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Arbeitsrecht | 07.09.2020

Urlaubs­planung

Streit vermeiden: Den Urlaub konflikt­frei regeln

Welche Regeln Beschäftigte kennen sollten

Immer wieder gibt es in Unternehmen Gerangel um die Urlaubs­planung. Corona hat auch dieses Thema nicht einfacher gemacht.

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Wer darf wann wegfahren und wie lange? Die Urlaubs­planung ist in vielen Betrieben Jahr für Jahr ein Streitthema. In Corona-Zeiten verschärft sich das Problem noch einmal. Viele Arbeit­nehmer wollen erst einmal abwarten, werden aber gezwungen, bereits bewilligte Urlaube auch anzutreten.

Anderswo waren Sonder­schichten angesagt und bei manchen Beschäftigten häufen sich die Urlaubstage. Inzwischen drängeln Personal­abteilung und Vorgesetzte nun, dass bitte alle ihre Urlaubs­anträge einreichen - damit nichts verfällt. Gleich­zeitig droht die Gefahr eines Urlaubs­staus. Aber welche Regeln gelten nun?

Bewilligter Urlaub muss angetreten werden

Fakt ist: Bereits bewilligten Urlaub müssen Beschäftigte antreten. Es gibt kein Recht, den Urlaub zurück­zugeben, etwa, weil eine geplante Auslands­reise pandemie­bedingt nicht stattfinden kann. „Zwar ist es nachvollziehbar, dass Arbeit­nehmer ihren Urlaub un­beeinträchtigt von Corona antreten wollen, sie müssen aber die Belange des Betriebs berücksichtigen“, sagt Roland Wolf, Experte für Arbeits- und Tarifrecht bei der Bundes­vereinigung der Deutschen Arbeitgeber­verbände (BDA) in Berlin.

Die fehlende Reise­möglichkeit ändert nichts am Erholungs­wert des Urlaubs. „Das Risiko, dass der Urlaub gestört wird, liegt auf Arbeitnehmer­seite“, erklärt Daniel Stach von der Verdi Bundes­verwaltung.

In Sonderfällen kann Urlaub ins nächste Jahr übertragen werden

Im Regelfall sollte der Urlaub eines Arbeit­nehmers bis zum Ende des Jahres beantragt, bewilligt und möglichst angetreten sein. Kann der Urlaub indes aus betrieblichen Gründen nicht angetreten werden - zum Beispiel, weil Sonder­schichten anstehen - können Betroffene mit dem Arbeitgeber vereinbaren, dass sie den Urlaub auf das Folgejahr übertragen und bis zum 31. März nehmen.

„Angesichts der krisen­bedingten Sondersituation ist es auch denkbar, den Über­tragungs­zeitraum über den 31. März hinaus zu verlängern“, so Stach von Verdi. Das könnte entsprechend in einer betrieblichen oder tarif­vertraglichen Vereinbarung festgehalten sein.

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Sichtbarer Urlaubsplan von Vorteil

Im Idealfall stimmen Beschäftigte zunächst untereinander und dann mit Vor­gesetzten Urlaubs­zeiten ab. „Wichtig ist, offen miteinander zu kommunizieren“, betont Wolf. Doch nicht immer läuft dies reibungslos, da nicht selten Urlaubs­wünsche mehrerer Beschäftigter miteinander kollidieren und aus betrieblichen Gründen nicht alle Wünsche umsetzbar sind.

Das führt zu Konflikten. „Die Abstimmung im Team kann harmonischer erfolgen, wenn es einen für das gesamte Team sichtbaren Urlaubsplan gibt“, so Stach. Ein solcher Plan könnte die Abwesenheit einzelner Team­mitarbeiter kalendarisch darstellen.

Beschäftigte mit Kindern haben Vorrang

Wenn Urlaubs­wünsche von mehreren kollidieren und aus betrieblichen Gründen nicht alle Wünsche umsetzbar sind, ist es Sache des Arbeit­gebers, die berechtigten Interessen im Einzelfall abzuwägen. Gibt es auf diesem Weg keine Einigung, können sich Beschäftigte gegebenenfalls an den Betriebs- oder Personalrat wenden.

Ausschlaggebend bei der Ent­scheidung, wer wann Urlaub bekommt, sind meist soziale Gründe. Ein Kriterium ist etwa, ob ein Beschäftigter mit seinen schul­pflichtigen Kindern verreisen will und dafür nur die Schulferien in Frage kommen. „In dem Fall kann es sein, dass der Kollege ohne schul­pflichtige Kinder das Nachsehen hat“, erklärt Stach.

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Wie sehr braucht ein Mitarbeiter die Erholung?

Weitere Faktoren bei der Ent­scheidung, welcher Arbeit­nehmer wann Urlaub bekommt, können etwa Rücksicht auf den Urlaub berufs­tätiger Lebens­partner, Alter und Betriebs­zugehörigkeit, erster Urlaub im Kalender­jahr oder Erholungs­bedürftigkeit nach intensiver Arbeits­phase sein. „Besonders dem letzten Kriterium könnte durch Corona eine höhere Bedeutung zukommen“, erklärt Stach.

Apropos Corona: „Gerade in Zeiten der Krise geht es nicht darum, dass Arbeit­nehmer sich einseitig mit ihren Wünschen durchsetzen“, betont Wolf. Vielmehr gehe es darum, den Betrieb in seiner Existenz zu unterstützen, damit er auch künftig noch Arbeits­plätze anbieten kann.

Urlaubstage auf dem Langzeitkonto ansparen

Urlaubstage können übrigens in einigen, aber nicht in allen Branchen in ein sogenanntes Zeitwert­konto umgewidmet werden. „Das geht allerdings nur bei dem sogenannten über­gesetzlichen Urlaub“, so Wolf. Hierbei handelt es sich um Urlaub, den der Arbeitgeber in einer Einzel­vereinbarung, aufgrund von Betriebs­verein­barungen oder aufgrund von Tarif­verträgen zusagt.

In ein solches Zeitwert­konto, das umgangs­sprachlich auch Langzeit­konto heißt, können Beschäftigte neben Arbeitszeit und Entgelt eben auch Urlaub einstellen, um diesen für eine spätere längere Frei­stellung - etwa zum Ende des Beschäftigungs­verhältnisses oder wegen eines Sabbaticals - zu nutzen.

Stress verhindern: Frühzeitige Planung und offene Kommunikation

Streit gibt es zudem nicht selten darüber, wer an den sogenannten Brücken­tagen in ein verlängertes Wochenende gehen darf und wer nicht. „Hier bietet es sich an, die Brücken­tage über alle Arbeit­nehmer gleich­mäßig zu verteilen“, erklärt Wolf.

Sind zwischen Weihnachten und Neujahr keine Betriebs­ferien angeordnet, können Beschäftigte abwechselnd freinehmen, damit jeder gleich­mäßig in den Genuss von Urlaubs- und Feiertagen kommt. „In jedem Fall können eine frühzeitige Planung sowie eine offene Kommunikation im Team und mit den Vor­gesetzten dazu beitragen, dass sich Kollegen wegen des Themas Urlaub nicht streiten müssen“, so Wolf.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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