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Internetrecht und Verbraucherrecht | 02.11.2016

Online-Rechts­beratung

Rechts­beratung aus dem Netz: Aber wie funktioniert die Online-Rechts­beratung und was bringt sie?

Rechts­portale liefern anwaltliche Beratung und Verträge

Flug ausgefallen? Vertrag ungewollt verlängert? Zu schnell gefahren? Kein Problem: Schauen Sie einfach ins Internet. Hier findet jeder Hilfe für alles, oft ganz ohne Besuch beim Anwalt. Doch was bringt die Online-Rechts­beratung wirklich?

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Stellen Sie sich vor, Ihnen wird unverhofft gekündigt. Wissen Sie, welche Rechte Sie haben? Können Sie einschätzen, ob Ihnen eine Abfindung zusteht und wie hoch sie in etwa sein wird? Oder Sie werden mit einem Blutalkohol­wert von 0,8 Promille von der Polizei angehalten. Wie hoch wird Ihr Bußgeld ausfallen? Wissen Sie nicht? So geht es vielen. Wenn es um rechtliche Fragen geht, tappen die meisten schnell im Dunkeln.

Internet-Portal Frag Robin erstellt Fall-Analysen

Das hat auch Christopher Hahn beobachtet. „Oft wissen Verbraucher bei solchen Problemen gar nicht, was sie tun sollen“, erklärt der Jurist. „Deshalb hört man sich zuerst im Freundes­kreis um“, weiß Hahn aus Erfahrung. „Und danach sucht man im Internet.“ Doch auch Google und Co. wissen nicht immer die passende Antwort auf das eigene Problem, denn jeder Fall ist anders. Genau da setzt Hahn mit seinem Internet-Portal Frag Robin an: „Wir wollen den Prozess digitalisieren, wie sich Anwalt und Mandant finden.“

Deswegen ist der Weg zum Rechtsanwalt auf der Seite denkbar einfach gestaltet: Der künftige Mandant wählt sein Rechts­gebiet aus - derzeit im Angebot sind Arbeit-, Familien-, Miet- und Verkehrs­recht - und klickt sich dann durch einen Fragebogen. „Am Ende bekommt der Nutzer eine Analyse seines Falles per E-Mail“, erklärt Hahn. Inklusive Handlungs­empfehlung und Verweis auf die Partner-Anwälte von Frag Robin.

Legal Tech ein Schwerpunkt auf dem Deutschen Anwaltstag 2017

Für Juristen wird dieser Trend immer wichtiger: „Wir beobachten das Thema Digitalisierung aufmerksam“, sagt Swen Walentowski, Presse­sprecher des Deutschen Anwalt­vereins (DAV). Das Legal Tech genannte Thema wird deshalb auf dem Deutschen Anwaltstag 2017 in Essen ein Schwerpunkt sein. Denn die Internet angebote kommen bei Verbrauchern gut an: „Die Menschen suchen nach schnellen Lösungen“, sagt der Rechtsanwalt. „Und die bietet die Anwalt­schaft noch nicht immer befriedigend.“

Aus Sicht des DAV sind die neuen Angebote auch nicht unbedingt eine Konkurrenz. Im Gegenteil: „Sie können Anwälten sogar mehr Mandanten bringen“, sagt Swen Walentowski, Presse­sprecher des Deutschen Anwalt­vereins (DAV).

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Legal-Tech-Seiten gibt es inzwischen viele

Alle bieten Verbrauchern schnelle Lösungen für juristische Probleme. Anbieter wie Smartlaw zum Beispiel stellen Kunden vorgefertigte Verträge zur Verfügung. Das Spektrum reicht vom Kaufvertrag für ein Auto bis hin zu Gesellschafts­verträgen. Start-ups wie Flight Right, Euclaim oder Fairplane machen Entschädigungen für Fluggäste geltend. Aboalarm will Vertrags­kündigungen und -verwaltung vereinfachen.

„Ich wollte ein Problem lösen, was möglichst viele Menschen betrifft“, erklärt Aboalarm-Gründer Bernd Storm van's Gravesande seine Motivation. Die Idee dazu kam ihm, als sich die Bahncard seiner Frau automatisch verlängerte: „Wir hatten die Kündigungs­frist übersehen.“ Und weil er mit diesem Problem nicht alleine ist, gründete er sein Portal.

Auf Aboalarm können Nutzer vorgefertigte Kündigungs­schreiben für verschiedene Verträge - von Mobilfunk über Fitness­studio bis zur KfZ-Versicherung - herunterladen und abschicken. Nach Angaben des Unternehmens wurden so seit 2008 schon rund 10 Millionen Kündigungen versandt. Wer dafür das Portal nutzt, bekommt für die meisten Anbieter zudem eine Kündigungs­garantie. „Unternehmen verhalten sich nicht immer rechts­konform“, sagt Storm van's Gravesande. Hier will er den Verbrauchern helfen: „Viele kennen ihre Rechte nicht“, sagt er. „Aber wir haben das Know-how.“ Für schwierige Fälle arbeitet sein Portal mit einer Anwalts­kanzlei zusammen.

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Start-ups stoßen an Grenzen

Verbraucher­schützer stehen solchen Legal-Tech-Angeboten durchaus offen gegenüber: „Die Portale machen einem das Leben ein Stück weit einfacher und komfortabler“, sagt zum Beispiel Annabel Oelmann. „Sie bieten meist standardisierte Verfahren zu typischen und weniger beratungs­intensiven Rechts­fragen an“, erklärt die Leiterin der Verbraucher­zentrale Bremen.

Allerdings stoßen einige der Start-ups mit ihren Geschäfts­modellen auch an Grenzen, sagt Swen Walentowski, Presse­sprecher des Deutschen Anwalt­vereins (DAV). Beispiel Vertrags­gestaltung: „Wenn es um den Vertrag für einen Tiefgaragen­stellplatz geht, muss ich dafür nicht unbedingt zum Anwalt gehen“, sagt er. Wer aber zum Beispiel einen Gesellschafterv­ertrag aufsetzen will, kann mit vorgefertigten Verträgen in böse Fallen tappen. Einige Anbieter sprechen sich zudem von jeglicher Haftung frei. „Einen Anwalt können Sie nach einer Falsch­beratung zur Rechen­schaft ziehen.“

Online Rechtsberatung kann Anwalt nicht ersetzen

Rechts­beratung funktioniert im Internet eher bei niedrigschwelligen Angeboten, findet auch Annabel Oelmann: „Die Portale können keine individuelle Rechts­beratung ersetzen.“ Das sieht auch Swen Walentowski so: Ein Anwalt könne bei komplexen Problemen zum Beispiel Fragen stellen, auf die der Mandant selber nicht gekommen ist. Dennoch sei Online-Rechts­beratung nicht grund­sätzlich schlecht. Mandanten sollten aber immer die Geschäfts­bedingungen lesen: „Verbraucher müssen darauf vertrauen können, dass die Start-ups transparent arbeiten - eben auch hinsichtlich der Kosten.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
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