teil einer Pauschal­reise, ist nicht die Airline der Ansprech­partner, sondern der Reise­veranstalter. Er ist nach Angaben der Verbraucher­zentralen auch bei Streiks verantwortlich für Kosten, die Reisenden durch eine Verspätung entstehen. Das können zum Beispiel Ausgaben für Verpflegung, Unterkunft, Taxifahrten und Telefonate sein. Bei großen Verspätungen können Pauschal­reisende außerdem den Reisepreis mindern. Dafür gibt es den Angaben zufolge Rechen­tabellen: Ab fünf Stunden Verspätung können Urlauber pro Stunde Verspätung fünf Prozent des anteiligen Tages­preises zurück­fordern.

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Steht mir bei Flugausfällen wegen des Streiks eine Entschädigung zu?

Im Prinzip gilt: Bei Piloten­streiks haben Reisende keinen Anspruch auf eine zusätzliche Entschädigung für Ausfälle oder Verspätungen ihrer Flüge von mehr als drei Stunden. Denn laut dem Bundesgerichtshof, Urteil vom 21.08.2012, Az. X ZR 138/11 und X ZR 146/11 handelt es sich um höhere Gewalt. Das gilt unter der Bedingung, dass die Fluggesellschaft alles unternimmt, was in ihrer Macht steht, um die Folgen des Streiks zu minimieren.

Allerdings hat sich die Rechtsprechung inzwischen weiter entwickelt, erklärt der Reiserechts­experte Paul Degott, Anwalt in Hannover. So entschied der Europäische Gerichtshof im April 2018, dass eine Airline bei einem wilden Streik nur unter zwei Bedingungen von der Erstattungs­pflicht befreit werden könne: Zum einen dürfe das Ereignis, das zu den Behinderungen führte, nicht Teil der normalen Betriebs­tätigkeit sein. Und zum anderen dürfe es von der Airline nicht beherrschbar sein (Az.: C-195/17).

Aus dem Urteil leitet Degott ab, dass Entschädigungs­zahlungen auch bei regulären Streiks möglich sind, wenn es dabei den Streikenden nicht nur um die Bezahlung, sondern um die Arbeits­konditionen insgesamt ging. Betrachtet man die Gründe der bei Ryanair zum Streik Aufgerufenen, „dann liegt das sehr nahe an dem, was der EuGH sagt“, sagt der Reiserechts­experte Paul Degott. Allerdings müsse das zunächst erneut gerichtlich geklärt werden. Der Reiserechts­experte Paul Degott rät daher, vorsorglich Ausgleichs­zahlungen zu fordern.

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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