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Verkehrsrecht und Versicherungsrecht | 16.10.2019

Schadens­regulierung

Stress vermeinen: So klappt die Schadens­regulierung nach einem Unfall

Rechte und Pflichten nach einem Verkehrs­unfall

Ein Unfall­schaden ist umso ärgerlicher, wenn es bei der Schadens­abwicklung oder Reparatur hakt. Wer seine Rechte und Pflichten kennt, kann Stress und Ärger vermeiden.

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Ein Auffahr­unfall auf der Straße ist schnell passiert. Danach stellen sich viele Fragen - zum Beispiel die nach der Polizei. „Die Polizei sollte immer dann gerufen werden, wenn der Unfall­hergang strittig ist oder der Verdacht einer Straftat besteht oder ein Beteiligter oder Geschädigter zu ermitteln ist“, sagt Tobias Goldkamp, Fachanwalt für Verkehrs­recht aus Neuss.

Es geht auch ohne Polizei

Scheint der Unfall­gegner etwa alkoholisiert, sollte die 110 gerufen werden. Sei ein Beteiligter verletzt, müsse zudem zuerst die 112 gewählt werden, so Rechtsanwalt Tobias Goldkamp. Bei einem unstrittigen Unfall­hergang hingegen können die Beteiligten ohne polizeiliche Hilfe alles Erforderliche selbst regeln.

„Beide Unfall­gegner sollten in diesem Fall Ihre Kontakt­daten inklusive Versicherungs­nummer austauschen“, sagt Gerrit Reichel vom ACV Automobil-Club Verkehr. „Hier sollte das Prinzip der gleichen Informationen gelten, dass also alle Beteiligten immer auf dem gleichen Wissens­stand sind.“ Dies trage auch dazu bei, Spannungen mit dem Unfall­gegner zu vermeiden. Der ACV weist aber darauf hin, dass bei Leasing- oder Miet­fahrzeugen eine polizeiliche Unfall­aufnahme oft verpflichtend sein kann.

Eigene Versicherung immer umgehend informieren

Unterschieden wird bei Unfällen grund­sätzlich zwischen einem Vollkasko- und einem Haftpflicht­schaden. „Bei einem Vollkasko­schaden tritt die eigene Versicherung ein, hier geht man also von einem selbst verschuldeten Unfall aus“, erklärt Gerrit Reichel. „Ein Haftpflicht­schadens­fall hingegen wird von der gegnerischen Versicherung reguliert.“ Zu Letzteren zählen häufig Auffahr­unfälle.

Stets sollte auch die eigene Versicherung informiert werden. „Ein Unfall­schaden sollte immer umgehend, spätestens aber innerhalb einer Woche der eigenen Versicherung gemeldet werden. Und zwar auch dann, wenn man meint, keine Schuld zu tragen“, rät Matthias Zunk vom Gesamt­verband der Deutschen Versicherungs­wirtschaft (GDV). Denn die eigene Versicherung helfe im Zweifels­fall, ungerechtfertigte Ansprüche des Unfall­gegners abzuwehren.

Oft herrscht Unsicherheit, welche Daten nach einem Unfall ausgetauscht werden müssen. „Wichtig sind neben den Personalien auch die Fahrzeug­kennzeichen und die Art der Unfall­beteiligung, also ob Zeuge oder tatsächlich Unfall­beteiligter“, sagt Rechtsanwalt Tobias Goldkamp. Auf die Herausgabe der Versicherungs­daten hingegen bestehe kein Anspruch. Da sich diese Daten jedoch leicht über den Zentralruf der Auto­versicherer heraus­finden ließen, sei es sinnlos, diese zu verheimlichen.

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Juristischer Beistand hilft bei Unstimmigkeiten

Hilfreich für die spätere Schadens­regulierung mit der Versicherung ist ein Unfall­protokoll, das auch den Unfall­hergang erfasst. „Wichtig ist, dass hier kein Schuldaner­kenntnis abgegeben wird“, so Matthias Zunk. Auch sollte der Unfallort aus verschiedenen Perspektiven fotografiert werden, rät der Experte. Der bei allen Versicherungen und Autoklubs erhältliche Europäische Unfall­bericht ist für das Protokoll ein guter Leitfaden.

Kommt es im Zuge der Abwicklung zu Unstimmig­keiten, sind Autofahrer gut beraten, wenn Sie sich juristische Hilfe holen, zumal die Kostenfrage klar geregelt ist. „Haftet der Unfall­gegner, muss er auch die Rechtsanwalts­kosten tragen“, erklärt Rechtsanwalt Tobias Goldkamp. In allen anderen Fällen können Autofahrer sich durch eine Verkehrs­rechtschutz­versicherung absichern. Wer Mitglied in einem Verkehrs­club ist, hat oft eine Rechts­beratung inklusive.

Wo der Wagen repariert wird, kann der Fahrzeug­eigentümer bestimmen. Allerdings darf eine Versicherung auf eine günstigere alternative Fach­werkstatt verweisen, wenn die für den Geschädigten zumutbar ist. Rechtsanwalt Tobias Goldkamp empfiehlt daher, im Zweifel vor der Reparatur den Kosten­voranschlag oder das Schadens­gutachten bei der Versicherung einzureichen. War der Geschädigte mit einem relativ neuen Fahrzeug bisher durchgängig in einer Werkstatt, „kann er auch auf diese Marken­werkstatt bestehen“, so der Anwalt.

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Bei höheren Schäden ist ein Gutachter gefragt

Je nach Schadens­höhe kann ein Gutachter ins Spiel kommen. Bei Schäden bis 750 Euro handelt es sich um Bagatell­schäden, hier genügt der Versicherung laut ADAC der Kosten­voranschlag einer Fach­werkstatt mit Fotos vom Unfall­fahrzeug. Bei höheren Schäden oder einem Total­schaden hingegen muss ein Gutachter eingeschaltet werden. Die Kosten trage die Kfz-Haftpflicht­versicherung des Unfall­gegners. Bei Kasko­schäden bestimmt die eigene Versicherung den Gutachter.

Weniger eindeutig sieht es beim Anspruch auf ein Ersatz­fahrzeug aus. Generell hat der Geschädigte laut Rechtsanwalt Goldkamp schon bei wenigen Stunden Reparatur Anspruch darauf. „Allerdings gibt es hier in der Praxis häufig Diskussionen mit den Versicherungen, weil diese einwenden, dass ein Mietwagen bei einem anderen Anbieter günstiger zu bekommen sei“, so der Jurist. Einfacher ist die Inanspruch­nahme der Nutzungs­ausfall­entschädigung. Der pauschale Betrag hängt von Art und Alter des beschädigten Autos ab.

Rückstufung vermeiden

Reguliert die Auto­versicherung einen Haftpflicht- oder Kasko­schaden, steigt im Folgejahr in der Regel der Beitrag, weil der Versicherte in der Schadens­freiheits­klasse zurück­gestuft wird. Es kann sich daher lohnen, einen kleineren Schaden selbst zu bezahlen. Das rechnet sich laut dem Verbraucher­portal Finanztip bei Haftpflicht­schäden bis etwa 1.500 Euro und bei Vollkasko­schäden bis 1.300 Euro.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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