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Arbeitsrecht | 23.08.2017

Zeitarbeit

Sprungbrett oder Sackgasse? - Arbeiten als Leih­arbeiter

Zeit- oder Leih­arbeiter verdienen meist deutlich weniger als ihre festangestellten Kollegen

Viele Leih­arbeiter verrichten vor allem einfache Hilfsjobs. Doch es gibt auch gefragte Spezialisten. Für Berufs­einsteiger ist Zeitarbeit zudem interessant, um erste Erfahrungen zu sammeln. Beim Gehalt müssen Leih­arbeiter aber weiter Einbußen hinnehmen.

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Manchmal heißt es Leiharbeit, manchmal heißt es Zeitarbeit. Das Vorurteil ist aber immer das gleiche: Hilfsjobs ohne Aussicht auf Karriere - sonst gibt es dort nichts. In vielen Fällen trifft das tatsächlich zu. „Der typische Leiharbeit­nehmer ist männlich, jung und unqualifiziert“, sagt Ilona Mirtschin, Arbeits­markt­expertin der Bundes­agentur für Arbeit in Nürnberg.

Jeder zweite Zeitarbeitsjob ist eine einfache Hilfstätigkeit

In einer Studie hat die Agentur die Entwicklungen in der Zeitarbeit untersucht. Das Ergebnis: Rund eine Million Menschen arbeiten mittlerweile für Zeit- oder Leiharbeits­firmen. 70 Prozent davon sind Männer, und fast die Hälfte ist jünger als 35 Jahre. Anspruchs­voll ist die Arbeit in der Regel nicht: „Etwa jeder zweite Zeitarbeits­job ist eine einfache Hilfs­tätigkeit“, sagt Ilona Mirtschin.

Doch das ist nur die eine Seite der Statistik. Denn in einigen Branchen bietet die Zeitarbeit durchaus Karriere­chancen, so die Expertin: „Gerade für junge Leute kann ein Engagement bei einer Zeit­arbeits­firma ein guter Einstieg in den Arbeits­markt sein.“

Berufseinstieg über Zeitarbeit

Die Einsätze dauern oft nur zwei bis drei Monate - für Neu­einsteiger eine gute Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln. Viele Berufs­anfänger jobben daher als Leih­arbeiter erst einmal in unterschiedlichen Betrieben, um sich dann für einen zu entscheiden: „Zeitarbeit wird gerne genutzt, um sich auf dem Arbeits­markt zu orientieren“, sagt Wolfram Linke von der IG Zeitarbeit, dem Interessens­verband deutscher Zeitarbeits­unternehmen. „So kann sich etwa ein ausgebildeter Pfleger in Ruhe umsehen, ob er später in einer Klinik, einem Heim oder in der ambulanten Pflege arbeiten möchte.“

Manche entscheiden sich sogar dauerhaft für die Zeitarbeit, sagt der Branchen­vertreter. Gerade in der Pflege- und Medizin­branche böten sich so interessante Einsatz­möglichkeiten: „Wir reden hier von hoch­spezialisierten Kräften, die in ihrem Bereich auch ein Stück weit die Preise diktieren.“

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Zeitarbeit auch für Akademiker interessant

Solche Formen der Zeitarbeit seien sogar für Akademiker attraktiv. Etwa im Bereich der Luft- und Raumfahrt: Hier laufen Projekte oft nur über einen begrenzten Zeitraum von zwei oder drei Jahren. „Für die Dauer des Projekts holen sich die Unternehmen gerne Spezialisten an Bord“, sagt Wolfram Linke. Ingenieure etwa können sich ihre Projekte so aussuchen und sich gezielt weiter­bilden.

Häufig schlechtere Konditionen für die Arbeiter auf Zeit

„Die Zeiten des Lohn­dumpings mit Hilfe der Leiharbeit sind vorbei“, sagt auch Prof. Peter Schüren, Jurist an der Universität Münster und Experte für Zeitarbeit. Seit der Gesetzgeber die dauerhafte Überlassung von Arbeit­nehmern verboten hat, nutzen Firmen das Instrument vor allem, um Bedarfs­spitzen abzufedern. Auch die Tarif­verträge für Leih­arbeiter hätten sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert, so der Arbeits­rechtler.

Trotzdem bekommen die meisten Zeit­arbeiter noch immer weniger Gehalt als die Stamm­belegschaft. Doch Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel: „Akademiker im Bereich Zeitarbeit sind oft hoch spezialisierte Fachleute, die auf diese Weise oft deutlich mehr verdienen als in einer gewöhnlichen Anstellung“, sagt Arbeits­markt­expertin Ilona Mirtschin.

Allerdings haben gerade einmal neun Prozent der Leih­arbeiter studiert. Bei vielen Beschäftigten auf Zeit wechseln sich stattdessen Jobs mit Phasen der Arbeits­losig­keit ab. „Viele Zeitarbeit­nehmer landen nach einem Einsatz wieder in der Grund­sicherung, weil sie nicht lang genug in die Arbeitslosen­versicherung eingezahlt haben“, erklärt Ilona Mirtschin.

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Übernahmen von Leiharbeitern eher selten

Auch eine Übernahme durch den Einsatz­betrieb ist eher selten. „Ein Betrieb übernimmt, wenn überhaupt, die qualifizierten Leih­arbeiter, aber nicht die einfachen Hilfs­kräfte“, so die Expertin. Bei den Mitglieds­unternehmen der IG Zeitarbeit werde rund ein Drittel des Personals von den Einsatz­firmen übernommen, hält Verbands­sprecher Linke dagegen.

Informationen über Zeitarbeitsfirma einholen

„Die Verbände bemühen sich sehr, das Schmuddel­image der Branche loszuwerden“, sagt Prof. Peter Schüren. Er empfiehlt Job­suchenden, sich die Zeit­arbeits­firma im Vorfeld genau anzusehen. „Wenn es Mitarbeiter gibt, die dort schon länger arbeiten und zufrieden sind, ist das ein gutes Zeichen.“

Bei der Auswahl sollte ein Arbeit­nehmer außerdem darauf achten, dass die Firma nach Tarif zahlt und Mitglied in einem Arbeitgeber­verband ist. „Wichtig ist auch, dass sich die Zeit­arbeits­firma um die Belange ihrer Mitarbeiter kümmert“, rät Wolfram Linke. So sollte ein Unternehmen zum Beispiel nicht nur Arbeits­kleidung und Sicherheits­schuhe stellen, sondern auch bei Problemen im Einsatz­betrieb helfen.

Arbeitszeugnis nach Beendigung des Einsatzes ist Pflicht

Damit die in der Zeitarbeit gesammelte Berufs­erfahrung bei der nächsten Bewerbung etwas nutzt, sollte sie immer dokumentiert werden. „Ein Arbeits­zeugnis ist Teil der gesetzlichen Pflichten des Arbeit­gebers“, sagt der Jurist Schüren. Auch eine Zeit­arbeits­firma muss ihren Mitarbeitern also eine qualifizierte Beurteilung schreiben. Der Entleih­betrieb kann das auch tun - allerdings freiwillig: „Bei einem längeren Arbeits­einsatz sollten Leih­arbeiter ruhig auch am Einsatzort um ein Arbeits­zeugnis bitten.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
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