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Arbeitsrecht | 13.11.2018

Arbeits­zeugnis

Schlechtes Arbeits­zeugnis: So fechten Arbeit­nehmer ihr Zeugnis an

Bei der Anfechtung eines Zeugnisses gibt es für Arbeitnehmer einiges zu beachten

Jedem Arbeit­nehmer steht ein wahrheits­gemäßes, wohl­wollendes Zeugnis zu - doch die Meinungen über angemessene Formulierungen gehen oft auseinander. Ein Mitarbeiter muss das Zeugnis nicht annehmen. Doch wenn er es anficht, gibt es einiges zu beachten.

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Wer aus einem Unternehmen ausscheidet, bekommt zum Abschied ein Arbeits­zeugnis. Doch nicht immer sind die Angestellten mit dem zufrieden, was sie dort zu lesen kriegen. Ein ungünstiges Zeugnis reflektiert in der Leistungs- und Verhaltens­beurteilung sowie der Schluss­formel schlechte Noten, sagt Thorsten Knobbe. Er ist Autor des Ratgebers „Arbeits­zeugnisse: Text­bausteine und Tätigkeits­beschreibungen“ und Geschäfts­führer des kosten­pflichtigen Karriere­dienst­leisters Leaders­point.

Einschlägige Formulierungs­tabellen helfen dabei, die vergebenen Noten zu entschlüsseln. Auch fällt das Zeugnis eher negativ auf, „wenn es in Länge, inhaltlichem Schwerpunkt und Würdigung nicht dem Berufsbild des Kandidaten entspricht“. Das sollten Beschäftigte dazu wissen:

Wie können Arbeitnehmer gegen ein schlechtes Arbeitszeugnis vorgehen?

„Man kann sich beim Arbeitgeber beschweren oder Klage auf Berichtigung des Zeugnisses erheben“, sagt Nathalie Oberthür, Fach­anwältin für Arbeits­recht in Köln. Zunächst sollte der Arbeit­nehmer selbst den Arbeitgeber mit Fehlern im Zeugnis konfrontieren, rät André Kasten, Fachanwalt für Arbeits­recht bei der Berliner Kanzlei Abeln. Etwa mit Verbesserungs- oder Änderungs­vorschlägen. Für die Nach­besserung sollte man eine Frist von mindestens zwei Wochen setzen. Bleibt dieser Schritt erfolglos, gehen Arbeit­nehmer am besten zu einem Anwalt oder einer Rechts­antrags­stelle der Arbeits­gerichte. „Dann bleibt nur noch die Zeugnis­klage“.

Wie gehe ich als Betroffener formal korrekt vor?

„Bei einer Zeugnis­berichtigung sind Fristen zu beachten“, sagt Michael Felser, Arbeits­rechtler in Brühl bei Köln. Gibt es im Arbeits- oder Tarif­vertrag eine Verfall- oder Ausschluss­frist, gilt diese auch für den Anspruch auf ein wahrheits­gemäßes Zeugnis. „In der Regel sind das drei oder sechs Monate.“ So lange sollte man aber nicht warten. „Die Erinnerung der Vor­gesetzten verblasst meist schneller, außerdem braucht man das Zeugnis ja für die Bewerbung.“ Wenn nur kleine Ergänzungen nötig sind, genügt häufig die persönliche Vorsprache, sagt Rechtsanwältin Nathalie Oberthür. „Wenn das Zeugnis insgesamt unbrauchbar ist, lohnt es sich, einen Anwalt hinzu­zuziehen, um mit einem eigenen Formulierungs­vorschlag auf den Arbeitgeber zuzugehen.“

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Wer muss was beweisen?

Die Beweislast haben die Gerichte jeweils zur Hälfte verteilt, so Rechtsanwalt Michael Felser. Der Arbeitgeber muss beweisen, dass der Arbeit­nehmer schlechter als der Durchschnitt (befriedigend) war, der Arbeit­nehmer hingegen, dass er besser war. „Das ist nicht einfach„, gibt Rechtsanwalt Felser zu bedenken. „Man kann das nur über Zwischen­zeugnisse, Leistungs­beurteilungen oder Aus­zeichnungen wie den „Mitarbeiter des Monats“ beweisen“, so Rechtsanwalt André Kasten. Auch Kunden, Kollegen oder Vorgesetzte könnten als Zeugen für gute Leistungen benannt werden. Rechtsanwalt Felser empfiehlt, sich frühzeitig und regelmäßig Zwischen­zeugnisse ausstellen zu lassen. Sind die Bewertungen darin gut, kann der Arbeitgeber im Schluss­zeugnis nicht ohne weiteres davon abweichen.

Was genau kann ich anfechten?

„Die Tätigkeits­beschreibung und die Leistungs­bewertung sind anfechtbar“, sagt Rechtsanwältin Nathalie Oberthür. Die sprachliche Formulierung hingegen obliegt allein dem Arbeitgeber. „Es gibt auch keinen Anspruch auf die übliche Dankes- oder Bedauerns­formel am Schluss.“ Das Zeugnis müsse vollständig, wahrheits­gemäß und wohlwollend sein, sagt Rechtsanwalt Michael Felser. Auch müsse es formalen Ansprüchen genügen. Hat das Papier Kaffee­flecken, hat der Kollege statt des Chefs unter­schrieben oder fehlen wichtige Aufgaben oder Erfolge, so sind das Gründe für eine Berichtigung.

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Wie aussichtsreich ist die Anfechtung?

Eine Berichtigungs­klage ist aus rechtlicher Sicht nahezu niemals aussichtsreich, sagt Rechtsanwältin Nathalie Oberthür. Das liege vor allem an der Verteilung der Beweislast. Allerdings sind viele Arbeitgeber zu Kompromissen bereit, um einen Rechts­streit zu vermeiden. Auch Arbeits­richter bemühen sich um sachgerechte Kompromisse. Daher lohne sich die Klage trotzdem häufig.

Darf der Arbeitnehmer dann im Streitfall Vorschläge machen?

Der Arbeit­nehmer darf alternative Formulierungen vorschlagen, nur hat er womöglich keinen Anspruch darauf, dass der Entwurf übernommen wird, sagt Thorsten Knobbe. „Am besten klären beide Seiten vorher ab, ob ein Entwurf genehm ist, dann klappt es meist am einfachsten.“ Rechtsanwalt Felser rät, sich bei den Formulierungen professioneller Hilfe zu bedienen. „Viele in Internet­foren als „negativ“ oder „Geheimcode“ verdächtigte Formulierungen sind üblich, manche unverdächtige Formulierung dagegen problematisch“, sagt er. Viel wichtiger als der vermeintliche Code ist laut Rechtsanwältin Oberthür, dass Inhalt und Sprache des Zeugnisses stimmig sind und zur Tätigkeit des Mitarbeiters passen. Selbst schreiben sollte man Zeugnisse aber nicht: „Selbst verfasste Beurteilungen sind meist zu lang. Erfahrene Personaler riechen das Eigenlob schnell.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
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