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Steuerrecht | 10.09.2019

Häusliches Arbeits­zimmer

Steuerbonus: Nicht jeder Schreib­tisch ist steuerlich absetzbar

Arbeits­zimmer muss den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bilden

Was ist die typische Tätigkeit meines Berufs? Wer zu Hause arbeitet und Steuern sparen will, sollte sich diese Frage stellen. Denn davon ist abhängig, ob er das Arbeits­zimmer absetzen kann.

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Wer daheim arbeitet, kann Ausgaben bei der Steuer­erklärung geltend machen. Dafür reicht es aber nicht, abends auf der Couch Mails zu beantworten oder sich in ein Thema einzulesen. Denn nur wenige Steuer­pflichtige bekommen für das Arbeits­zimmer im eigenen Haus einen Steuerbonus.

„Die Grundregel lautet: Das häusliche Arbeits­zimmer kann man nicht absetzen“, erklärt Carola Fischer von der Bundes­steuer­berater­kammer (BStBK). Eine Ausnahme gilt für Arbeit­nehmer, denen für diese Tätigkeit kein anderer Arbeits­platz jederzeit zur Verfügung steht. „Dann kann man maximal 1250 Euro im Jahr abziehen“, so Carola Fischer von der Bundes­steuer­berater­kammer (BStBK).

Diese Begrenzung gilt zum Beispiel für Lehrer, die in der Schule keinen eigenen Platz haben, der immer frei ist und an dem sie ungestört Prüfungen korrigieren können. Steuerliche Vergünstigungen erhalten auch Berufstätige, die am Wochenende Bereit­schaftsd­ienst haben, aber an diesen Tagen das Betriebs­gebäude nicht nutzen können.

Arbeitszimmer muss Mittelpunkt der beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit darstellt

Manche Berufstätige können aber noch mehr bei der Steuer­erklärung profitieren: „Wenn die Tätigkeit, die man im häuslichen Arbeits­zimmer ausübt, den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit darstellt, kann man sämtliche Aufwendungen ohne Obergrenze bei der Steuer abziehen“, erklärt Carola Fischer von der Bundes­steuer­berater­kammer (BStBK).

Das betreffe manche Arbeit­nehmer, die stets im Home Office arbeiten und nur in Ausnahme­fällen den Arbeitgeber besuchen. Typisch sind laut Fischer aber frei­berufliche Tätigk­eiten, etwa die Arbeit als freier Journalist, Schrift­steller oder privater Musiklehrer.

Entscheidend für die Zuordnung ist nicht die Stundenzahl, sondern die Art der Arbeit, erklärt Fischer. Bei Richtern gehe man etwa davon aus, dass die Rechtsprechung in Sitzungen der Schwerpunkt der Arbeit ist - als ihr beruflicher Mittelpunkt gelte deshalb die Tätigkeit im Gericht, selbst wenn sie mehr Zeit mit der Vorbereitung im privaten Arbeits­zimmer verbringen. Sie können also maximal 1250 Euro geltend machen.

Kosten können anteilig als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abgesetzt werden

Selbstständige geben die Aufwendungen als Betriebs­ausgabe an, Arbeit­nehmer in Anlage N ihrer Steuer­erklärung als Werbungs­kosten. Für beide Gruppen gilt: „Sie müssen die einzelnen Posten auflisten und Belege vorhalten“, erklärt Erich Nöll, Geschäfts­führer des Bundes­verbands Lohn­steuerhilfe­vereine (BVL).

Kosten für die Ausstattung des Arbeits­zimmers sind in voller Höhe absetzbar - „Tapeten, Vorhänge, Lampen, Regale, der Bürostuhl, der Schreib­tisch“, zählt Erich Nöll, Geschäfts­führer des Bundes­verbands Lohn­steuerhilfe­vereine (BVL) als Beispiele auf. Auch Gemälde gehören dazu, solange sie nicht unverhältnismäßig teuer sind.

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Beim ersten Mal Grundriss einreichen

Mehr rechnen müssen Steuer­pflichtige, wenn es um Kosten für das Gebäude geht. Diese können nur anteilig geltend gemacht werden. „Bei der ersten Steuer­erklärung mit Arbeits­zimmer ist das etwas aufwendiger: Man sollte den Mietvertrag, eine Neben­kosten­abrechnung und einen Grundriss der Wohnung vorlegen, aus dem das Verhältnis von Arbeits­zimmer und Wohnung hervorgeht“, rät Erich Nöll, Geschäfts­führer des Bundes­verbands Lohn­steuerhilfe­vereine (BVL).

Ein Beispiel

Die Wohnung ist 80 Quadrat­meter groß, das Arbeits­zimmer darin 12 Quadrat­meter. Der Quotient daraus beträgt 15 Prozent. Wer zur Miete lebt und arbeitet, kann also 15 Prozent der Mietkosten geltend machen. Wer das eigene Haus nutzt, kann stattdessen Aufwendungen rund ums Gebäude anteilig absetzen. „Alles, was man bei Vermietung und Verpachtung auch kennt: Gebäude­abschreibung, Wohn­gebäude- und Hausrat­versicherung, Reparaturen, Wasser-, Energie- und Reinigungs­kosten, und so weiter“, sagt Erich Nöll, Geschäfts­führer des Bundes­verbands Lohn­steuerhilfe­vereine (BVL).

Arbeitsecke ist kein Arbeitszimmer

Wichtig: Das Arbeits­zimmer muss wie ein Büro eingerichtet sein und fast ausschließlich für betrieb­liche oder berufliche Zwecke genutzt werden, informiert Christina Georgiadis vom Lohnsteuer­hilfe­verein Vereinigte Lohnsteuer­hilfe (VLH). Eine Arbeitsecke im Wohnzimmer reicht nicht, hat der Bundesfinanzhof, Beschluss vom 27.07.2015, Az. GrS 1/14, entschieden. Teilen sich dagegen Mitbewohner ein Arbeits­zimmer, kann jeder die Ausgaben dafür bis zur Obergrenze geltend machen, die er getragen hat.

Ausgaben für Gegenstände, die bis zu 800 Euro kosten, machen Steuer­pflichtige nach Angaben des VLH direkt im Anschaffungs­jahr geltend. Was teurer ist, etwa leistungs­starke Computer oder manche Büromöbel, wird über die übliche Nutzungs­dauer abgeschrieben. Dafür wird jedes Jahr ein Teil des Kaufpreises angesetzt.

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Privater Computer anteilig absetzbar

Nutzen Berufstätige im Arbeits­zimmer den privaten Laptop oder Computer auch beruflich, können sie einen Teil der Kosten für Anschaffung und Unterhalt als Werbungs­kosten geltend machen, erklärt die Lohnsteuer­hilfe Bayern. Entscheidend für die Höhe ist der Anteil an Zeit, den das Gerät für den Beruf genutzt wird. Der noch nicht abgeschriebene Restwert kann anteilig abgesetzt werden.

Für Bürom­aterial ist die Schwelle dagegen niedriger: Stifte, Papier und Heftstreifen sind unabhängig vom Arbeits­zimmer als Werbungs­kosten absetzbar, erklärt Lohnsteuer­experte Nöll. Berufstätige müssen nur glaubhaft machen, dass sie diese Arbeits­mittel für ihre Tätigkeit brauchen und nicht vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt bekommen.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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