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Reiserecht und Verbraucherrecht | 04.06.2020

Urlaub

Trotz Corona-Pandemie: Startsignal für den Sommer­urlaub am Mittelmeer

Reise­warnung wird für fast ganz Europa aufgehoben

Es ist das Startsignal für den Sommer­urlaub an Adria oder Algarve: Die weltweite Reise­warnung für Touristen wird zumindest zum Teil aufgehoben. Das Risiko für die Reisenden bleibt aber.

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Der Sommer­urlaub am Mittelmeer ist gerettet: Nach drei Monaten wird am 15. Juni die weltweite Reise­warnung wegen der Corona-Pandemie für den größten Teil Europas wieder aufgehoben. Das beschloss die Bundes­regierung in Berlin. Bei zwei Ländern kommt es aber zu einer Verzögerung: Für Norwegen und Spanien soll die Reise­warnung wegen noch bestehender Einreise­sperren zunächst aufrechterhalten werden. Außen­minister Heiko Maas hofft aber, dass zumindest der Reise­verkehr nach Spanien - das Urlaubsland Nummer eins der Deutschen - noch im Juni wieder anlaufen kann.

Deutsche Tourismuswirtschaft begrüßte die Entscheidung

Die deutsche Tourismus­wirtschaft begrüßte die Ent­scheidung der Bundes­regierung. „Damit gibt es jetzt wieder ein Stück Planungs­sicherheit, und der Motor für die Wieder­aufnahme des Reisens kann anlaufen, denn auch der Neustart braucht eine gewisse Vorbereitungs­zeit“, sagte der Präsident des Reise­verbandes DRV, Norbert Fiebig.

Maas hatte die Reise­warnung für Touristen am 17. März nach Ausbruch der Corona-Pandemie für alle rund 200 Länder der Welt ausgesprochen - ein beispiel­loser Schritt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde nur bei einer Gefahr für Leib und Leben etwa in Kriegs­gebieten vor Reisen gewarnt - und damit eine kostenlose Stornierung ermöglicht.

Schrittweise Aufhebung der Reisewarnungen

Für 31 europäische Länder soll die Reise­warnung nun wieder aufgehoben werden. Dazu zählen die 26 Partner­länder Deutschlands in der Europäischen Union, das gerade aus der EU aus­getretene Großb­ritannien und die vier Staaten des grenz­kontroll­freien Schengen­raums, die nicht Mitglied in der EU sind: Island, Norwegen, die Schweiz und Liechten­stein. Für 29 Länder erfolgt die Aufhebung am 15. Juni, für Spanien und Norwegen erst später.

Ersetzt wird die Reise­warnung durch sogenannte Reise­hinweise. Darin wird dann über die landes­spezifischen Risiken informiert. Das kann auch bedeuten, dass von touristischen Reisen abgeraten wird. Zum Beispiel bei Großb­ritannien soll das der Fall sein, solange dort noch eine 14-tägige Quarantäne­pflicht für alle Ein­reisenden besteht.

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„Reisehinweise sind keine Reiseeinladung“

Anhand der Reise­hinweise soll jeder Tourist selbst entscheiden, was er sich zumuten will. Kurz gesagt bedeutet das: Urlaub auf eigene Gefahr. Auch Maas machte klar, dass die Aufhebung der Reise­warnung kein Freifahrt­schein in den unbeschwerten Urlaub ist. „Reise­warnungen sind keine Reise­verbote und Reise­hinweise sind keine Reise­einladung“, betonte er. Bei der Bekämpfung der Pandemie in Europa seien aber große Fortschritte gemacht worden. „Dieser positiven Entwicklung tragen wir mit dieser Ent­scheidung Rechnung.“

Die Bundes­regierung macht in dem beschlossenen Eckpunkte­papier klar, dass die Reise­warnung für bestimmte Länder oder Regionen reaktiviert werden kann, wenn die Zahl der Neu­infektionen wieder drastisch steigt. Dabei will sie sich an der für Deutschland geltenden Obergrenze von 50 Neu­infektionen auf 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen orientieren.

Wird diese überschritten, behält sich die Bundes­regierung „Schutz­maßnahmen“ vor. „Dazu können bspw. länder- oder regions­spezifische Reise­warnungen gehören“, heißt es in dem Papier. Das gilt auch für den Fall, wenn einzelne Staaten die erforderlichen Maßnahmen zum Infektions­schutz im Tourismus­betrieb nicht ausreichend ergreifen. Grundlage werden dabei die von der EU-Kommission entworfenen Richtlinien sein.

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Keine zweite Rückholaktion

Die Rückhol­aktion für 240.000 deutsche Touristen nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie soll auf jeden Fall nicht wiederholt werden. „Eine Abholung deutscher Staats­angehöriger durch die Bundes­regierung während einer möglicher­weise im Ausland verhängten Quarantäne bleibt ausgeschlossen“, heißt es in dem Papier.

Italien öffnete bereits am Mittwoch seine Grenzen für Touristen aus den anderen 26 EU-Ländern sowie weiteren Staaten wie Großb­ritannien, Norwegen und der Schweiz. Eine Quarantäne von zwei Wochen wird von ihnen nicht mehr verlangt. Spanien will nach jetzigem Stand erst ab dem 1. Juli wieder Urlauber im großen Stil einreisen lassen. Maas äußerte aber die Hoffnung, dass das Land sich schon einige Tage früher um den 21. Juni öffnen könnte. Dann würde umgehend auch die Reise­warnung aufgehoben.

Übrig wäre dann nur noch Norwegen, das nach Letztem Stand das Einreise­verbot bis zum 20. August aufrechterhalten will. Am Freitag gab die Regierung in Oslo allerdings bekannt, dass Dänen ab dem 15. Juni einreisen können. Nun soll auch geprüft werden, ob man die Grenzen auch für Reisende aus „einzelnen anderen nahe liegenden europäischen Ländern“ früher öffnen kann.

Sommerurlaub in der Türkei - noch offen

Noch nicht entschieden hat die Bundes­regierung, wie sie mit den Ländern außerhalb der EU umgehen will. Die Bundes­regierung will zunächst eine für diese Woche erwartete Ent­scheidung der EU-Kommission darüber abwarten, ob die Einreise­sperre für die sogenannten Drit­tstaaten aufgehoben wird. Vor allem die Türkei, eines der belieb­testen Urlaubs­länder der Deutschen, hofft auf Touristen aus Deutschland.

Ein Sprecher der EU-Behörde sagte, über die nächsten Schritte liefen „sehr intensive“ Gespräche mit den EU-Staaten. Auch die EU-Innen­minister bei einer Video­konferenz darüber beraten. Die EU-Kommission kann eine Ver­längerung der Einreise­beschränkungen vorschlagen, darüber entscheiden müssen jedoch die einzelnen EU-Länder.

Reiseveranstalter freuen sich über wachsende Planungssicherheit

Der Reise­konzern Tui will in der zweiten Junihälfte wieder Richtung Süden starten. Nach dreimonatiger Pause stehen am 17. Juni die ersten Flüge nach Faro von Düsseldorf und Frankfurt im Flugplan, auch Mallorca könnte bald wieder angeflogen werden. Mit einem Sonder­flugplan ab Juli sollen wieder die belieb­testen Sonnenziele in Spanien, Griechen­land, Portugal und Zypern regelmäßig angesteuert werden. Sobald Urlaubs­reisen in die Türkei, nach Nordafrika und auf die Kap­verdischen Inseln möglich sind, werde Tui diese Zielgebiete ebenfalls wieder anbieten.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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