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Verbraucherrecht und Versicherungsrecht | 21.01.2019

Schadens­regulierung

Unwetter­schäden: Was tun, wenn die Versicherung nicht zahlt?

Verbraucher können sich mit Hilfe von Sachverständigen und Wetterdaten wehren

Für Haus­eigentümer ist es eine Horror­vorstellung: Es gießt wie aus Kübeln, der Keller wird zum Bachbett, und die Versicherung will den Schaden nicht regulieren.

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Es stürmt, es schneit, es regnet. Dachziegel fliegen weg, Bäume kippen um, Keller laufen voll. Für solche Schäden schließen Haus­besitzer meistens eine Versicherung ab. Doch was tun, wenn die sich verweigert?

Gründe für Ablehnung der Schadensregulierung

Den ersten Schritt tun Eigentümer selbst, indem sie „überlegen, warum der Schutz versagt wird“, sagt Gerold Happ vom Eigentümer­verband Haus & Grund Deutschland. Typische Gründe sind Gerold Happ vom Eigentümer­verband Haus & Grund Deutschland zufolge, dass entweder kein Schutz besteht, weil die Police das Ereignis nicht abdeckt, oder der Eigentümer seine Verkehrs­sicherungs­pflicht vernachlässigt hat. Auch dann ist die Versicherung oft raus.

Ein solcher Fall wäre der bei Sturm aufs Dach krachende morsche Baum, von dem der Haus­besitzer länger wusste, ohne etwas zu unternehmen. „Die Versicherung kann die Zahlung ganz oder teilweise verweigern“, erläutert Gerold Happ.

Gebäude auf Schwachstellen überprüfen

Er empfiehlt, das Gebäude vorsorglich regelmäßig zu begehen. So könnten Schwach­stellen entdeckt und ausgebessert werden, bevor Schlimmeres passiert. Versicherungs­verträge halten manchmal Eigen­heim­besitzer zu solcher Prävention an. Ein Blick in die Unterlagen kann also Ärger vorbeugen.

Versicherungsvertrag überprüfen

Oft wird über die Höhe des Schadens gestritten. Auch hier gibt ein Blick in den Versicherungs­vertrag Hinweise, warum es weniger Geld geben soll als erwartet: „Für den Zeitwert gibt es weniger als für den Neuwert“, sagt Gerold Happ.

Der Versicherungs­vertrag gibt zudem Hinweise auf das Verhalten im Schadens­fall. „Der Verbraucher muss dafür sorgen, dass der Schaden sich nicht vergrößert“, benennt Elke Weidenbach von der Verbraucher­zentrale Nordrhein-Westfalen einen zentralen Punkt. Das heißt ganz praktisch: Regnet es durch, einen Eimer unter das lecke Dach stellen, damit kein Wasser in die darunter liegende Wohnung sickert. Versicherte dürfen auch „Notarbeiten“ machen oder beauftragen. Die Kosten dafür übernimmt meist später die Versicherung.

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Schäden schnellstmöglich melden

Ihr sind Schäden außerdem möglichst schnell zu melden. Und zwar, bevor Handwerker beauftragt werden. Denn die Gesellschaften wollen Schäden meist vorher angucken. Es spricht jedoch nichts dagegen, wenn „Versicherte mit dem Handwerker ihres Vertrauens den Schaden in Fotos dokumentieren und einen Kosten­voranschlag machen lassen. Dann weiß man, wohin die Reise geht“, sagt der auf Versicherungs­recht­spezialisierte Anwalt Jens Dötsch aus Andernach.

Alternativ kann ein Sachverständiger herangeholt werden. Dessen Honorar muss der Haus­besitzer zahlen. Die Ausgabe für den Handwerker ist eventuell mit dem Auftrag verrechenbar.

Vor allem bei Wasser- und Brand­schäden arbeiten Versicherungen mit Vertrags­firmen zusammen. Sie beheben nach der Dötschs Erfahrung die Probleme zu günstigeren Konditionen als andere. Aber: „Niemand kann verpflichtet werden, die Vertrags­firmen zu nehmen.“ Wer eigene Handwerker nehme, müsse aber auf den Kosten­rahmen der Versicherung achten. Wird es teurer, besteht die Gefahr, dass Versicherte auf dem Restbetrag sitzen­bleiben.

Fiktive Abrechnung zur gütlichen Einigung

Eine Option, sich mit der Versicherung gütlich zu einigen, ist die sogenannte fiktive Abrechnung. Der Geschädigte erhält zügig den veranschlagten Netto-Reparatur­betrag. Der Rest soll nach Vorlage der Rechnung fließen. Eigentlich. Er „habe noch nicht erlebt, dass in der Praxis die Rechnung nach­gefordert wurde“, sagt Rechtsanwalt Jens Dötsch. Der Eigen­heim­besitzer kann mit der ausbezahlten Summe, eine Art Abschlags­zahlung, den Schaden auch selbst beheben. Netto statt brutto kann günstiger sein, als lange um die Gesamtsumme zu prozessieren.

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Letzter Ausweg Amtsgericht

Kommen beide Seiten partout nicht zusammen, können Eigentümer ein selbstständiges Beweis­verfahren einleiten. Dazu bitten sie das Amtsgericht um die Bestellung eines Sachverständigen. Er sieht sich die Sache an und ermittelt die Schadens­höhe. Die Information bekommt dann die Versicherung. „Da hat man richtig was in der Hand. In 99 Prozent der Fälle akzeptieren die Versicherungen das Ergebnis des gerichtlich bestellten Sachverständigen“, berichtet Rechtsanwalt Jens Dötsch.

Das Verfahren sei meist innerhalb weniger Monate abgeschlossen und damit wesentlich schneller als ein Prozess. Außerdem erfüllen Versicherte ihre Pflicht, den Schaden gering zu halten: Das Verfahren ist billiger als ein Prozess. Die Gerichts­kosten hängen vom Streitwert ab. Bei 2.000 Euro betragen sie 267 Euro, hinzu kommt das Gutachter­honorar.

Wetterdienst kann bei der Beweisführung helfen

Nicht von den Rechts­experten sondern von den Wetter­leuten bekommen Haus­besitzer Hilfe, die über Sturm, Hagel und Starkregen mit der Versicherung über Kreuz liegen. Üblicherweise greift der Schutz ab Windstärke acht. Verweigert die Versicherung die Regulierung mit dem Argument, es habe kein Sturm geherrscht, hilft ein Blick in die offiziellen Daten: „Beim Wetter­dienst sind Informationen zu Wind­geschwindigkeiten, Zeiten und Regionen abrufbar“, erläutert Elke Weidenbach von der Verbraucher­zentrale Nordrhein-Westfalen. Das hilft bei der Beweis­führung.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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