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Steuerrecht | 13.03.2019

Außergewöhnlichen Belastungen

Steuer­erklärung: Für außergewöhnliche Belastungen gilt Mindest­grenze

Wichtige Antworten auf Fragen zum Thema „außergewöhnliche Belastungen“

Neue Brille, Hörgerät oder Zahnersatz: Solche Kosten können zu außergewöhnlichen Belastungen zählen. Damit lässt sich die Steuer­schuld mindern. Entscheidend dabei ist nicht nur die Summe.

Besondere Umstände können zu privaten Mehr­ausgaben führen. Mit der Regelung zu diesen außergewöhnlichen Belastungen will der Gesetzgeber unzumutbare Härten bei der Steuer abmildern. Vieles fällt in diese Rubrik. Steuer­zahler sollten diese Kosten im Zweifel angeben.

Was gehört zu den außergewöhnlichen Belastungen?

Wer größere Kosten hat als die meisten anderen Steuer­zahler mit ähnlichem Einkommen, Vermögen und Familien­stand, der hat außergewöhnliche Belastungen. Sind diese Ausgaben zwangs­läufig und unvorhersehbar entstanden, können sie laut Gesetz die Steuerlast mindern. Unterschieden wird zwischen besonderen und allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen.

Zu den allgemeinen gehören vor allem Krankheits­kosten. „Kosten für die Brille oder den Zahnersatz, Zuzahlungen zu Kuren oder Medikamenten. Das sind die Klassiker, die im Regelfall bei den meisten anfallen“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuer­zahler. Ebenso können hierzu Kosten zählen, die Folge schwerer Unwetter sind.

Das andere sind die besonderen außergewöhnlichen Belastungen. „Das ist zum Beispiel ein auswärtig unter­gebrachtes Kind, etwa im Internat oder zum Studium in einer anderen Stadt“, erklärt Isabel Klocke. Die Liste ist letztlich lang. Im Zweifel lohnt es sich immer, Ausgaben anzugeben. Schlimmsten­falls werden diese nicht anerkannt.

Wie hoch müssen die außergewöhnlichen Belastungen sein?

Die beiden Arten von außergewöhnlichen Belastungen werden unterschiedlich berechnet. „Für die besonderen außergewöhnlichen Belastungen gibt es feste Frei­beträge. Die sind unabhängig vom Einkommen“, erklärt Wolfgang Wawro vom Steuer­berater­verband Berlin-Brandenburg. Dazu gehören zum Beispiel Pausch­beträge für Pflegende oder Behinderte oder der Ausbildungs­freibetrag. Steuerlich machen sich diese ab dem ersten Cent bemerkbar.

Etwas anders ist das bei den allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen wie den Krankheits­kosten. Hier gilt generell: Absetzbar ist erst das, was die sogenannte zumutbare Belastung über­schreitet. Das ist der Betrag, den Steuer­zahler selber schultern müssen.

Wie berechnet sich diese zumutbare Belastung?

Diese Grenze wird immer individuell berechnet und liegt zwischen ein und maximal sieben Prozent des Einkommens. Ausschlaggebend hierfür ist neben den Gesamt­einkünften eines Einzelnen oder Ehepaares die Anzahl der Kinder. „Wer mehrere Kinder und ein kleines Einkommen hat, ist schneller in dem Bereich, dass er etwas geltend machen kann, als vielleicht ein Single, der gut verdient und auch keine Kinder hat“, erläutert Isabel Klocke.

Berechnet wird der Eigenanteil seit einem Urteil des Bundes­finanzhofes (BFH) aus dem Jahr 2017 gestaffelt nach den Prozent­sätzen der gesetzlich vorgegebenen Stufen (Bundesfinanzhof, Urteil vom 19.01.2017, Az. VI R 75/14).

Ein Beispiel: Ein Ehepaar mit zwei Kindern und einem jährlichen Gesamt­betrag der Einkünfte von 60.000 Euro hat eine Zumutbarkeits­grenze von 1735,30 Euro. Hatte die Familie zum Beispiel 2000 Euro Krankheits­kosten im Jahr, können sich rund 265 Euro steuer­mindernd auswirken. „Ein Single, der genauso viel verdient, hat mit 3535,30 Euro etwa das Doppelte an zumutbarer Belastung“, sagt Erich Nöll, Geschäfts­führer des Bundes­verbandes Lohn­steuerhilfe­vereine (BVL).

Wie wird der Posten in der Steuererklärung angegeben?

Die außergewöhnlichen Belastungen werden auf Seite drei des Mantel­bogens abgefragt. Belege müssen nicht beigefügt werden, gegebenenfalls werden sie nach­gefordert. Das Finanzamt prüft von Jahr zu Jahr unter­schiedliche Schwer­punkte. Hier wird nach Auffälligkeiten gesucht. Trifft es die außergewöhnlichen Belastungen, können Zahnarzt­rechnungen oder Kosten für einen Kur­aufenthalt angefordert werden, wenn ein Steuer­zahler hier in einem Jahr hohe Kosten angibt.

Kann man vorab überschlagen, ob es sich lohnt?

„Es gibt im Internet Rechner zur zumutbaren Eigen­belastung“, erklärt Isabel Klocke - zum Beispiel online auf der Seite der Finanz­verwaltung. Die Expertin empfiehlt im Zweifels­fall, die Kosten auf jeden Fall ins Steuer­formular einzutragen. „Dann haben Sie nichts verschenkt. Es macht halt ein bisschen Arbeit.“

Kann man planbare Ausgaben günstig verteilen?

Kommt es bei einer Anschaffung nicht auf den Tag an, kann man zum Jahresende durchaus überschlagen, was in dem Jahr bereits angefallen ist. „Ist man weit von der Zumutbarkeits­grenze weg, sollte man vielleicht die Investition für die neue Brille doch ins kommende Jahr verschieben“, rät Isabel Klocke. „Vielleicht erreicht man dann die zumutbare Eigen­belastungs­grenze eher.“

Ist der Betrag aber schon jetzt nahezu erreicht, steht dem Kauf nichts im Wege. „Wichtig ist: Es kommt immer darauf an, wann Sie bezahlen, nicht wann die Brille bestellt ist.“ Der Steuer­zahler sollte in jedem Fall von Januar bis Dezember Belege sammeln, sagt Wolfgang Wawro. Denn „Kleinvieh macht auch Mist“.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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