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Strafrecht | 06.07.2016

Straf­anzeige

Straf­anzeige stellen: Was Geschädigte und Zeugen beachten müssen

Hilfreiche Tipps für Opfer und Zeugen einer Straftat

Opfer oder Zeugen einer kriminellen Handlung können eine Straf­anzeige stellen. Dabei müssen sie einiges beachten und wissen - über die genauen Abläufe und den Unterschied zum Strafantrag.

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Bei Verdacht einer strafbaren Handlung können Betroffene eine Strafanzeige stellen

Ein Dieb klaut die Handtasche, ein Fremder verbeult die Beifahrer­tür eines parkenden Autos - in solchen Fällen können Betroffene oder Zeugen eine Straf­anzeige stellen. Wer sich unsicher ist, ob dies der Fall ist, kann sich an die Polizei wenden und gegebenenfalls nur einen „Hinweis“ geben. „Eine Straf­anzeige ist prinzipiell dann möglich, wenn der Verdacht einer strafbaren Handlung besteht“, sagt Prof. Heiko Ahlbrecht, Fachanwalt für Strafrecht in Düsseldorf.

Grund­sätzlich ist niemand gesetzlich dazu verpflichtet, eine Straf­anzeige zu erstatten. Es sei denn, er erfährt von einer geplanten schweren Straftat wie Raub, Mord oder Erpressung. Dann muss er dies der Polizei mitteilen (Paragraf 138 des Straf­gesetzbuchs). Andernfalls droht dem Zeugen unter Umständen eine Geld- oder Freiheits­strafe. Auch wenn der Täter vielleicht nie ermittelt wird, der Schritt kann allein aus versicherungs­rechtlichen Verpflichtungen geboten sein, sagt Heiko Ahlbrecht, Fachanwalt für Strafrecht.

Sowohl Opfer als auch Zeugen können eine Strafanzeige stellen

Wichtig zu wissen: Wer eine Straf­anzeige stellt, kann sie danach nicht zurückziehen. Der Schritt sollte wohlüberlegt sein, sagt Kerstin Backofen von der Stiftung Warentest. „Schließlich handelt es sich um einen schwerwiegenden Eingriff in den persönlichen Lebens­bereich anderer Menschen.“ Wer zu Unrecht eine Straf­anzeige gegen eine bestimmte Person erstattet, muss mit harten Konsequenzen rechnen. „Dies kann als strafbare Falsch­verdächtigung, als üble Nachrede oder als Verleumdung geahndet werden“, erklärt Heiko Ahlbrecht, Fachanwalt für Strafrecht.

Für Opfer und Zeugen gibt es drei Möglichkeiten, eine Strafanzeige zu erstatten:

Auf der Polizei­wache, bei der zuständigen Staats­anwaltschaft oder in vielen Bundes­ländern auch per Online-Verfahren. „Bei der Polizei kann die Anzeige mündlich zu Protokoll gegeben werden“, erklärt eine Sprecherin des Bundes­ministeriums für Justiz und Verbraucher­schutz in Berlin. Sie muss von den Straf­verfolgungs­behörden in jedem Fall entgegen­genommen werden. Eine Straf­anzeige kann auch direkt bei der Staats­anwaltschaft eingereicht werden. „Hier ist es allerdings zu empfehlen, dies schriftlich zu tun“, so die Ministeriums­sprecherin.

In vielen Regionen Deutschlands - ausgenommen sind Bayern, Bremen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und das Saarland - können Strafan­zeigen auch online gestellt werden. Egal auf welchem Weg die Straf­anzeige erstattet wird: In allen Fällen müssen die klassischen W-Fragen beantwortet werden. Was ist wann, wo und wie passiert und wer wurde geschädigt? Auch persönliche Daten wie Name, Adresse und Geburts­datum müssen angegeben werden. Beweise wie mit dem Handy gemachte Bilder sind ebenfalls beizufügen.

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Behörden sind verpflichtet, einer Strafanzeige nachzugehen

Grund­sätzlich sind Polizei und Staats­anwaltschaft verpflichtet, einer Straf­anzeige nachzugehen und die Angaben zu überprüfen. „Im ersten Schritt müssen die Behörden ausloten, ob sie einen Anfangs­verdacht strafbaren Verhaltens bejahen und damit eine Person oder auch mehrere zu Beschuldigten machen“, erläutert Heiko Ahlbrecht, Fachanwalt für Strafrecht. Zur Über­prüfung, Bestätigung oder Entkräftung des Anfangs­verdachts können beispiels­weise Zeugen und Beschuldigte vernommen werden. Um an Beweis­mittel zu gelangen, kann es auch Durch­suchungen geben. Am Ende eines solchen Ermittlungs­verfahrens ist es Sache der Staats­anwaltschaft zu entscheiden, ob sich der Tatverdacht bestätigt hat oder nicht.

Einstellung des Strafverfahrens

Das Verfahren wird eingestellt, wenn der Straftat­bestand nicht ausreichend bewiesen ist. Darüber wird der Antragsteller schriftlich informiert. Ist er der Geschädigte und mit der Verfahrens­einstellung nicht einverstanden, kann er Beschwerde bei der General­staats­anwaltschaft einlegen. Votiert auch diese Behörde für eine Verfahrens­einstellung, dann kann der Betroffene in bestimmten Fällen ein sogenanntes Klage­erzwingungs­verfahren anstrengen.

Bestätigt sich indes der Anfangs­verdacht, dann wird ein Strafbefehl beim zuständigen Amtsgericht beantragt oder Anklage zu Gericht erhoben. Grund­sätzlich gilt: „Sinn und Zweck der Straf­anzeige ist es, den Staat auf ein - mögliches - strafbares Geschehen hinzuweisen“, erläutert Heiko Ahlbrecht, Fachanwalt für Strafrecht. Eine Aufklärung liegt schließlich im Interesse der Allgemeinheit.

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Was ist ein Strafantrag?

Neben der Straf­anzeige gibt es auch den Strafantrag. „Ein Strafantrag ist - anders als die bloße Anzeige eines Sach­verhalts - die ausdrückliche schrift­liche Erklärung, dass der Antragsteller die Straf­verfolgung wünscht“, erläutert eine Sprecherin des Bundes­ministeriums für Justiz und Verbraucher­schutz in Berlin. Antrags­delikte sind etwa Haus­friedens­bruch und Beleidigung. In der Regel kann nur der Geschädigte selbst oder dessen gesetzlicher Vertreter einen Strafantrag stellen. „Dies muss binnen einer Frist von drei Monaten erfolgen“, so die Ministeriums­sprecherin. Die Frist beginnt an dem Tag, an dem die oder der Antrags­berechtigte von Tat und Täter Kenntnis erlangt hat. Einen Strafantrag kann derjenigen, der ihn gestellt hat, zurückziehen.

Anwalt für Strafrecht

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Siehe auch:

Quelle: dpa/DAWR/ab
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