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Arbeitsrecht | 16.04.2018

Großraumbüro

Rücksicht­nahme und Disziplin: Das tägliche Miteinander in einem Großraumbüro

Großraumbüros erhöhen nachweislich das Stress­niveau

Disziplin, Rücksicht­nahme, Kompromissbereitschaft: Für die Arbeit im Großraumbüro sind solche Tugenden unerlässlich. Denn sonst ist Krach unter den Kollegen quasi programmiert - wegen lauter Telefonate, ständig offener Fenster oder einfach, weil das Essen stinkt.

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Im Großr­aumbüro sitzen alle zusammen. Die Wege sind kurz, der Informations­austausch geht schnell, im besten Fall entsteht ein Wir-Gefühl. Doch was in der Theorie so nett und unkompliziert klingt, sorgt im Alltag oft für Frust. Der eine Kollege schreit ins Telefon, die andere lacht über den Inhalt einer E-Mail - und liest sie dann auch noch laut vor. Der nächste erzählt über mehrere Tische hinweg vom letzten Kinoabend.

Großraumbüro kann sich negativ auf Gesundheit und Psyche auswirken

Das stört nicht nur beim Arbeiten, sondern hat auch Langfrist folgen: Nach der Auswertung mehrerer Studien kamen australische Forscher schon 2009 zu dem Ergebnis, dass für viele Berufstätige das Arbeiten im Großr­aumbüro negativ für Gesundheit und Psyche ist. Dabei war für viele nicht nur der Lärmpegel eine Belastung, auch das Licht und die Temperatur stören. Schließlich definiert nicht jeder heiß und kalt gleich, und in den meisten Großraumbüros kann auch nicht jeder am Fenster sitzen. Essens­gerüche vom Nachbar­platz empfinden viele ebenfalls als unangenehm.

Betriebsrat muss in Planung mit einbezogen werden

Dennoch halten etliche Firmen am Großraumbüro fest - weil sie von den Vorteilen überzeugt sind. Hinzu kommt, dass aus Arbeitgeber­sicht in einem Großraumbüro die Raumnutzung effizienter ist als in Einzel­büros: Bei Urlaub oder Dienst­reisen gibt es dann zum Beispiel keinen teuren Leerstand. „Die Einrichtung eines Großraumbüros ist eine unter­nehmerische Entscheidung“, sagt der Berliner Arbeits­rechtler Ulf Weigelt. Allerdings keine diktatorische: Schon in der Planungs­phase muss ein Betriebsrat über solche Schritte informiert und in die Vorbereitung einbezogen werden.

Genauer Größe des Arbeitsplatzes gesetzlich festgelegt

Nach den Technischen Regeln für Arbeits­stätten (ASR) sind Großraumbüros „organisatorische und räumliche Zusammen­fassungen von Büro- oder Bildschirm­arbeits­plätzen auf einer 400 Quadrat­meter oder mehr umfassenden Grund­fläche“. Für die Größe gibt es genaue Vorschriften: „Jedem Arbeit­nehmer steht laut Arbeits­schutz eine Fläche von mindestens 12 bis 15 Quadrat­meter zu“, erklärt Ulf Weigelt. Hält sich der Arbeitgeber nicht an diese Vorgabe, droht ihm ein Bußgeld oder schlimmsten­falls der Entzug der Gewerbe­erlaubnis.

Für die Privat­sphäre der Mitarbeiter gibt es weniger genaue Vorschriften. Darum kümmern kann und sollte sich der Arbeitgeber aber natürlich trotzdem, mit Stell­wänden etwa. „Für Stellwände gibt es sehr gute Dämmungen“, sagt Anette Wahl-Wachendorf, Vize­präsidentin des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW). So hat nicht nur jeder sein eigenes Reich, sondern auch etwas mehr seine Ruhe.

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Gegenseitige Rücksichtnahme und Disziplin erforderlich

Aber auch die Mitarbeiter selbst müssen dazu beitragen, dass der Büroalltag erträglich ist. Und zwar mit Rücksicht­nahme und Disziplin. „Idealer­weise setzen sich dafür alle zusammen und treffen Absprachen“, sagt Susanne Helbach-Grosser vom Seminar-Institut Takt & Stil in Schwäbisch Gmünd. Eine der Regeln kann zum Beispiel sein, dass keine warmen Mahlzeiten am Arbeits­platz eingenommen werden, und am besten auch keine Mett- oder Fisch­brötchen - wegen der Geruchs­belästigung. Stattdessen sollte jeder in den dafür vorgesehen Räumen essen.

Kompromisse sind das A und O im Großraumbüro

Für das Lüften lassen sich feste Zeiten vereinbaren - was aber nicht bedeuten muss, dass ein offenes Fenster abseits dieser Zeiten absolut tabu ist. Da ist dann die eine, der es im Raum zu stickig ist und die deshalb das Fenster aufmachen möchte, und der andere, dem es bei offenem Fenster zu kalt ist. In einer solchen Situation muss jeder auf das Verständnis des anderen setzen und eine Lösung suchen: Einmal kurz stoßl­üften zum Beispiel statt langer Frischluft-Perioden. „Ständig Kompromisse zu schließen ist ohnehin das A und O im Großraumbüro“, betont Susanne Helbach-Grosser.

So kann es die Regel geben, dass alle Kollegen aus Rücksicht möglichst gedämpft miteinander sprechen. Und trotzdem kann es Momente geben, in denen jemand etwa am Telefon unbewusst lauter spricht als gewollt. „Für einen solchen Fall können Kollegen untereinander Handzeichen vereinbaren“, rät Susanne Helbach-Grosser. Im Idealfall reicht dann schon ein kurzer Wink, um die Lautstärke des Kollegen wieder herunter­zupegeln.

Alternativ können etwas lautere Kollegen die Büro-Nachbarn vorwarnen, rät Anette Wahl-Wachendorf. Etwa so: „Bitte entschuldigt, wenn ich nachher etwas lauter rede, ich rufe unsere Nieder­lassung in den Vereinigten Staaten an und erfahrungs­gemäß ist die Verbindung schlecht.“

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Gespräche mit Störenfriede suchen

Regeln hin, Absprachen her - immer wieder gibt es Kollegen, die sich nicht daran halten und ständig am Arbeits­platz warm essen oder permanent quer durch den Saal mit anderen reden. „Kollegen sollten dann auf den Stören­fried zugehen“, rät Anette Wahl-Wachendorf. Sie sollten versuchen, bei ihm Verständnis dafür zu wecken, dass er mit seinem Verhalten anderen das Arbeiten schwermacht. Zeigt der Stören­fried sich resistent, ist das ein Fall für den Chef, so der Berliner Arbeits­rechtler Ulf Weigelt. „Im schlimmsten Fall gibt es dann eine Abmahnung.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
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