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Versicherungsrecht | 08.09.2016

Lebens­versicherung

Sinkende Zinsen bei Lebens­versicherung - Verkaufen, beleihen oder doch besser behalten?

Verbraucher sollten Pro und Contra gut abwägen

Lebens- und Renten­versicherungen waren bei den Bundes­bürgern lange Zeit beliebt. Sicherheit und eine verlässliche Rendite versprachen sich vielen von den Verträgen. Doch die Beliebtheit hat gelitten: Zwar registrierte der Gesamt­verband der Deutschen Versicherungs­wirtschaft (GDV) Ende 2015 noch etwa 86,7 Millionen Verträge. Im Vergleich zu 2014 ist das aber ein Minus von 1,7 Prozent. Einer der Gründe sind die sinkenden Renditen. Denn aufgrund der niedrigen Leitzinsen wurde der Garantie­zins in den vergangenen Jahren immer wieder gesenkt. Ab 2017 soll er noch weiter fallen. Wichtige Fragen und Antworten:

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Wie hoch wird der Garantiezins ab Januar 2017 sein?

Der Garantie­zins wird nach dem Willen des Bundes­finanz­ministeriums von aktuell 1,25 Prozent auf 0,9 Prozent fallen. „Beim Garantie­zins handelt es sich um den Zinssatz, den Versicherungs­unternehmen ihren Kunden maximal auf den Sparanteil im Beitrag zusagen dürfen“, erläutert Hasso Suliak vom GDV. Versicherer verpflichten sich mit dem Garantie­zins, die Gelder ihrer Kunden besonders sicher anzulegen.

Welche Policen sind vom sinkenden Garantiezins betroffen?

„Gesenkt wird der Garantie­zins bei klassischen Versicherungen, also Verträgen mit garantierter Verzinsung“, sagt Katharina Henrich von der Stiftung Warentest in Berlin. Das sind neben Kapital­lebens- und privaten Renten­versicherungen etwa die sogenannten Riester- und Rürup-Policen. Bei der betrieblichen Alters­versorgung sind auch Direkt­versicherungen sowie einige Pensions­kassen-Verträge betroffen.

Was bedeutet der sinkende Garantiezins für Bestandskunden?

„Sie sind davon nicht betroffen“, erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Erst für Policen, die ab dem 1. Januar 2017 neu abgeschlossen werden, fällt die garantierte Leistung für Kunden niedriger aus. Das heißt: Bestands­kunden bekommen den garantierten Zinssatz, der ihnen bei Vertrags­abschluss zugesagt wurde. „Viele Alt­verträge sind aus heutiger Sicht deswegen geradezu attraktiv“, betont Henrich.

Allerdings wird das Sinken der nicht garantierten Überschuss­verzinsung unter dem Strich auch die Rendite der Bestands­kunden schmälern. Henrich verweist darauf, dass es auch Betriebs­renten gibt, die sich nicht an die Vorgaben des Finanz­ministeriums halten müssen. Hier können Bestands­kunden höhere garantierte Zusagen gemacht werden, aber auch niedrigere.

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Was gilt grundsätzlich bei einem vorzeitigen Vertragsausstieg?

„grund­sätzlich gefährdet jede vorzeitige Kündigung die ursprünglich geplante Alters­absicherung“, erklärt Suliak. Nach seinen Angaben sind ältere Verträge oft derart gut verzinst, dass ein Ausstieg wohlüberlegt sein sollte. Für diejenigen, die sich aktuell in einem finanziellen Engpass befinden, gibt es Alternativen zur vorzeitigen Kündigung des Vertrags oder zum Verkauf der Lebens­versicherung. „Das sind etwa Beitrags­freistellung oder Stundung oder die Möglichkeit, den Vertrag ruhen zu lassen“, so Suliak. Verbraucher sollten sich von ihrem Versicherer beraten lassen.

Kann man seine Lebensversicherung verkaufen?

Ja, es gibt Unternehmen, die sich unter bestimmten Voraus­setzungen als Käufer anbieten. „Bei Ankauf der Kapital­police wird der Vertrag von dem Käufer weitergeführt“, erläutert Boss. Das jeweilige Unternehmen übernimmt also die laufende Prämien­zahlung. Der Verkäufer erhält einen Rück­kaufs­wert, der in aller Regel um einige Prozente höher ist als beim Versicherer. Der Todes­fall­schutz bleibt in einem gewissen Umfang erhalten. An die Erben wird die Leistung im Todesfall gezahlt, wobei alle bis dahin an­gefallenen Kosten wie laufende Beiträge für die Police und der Kaufpreis abgezogen werden. Die Ablauf­leistung des Vertrags fließt am Ende der Laufzeit an das Unternehmen, das die Police erworben hat.

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Worauf ist dabei zu achten?

Unter den Firmen, die Lebens­versicherungen ankaufen, tummeln sich jede Menge schwarze Schafe. „Beim Verbraucher sollten die Alarm­glocken schrillen, wenn Firmen völlig unrealistische Angebote unterbreiten“, sagt Suliak. Das ist etwa der Fall, wenn Firmen versprechen, sie würden das Doppelte des Rückkaufs­wertes für die Police bezahlen. „Gewarnt sein sollte der Kunde auch, wenn man ihm sagt, dass der Kaufpreis anschließend in Raten ausgezahlt werde“, so Suliak. Interessierte sollten laut Boss nur Anbieter wählen, die Mitglied im Bundes­verband Vermögens­anlagen im Zweitmarkt Lebens­versicherungen sind.

Und wie wird eine Lebensversicherung „beliehen“?

Dabei nimmt der Verbraucher auf seine Lebens­versicherung ein sogenanntes Policen­darlehen auf. „Das ist eine Art Vorschuss auf die zu erwartende Versicherungs­leistung“, erläutert Suliak. Das Darlehen darf nicht höher sein als der Rück­kaufs­wert der Versicherung. Verbraucher haben hierauf allerdings keinen Rechts­anspruch. Der Darlehens­nehmer muss das Policen­darlehen verzinsen, aber nicht unbedingt vor Vertrags­ablauf tilgen. Später wird es mit der fälligen Versicherungs­leistung verrechnet. „Wer den ursprünglichen Versicherungs­schutz wieder­herstellen möchte, kann das Darlehen natürlich auch zurück­zahlen“, betont Suliak.

Quelle: dpa/DAWR/kg
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