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Arbeitsrecht | 20.12.2018

Probezeit

Probezeit als Kennenlern­phase: Diese Rechte und Regeln gelten in der Probezeit

Was Arbeitnehmer über Urlaubs­sperre, Krankengeld und Kündigungsfristen während der Probezeit wissen sollten

Am Anfang eines neuen Jobs steht oft die Probezeit - und die Frage, wie man sie am besten übersteht. Von Urlaubs­sperre bis Krankengeld: Wer die wichtigsten Rechte kennt und sich an einige Regeln hält, muss sich keine Sorgen machen.

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Nach einem langen Bewerbungs­verfahren hat sich der Arbeitgeber endlich entschieden, der Arbeits­vertrag ist unter­schrieben, und der erste Arbeitstag steht an. Doch sicher ist der neue Job noch nicht. Denn am Anfang steht oft die Probezeit. „Die Probezeit ist ein Instrument für Arbeitgeber und Arbeit­nehmer, sich besser kennen­zulernen“, erklärt Britta Beate Schön, Rechts­expertin des Verbraucher­portals Finanztip.

Probezeit gesetzlich nicht vorgeschrieben

Gesetzlich vorgeschrieben ist die Probezeit nicht. Auch die Dauer ist nicht festgelegt, sondern kann individuell vereinbart werden, wie Britta Beate Schön erklärt. In der Regel dauert sie sechs Monate. Länger darf die Probezeit nicht sein. Denn nach sechs Monaten im neuen Job können Arbeit­nehmer sich auf das Kündigungs­schutz­gesetz berufen. Eine Ausnahme sind Ausbildungs­verhältnisse: Hier muss die Probezeit mindestens einen und darf höchstens vier Monate lang sein.

Probezeit verkürzt Kündigungsfrist

Wird eine Probezeit vereinbart, verkürzt diese für den festgelegten Zeitraum die Kündigungs­frist für beide Seiten auf zwei Wochen, erklärt Christian Michels, Fachanwalt für Arbeits­recht in Mainz. Eine Ver­längerung der Probezeit über die sechs Monate hinaus ist auch im Krankheits­fall nicht erlaubt. Wurde allerdings eine kürzere Probezeit vereinbart, kann sie auf bis zu sechs Monate verlängert werden.

Krankheit in der Probezeit

Wer gerade einen neuen Job begonnen hat, will in der Probezeit nicht unbedingt krank werden. Falls das doch passiert, muss sich der Arbeit­nehmer auch in der Probezeit unverzüglich krank melden und gegebenenfalls ein Attest vom Arzt vorlegen. Er bekommt trotzdem Geld: Ab dem zweiten Monat im neuen Job gilt die Entgelt­fortzahlung. „In den ersten vier Wochen springt die Kranken­kasse mit dem Krankengeld ein“, erklärt Britta Beate Schön.

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Keine Urlaubssperre während der Probezeit

Auch Urlaub dürfen Arbeit­nehmer während der Probezeit nehmen. „In den Köpfen haben viele noch, dass in der Probezeit eine Urlaubs­sperre gilt“, so Britta Beate Schön. Das stimmt aber nicht. Zwar haben Mitarbeiter nicht sofort den vollen Jahres­urlaub zur Verfügung. Aber: In den ersten sechs Monaten erwerben Beschäftigte pro Monat ein Zwölftel ihres Jahres­urlaubs - und den dürfen sie auch nehmen. „Arbeitgeber sind heute froh, wenn Mitarbeiter in der Probezeit ein paar Tage Urlaub nehmen“, meint Britta Beate Schön. Denn sonst staue sich der gesamte Urlaub auf die Monate nach der Probezeit.

Kündigung und Kündigungsschutz in der Probezeit

Eine Besonderheit in der Probezeit: Wird einem Arbeit­nehmer während der ersten sechs Monate des Arbeits­verhältnisses gekündigt, benötigt der Arbeitgeber keinen Kündigungs­grund, erklärt Rechtsanwalt Christian Michels. Denn das Kündigungs­schutz­gesetz greift erst, wenn ein Mitarbeiter mindestens sechs Monate beschäftigt ist. „Erst nach Ablauf dieser Zeit muss ein Arbeitgeber, der in einem Betrieb mehr als zehn Arbeit­nehmer beschäftigt, einen Kündigungs­grund haben.“ Diese Regelung gilt auch, wenn keine Probezeit vereinbart wurde.

In besonderen Konstellationen genießen Arbeit­nehmer aber einen besonderen Kündigungs­schutz schon vor Ablauf der sechs Monate. So besteht zum Beispiel bei einer Schwangerschaft ein Kündigungs­verbot seitens des Arbeit­gebers bereits ab dem ersten Tag der Beschäftigung. „Die Schwangere muss aber den Arbeitgeber von der Schwangerschaft unverzüglich informieren und eine Kündigungs­schutz­klage einreichen“, erklärt der Anwalt.

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Klage gegen Kündigung möglich

Wer glaubt, dass ihm in der Probezeit zu Unrecht gekündigt wurde, kann dagegen gerichtlich vorgehen. So könne schon eine falsche Unterschrift oder eine fehlerhafte Betriebsrats­anhörung die Kündigung unwirksam machen, sagt Rechtsanwalt Christian Michels. „Bei allen Kündigungen ist vor allem schnelles Handeln das A und O, denn es laufen sehr kurze Fristen.“ Wird eine Kündigung beispiels­weise nicht innerhalb von drei Wochen nach dem Zugang gerichtlich angegriffen, gilt sie in den meisten Fällen als wirksam, und der Arbeits­platz ist verloren.

Wird einem Arbeit­nehmer während der Probezeit gekündigt, liegt das häufig nicht an seinen fachlichen Qualitäten, meint die Karriere­beraterin Doris Brenner. „Die können im Vorstellungs­gespräch gut überprüft werden.“ Aber ob jemand auch menschlich zum Unternehmen passt, stelle sich erst nach einiger Zeit heraus. Deshalb rät Karriere­beraterin Doris Brenner, den Fokus während der Probezeit nicht nur auf das Fachliche zu legen, sondern sich vor allem gut in das Team zu integrieren.

„In der Probezeit sollte man offen auf andere zugehen und sich selbst als neues Team­mitglied verstehen“, sagt die Karriere­beraterin Doris Brenner. Dazu gehöre, die Bereitschaft zu zeigen, den Arbeits­alltag aktiv mit­zugestalten. Das gehe bereits vor dem ersten Tag im neuen Job. So könne man Vor­gesetzten anbieten, schon vor Beginn des Arbeits­verhältnisses zu einer wichtigen Sitzung zu kommen, oder um eine Intranet-Frei­schaltung bitten. „Je deutlicher man das sagt, desto eher bekommt der Arbeitgeber das mit“, sagt Doris Brenner.

Ratschlag für die ersten Wochen: „Klappe halten, Ohren auf“

Hilfreich sei es außerdem, ab dem ersten Tag im neuen Job ein Logbuch zu führen. „Am Abend kann man dann den Tag noch einmal Revue passieren lassen, sich die Namen von Kollegen, Merkhilfen oder Fragen notieren“, sagt Doris Brenner. Das sei ein schöner Tages­abschluss und zeige einem die Fortschritte, die man bereits gemacht hat. Auch mögliche Verbesserungs­ideen könne man in dem Logbuch notieren - und nach einiger Zeit im neuen Job ansprechen. Denn für die ersten Wochen gilt: „Klappe halten, Ohren auf“, meint Doris Brenner.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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