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Reiserecht, Schadensersatzrecht und Verbraucherrecht | 21.07.2021

Urlaub

Unterkunft im Flutgebiet gebucht: Bekomme ich Geld zurück?

Pauschal­reiserecht gilt nicht für Individual­reisen

Die Hochwasser-Katastrophe hat großes Leid und immense Schäden verursacht - und viele nachgelagerte Fragen. Eine davon: Kann ich meinen Urlaub in einer betroffenen Region jetzt absagen?

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Viele Urlauber haben sich in diesem Jahr für einen Urlaub im eigenen Land entschieden. Doch nun wurden Teile Deutschlands von einer Hochwasser-Katastrophe heimgesucht, die schwere Ver­wüstungen angerichtet hat. Wer eine Unterkunft in einer betroffenen Region gebucht hat, fragt sich nun womöglich: Bekomme ich mein Geld erstattet, wenn ich doch nicht anreisen möchte?

Pauschalreiserecht gilt nicht für Individualreisen

Anders als Badeurlaub am Mittelmeer wird Urlaub in Deutschland in der Regel individuell gebucht, nicht als Pauschal­reise. Das heißt, in diesem Fall gelten nicht die Vorzüge des Pauschal­reiserechts.

Die wichtigste Frage ist, ob und in welchem Umfang eine Unterkunft überhaupt nutzbar ist und Reisenden zur Verfügung steht.

„Als Individual­reisender können Sie Miet­minderung geltend machen, wenn die Mietsache mangelhaft ist oder eine zugesicherte Eigenschaft nicht vorhanden ist“, erklärt Karolina Wojtal vom Europäischen Verbraucher­zentrum (EVZ). Das ist eine Einzelfall­abwägung.

Bei einem erheblichen Mangel ist eine außer­ordentliche Kündigung möglich: „Der Mangel muss dabei so gewichtig sein, dass Hotel oder Ferien­wohnung nicht oder nur in geringem Umfang nutzbar ist“, erläutert Wojtal - zum Beispiel durch gravierende Flutschaden.

Kein Recht auf kostenlose Stornierung

Wenn die Unterkunft geöffnet ist und Gäste empfängt, gilt: „Der Vermieter einer Ferien­wohnung oder der Hotelier schulden mir allein die Zurverfügungstellung der Unterkunft“, erklärt Julia Gerhards von der Verbraucher­zentrale Rheinland-Pfalz.

Nicht verantwortlich ist er dagegen dafür, dass die Unterkunft erreichbar ist und die Freizeit­angebote in der Region geöffnet sind. „Das ist das Risiko, das der Individual­reisende trägt.“

Reiserechts­experte Jan Philipp Stupnanek von der Verbraucher­zentrale Nordrhein-Westfalen sagt: „Bei einzeln gebuchten Unter­künften besteht ein Recht auf kostenfreie Stornierung nur, wenn es vertraglich vereinbart wurde.“ Andernfalls habe der Anbieter einen Anspruch auf die vereinbarte Vergütung abzüglich ersparter Aufwendungen. Bei Unter­künften in Deutschland würden je nach Verpflegung 60 bis 90 Prozent des vereinbarten Preises fällig.

Bei individuell gebuchten Unter­künften im Ausland gilt das Recht des Landes, in dem das Hotel oder das Ferienhaus liegt.

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Anbieter um Kulanz bitten

„Ist die Ferien­unterkunft zugänglich und ohne Gefahr für Leib oder Leben nutzbar, ist man auf die Kulanz des Anbieters oder günstige AGB angewiesen“, betont Wojtal. Das heißt, entweder hat man ohnehin mit kurz­fristiger Storno-Möglichkeit gebucht. Oder der Anbieter der Unterkunft stimmt zum Beispiel der Verschiebung des Urlaubs zu.

Ein kostenloses Stornierungs­recht ergibt sich auch nicht, wenn wegen der Flut­schäden Ausflugs­ziele in der Region nicht erreichbar sind.

Eine Ausnahme: „Das bequeme Erreichen des Ausflugs­ziels wurde explizit mit beworben“, so Wojtal. „Hier muss man sich aber jeden Einzelfall genau ansehen.“ Denn es kann auch sein, dass das Hotel lediglich über solche Ziele in der Gegend informiert hat.

Was gilt, wenn die Unterkunft nur schwer erreichbar ist?

„Bei Einzelreise­leistungen vertreten wir die Ansicht, dass die Wegegefahr den Verbraucher trifft“, erklärt Wojtal. „Es muss aber natürlich auch zumutbar sein, sich dorthin zu begeben und dort aufzuhalten.“ Herrscht also Lebens­gefahr auf dem Weg zur Unterkunft, so kann der Aufenthalt durchaus unzumutbar sein. „Hier sind in der Praxis aber wirklich nur Extrem­fälle denkbar.“

Schiffsreisen sind besser abgesichert

Bei einer Flusskreuz­fahrt handelt es sich in aller Regel um eine Pauschal­reise. Fällt diese wegen der Flut aus, muss der Veranstalter das angezahlte Geld binnen 14 Tagen vollständig zurück­zahlen.

Wird die Route geändert, weil zum Beispiel bestimmte Häfen nicht angelaufen werden können, so kann ein Reisemangel vorliegen. Sofern die Änderung erheblich ist. „Hier habe ich dann je nach Einzelfall einen Anspruch auf die anteilige Erstattung des Tages­preises, an dem die gebuchte Leistung nicht erbracht wurde“, erklärt Wojtal.

Ein Anspruch auf Schaden­ersatz wegen entgangener Urlaubs­freuden besteht aber nicht. Der wäre nur denkbar, wenn der Mangel nicht durch „unvermeid­bare, außergewöhnliche Umstände“ verursacht wurde, wie Wojtal ausführt. Eine Über­schwemmung ist genau ein solcher Umstand.

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Quelle: dpa/DAWR/ab
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