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Ordnungswidrigkeitenrecht und Verkehrsrecht | 17.03.2020

Bahn­übergang

Unfälle vermeiden: So verhalten sich Autofahrer richtig an einem Bahn­übergang

Mit mehr Vorsicht lassen sich Unfälle an Bahn­übergänge vermeiden

An Bahn­übergängen kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Das liegt oft am Leichtsinn, aber auch an der Art der Schranken. Denn an bestimmten Über­gängen ist das Risiko besonders hoch.

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Mehr als 16 000 Bahn­übergänge gibt es in Deutschland. Nur rund sechs von zehn sind aber technisch durch Schranken beziehungs­weise Licht­zeichen gesichert - andere dagegen werden nur durch ein Andreas­kreuz gekennzeichnet. Die Bahn versucht, die Zahl der Querungen zu senken. Denn kommt es zu Zusammen­stößen, haben die oft schlimme Folgen.

Problem sind vor allem Übergänge mit Halbschranken oder Kreuzungen

Das seien meist sehr schwere Unfälle, sagt Siegfried Brockmann von der Unfall­forschung der Versicherer (UDV). Das Problem sind demnach vor allem Übergänge mit Halb­schranken oder Kreuzungen, die durch ein Andreas­kreuz abgesichert sind. „Diese Bahn­übergänge sind offen und in der Regel liegt es dann immer an der mangelnden Disziplin der Autofahrer, die noch mal eben schnell drüber­huschen wollen und dabei Rotlicht und Schranke ignorieren“, so der Unfall­forscher.

Laut der Deutschen Bahn gab es 2018 an Bahn­übergängen 146 Unfälle - rund drei Viertel weniger als 1995, als es noch gut 600 Mal krachte. 87 Unfälle und damit rund 60 Prozent passierten 2018 an technisch gesicherten Bahn­übergängen.

Leichtsinn und Unwissenheit

Unter­suchungen der Bahn sehen neben Leichtsinn auch Unwissenheit als einen Unfallgrund: „Vielen Verkehrs­teilnehmern ist beispiels­weise die Bedeutung des Andreas­kreuzes und der Sicherungs­anlagen gar nicht richtig bekannt“, sagt eine Bahn­sprecherin.

In einer Umfrage 2017 sei beispiels­weise ein Viertel der Befragten der Meinung gewesen, dass das rote Blinken an Bahn­übergängen dem Gelb einer Straßen­ampel entspreche und man daher nicht anhalten müsse.

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Klare Regeln am Bahnübergang

Die Verkehrs­regeln an Bahn­übergängen sind eindeutig und gelten für Auto-, Motorrad-, Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen: Allgemein habe der Eisenbahn­verkehr hier Vorrang vor dem Straßen­verkehr, sagt Sören Heinze vom Auto Club Europa (ACE).

Innerorts herrscht fünf Meter vor und hinter einem Andreas­kreuz Parkverbot, außerorts sind es 50 Meter. Ein Bahn­übergang dürfe nur zügig und ohne anzuhalten befahren oder begangen werden, sagt Tobias Goldkamp, Fachanwalt für Verkehrs­recht aus Neuss.

„Stockt der Verkehr, muss man vor dem Andreas­kreuz warten.“ Dies gelte auch an Fuß-, Feld-, Wald- oder Radwegen, die über ein Gleis führen. Ein Lokführer müsse sich darauf verlassen können, dass er den Vorrang hat und andere Verkehrs­teilnehmer warten, so der Anwalt.

Empfindliches Bußgeld für Drüberhuscher

Wer die Regeln an Bahn­übergängen missachtet, riskiert neben seiner Gesundheit auch eine Geldstrafe. „Es droht mindestens ein Bußgeld in Höhe von 70 Euro, bei einer Gefährdung kann es noch höher ausfallen“, so Heinze. Wer nicht an der Schranke wartet und beim drüber­huschen erwischt wird, muss mindestens 240 Euro bezahlen und mit zwei Punkten in Flensburg sowie einem ein­monatigen Fahrverbot rechnen.

Bahn­übergänge könnten sicherer sein, wenn mehr sie vermehrt mit Voll­schranken abgesichert wären. „Das allerdings ist nicht nur eine deutlich teurere Alternative, sie wird leider auch von vielen Kommunen abgelehnt“, sagt Brockmann. Denn Voll­schranken hätten aus Sicherheits­gründen auch immer längere Schließz­eiten zur Folge, so der Unfall­forscher. Je länger Schranken geschlossen bleiben, desto mehr staut sich der Verkehr, was in keinem Ort gerne gesehen wird.

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Hinderliche Schutzbarrieren für Radler

Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) stuft viele Querungen als zu unsicher ein. 10 bis 15 Todesfälle von Rad­fahrenden an Bahn­übergängen würden pro Jahr registriert. „Nicht alle, aber einige dieser Unfälle könnten durch bessere Infra­struktur und Signalisierung verhindert werden. Es gibt immer noch Bahn­übergänge ohne Schranken oder rotes Blinklicht, da wäre jede zusätzliche Maßnahme eine Ver­besserung“, sagt Stephanie Krone vom ADFC.

Nach wie vor gäbe es zudem hinderliche Sicherheits­vorkehrungen wie Umlauf­gitter, die nicht immer ihren Zweck erfüllen, da zum Beispiel Radfahrende mit Anhängern durch die Barrieren nicht durchkommen.

Bestenfalls keine Übergänge mehr

Im besten Fall gar keine Bahn­übergänge wünscht sich die Allianz pro Schiene. Diese Kreuzungen würden den Schienen­verkehr einbremsen und seien nach wie vor risiko­reiche Querungen. Ein ICE etwa darf an einem Bahn­übergang maximal 160 km/h schnell sein. „Wir brauchen daher mehr Brücken und Unter­führungen an den Stellen, an denen sich Straße und Schiene kreuzen“, meint Pro-Schiene-Geschäfts­führer Dirk Flege.

Noch aber gibt es Tausende Übergänge, an denen jeden Tag unzählige Fahrzeuge anhalten müssen. Beim Warten am Bahn­übergang sollten Auto- und Motorrad­fahrer den Motor abstellen. Das ist nicht nur gut für die Umwelt und den Sprit­verbrauch, sondern auch, um Durchsagen zu hören.

Grund­sätzlich gilt: „Sobald sich eine Schranke schließt oder bereits unten ist, müssen alle Verkehrs­teilnehmer davor warten“, sagt Heinze. Bei rotem oder gelben Licht oder einem Blinklicht gelte ebenfalls die Warte­pflicht. Wer dann noch das Gleis kreuzt, riskiert sein Leben.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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