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Reiserecht und Verbraucherrecht | 22.07.2021

Haustausch

Urlaub mal anders: Was einen Haustausch so besonders macht

Beim Haustausch findet der Urlaub in den vier Wänden einer anderen Familie statt - im Gegenzug wird das eigene Heim zur Verfügung gestellt

Tausche Alpenidylle gegen Großstadt-Getümmel: Haustausch ermöglicht günstigen, individuellen Urlaub - setzt jedoch gute Planung voraus.

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Schon vor der Pandemie haben sich einige Familien mit Blick auf die Urlaubs­kasse gefragt: Zuhause bleiben oder verreisen? Ein Haustausch ermöglicht quasi beides. Zugegeben, man bleibt dabei nicht in den eigenen vier Wänden. Sondern tauscht das eigene Heim für eine gewisse Zeit gegen ein fremdes. Wie funktioniert so etwas genau? Was gibt es dabei zu beachten? Und wie lassen sich unangenehme Überraschungen vermeiden?

Haustausch zu Urlaubszwecken

Die Strohmeiers wissen es. Sie haben schon 13 Mal ihr Haus getauscht. Nicht wegen Umzügen, sondern zu Urlaubs­zwecken. Die vierköpfige Familie reiste unter anderem nach Paris, London und Island.

„Manche Urlaube wären ohne Haustausch finanziell nicht möglich gewesen“, sagt Birgit Strohmeier. Die 45-jährige Journalistin und PR-Fachfrau aus Österreich betreibt den Familien­blog Muttis Näh­kästchen. Dort schreibt sie auch über ihre anfänglichen Bedenken, fremden Menschen ihr Haus zu überlassen - und wie sie diese überwunden hat.

Wie der Tauschrausch begann

Bevor sie Mutter wurde, war Birgit Strohmeier viel unterwegs. Doch mit den Kindern sei der Bewegungs­radius gesunken, sagt sie. So entstand zunächst die Idee, sich zumindest „die Welt ins Wohnzimmer“ zu holen - indem man Reisende bei sich über­nachten lässt.

Über die Plattform Couch­surfing fanden die Strohmeiers ihre erste Tausch­familie. Innerhalb weniger Wochen war der Plan besiegelt: Die Strohmeiers würden ihr Haus im idyllischen Salzburger Land für zwei Wochen gegen das Haus einer Familie aus Frankreich tauschen.

„Es war keine typische Touristen­destination“, sagt Birgit Strohmeier. Doch die befürchtete Langeweile kam in der kleinen französischen Stadt Dole nicht auf. „Es war überraschend abwechslungs­reich.“ Bei der Wahl des Reiseziels müsse man zwar etwas flexibler sein, gerade Häuser direkt am Meer seien rar gesät. Doch dafür erlebe man einen sehr authentischen und individuellen Urlaub.

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Auf Nummer sicher gehen

Mittlerweile gibt es zahlreiche Plattformen, über die sich geeignete Tausch­partner finden lassen. Christian A. Rumpke, Geschäfts­führer der Verbraucher­zentrale Brandenburg, empfiehlt Anbieter, bei denen die Identität der Nutzer verifiziert wird. Einige Plattformen erheben einen Mitglieds­beitrag, andere bieten spezielle Absicherungen.

Die Plattform, mit der Strohmeier tauscht, erhebt 100 Euro als Mitglieds­beitrag pro Jahr. „Diese Gebühr verhindert Fake- und reine Schnupper-Profile“, erläutert die PR-Expertin.

Um sicherzugehen, dass der Tausch­partner vertrauens­würdig ist, sollte man dessen Telefon­nummer, E-Mail-Adresse und Social-Media-Accounts überprüfen. „Indem Sie beispiels­weise die Tausch­vereinbarung ganz analog per Post austauschen, verifizieren Sie nebenbei die Adresse“, sagt Rumpke, der selbst Haus­tauscher ist. Auch Bewertungen und Gästebuch­einträge können Aufschluss über Personen geben.

Mut zur Offenheit

„Natürlich ist da eine Portion Vertrauen notwendig“, sagt Strohmeier. Schließlich überlasse man völlig fremden Menschen die eigene Wohnung. „Am Anfang fand ich vor allem die Vorstellung komisch, dass jemand anderes in meinem Bett schläft.“ Abhilfe hat ein Matratzen­schoner geleistet, der nur für Gäste aufgezogen wird.

„Ansonsten gehe ich davon aus, dass die anderen Personen ähnlich ticken wie ich. Ich respektiere schließlich auch das fremde Eigentum“, sagt Strohmeier. Wer sich damit sicherer fühlt, könne private Dokumente und Ähnliches wegsperren, bevor die Gäste kommen.

Nach Ansicht der Bloggerin eignet sich der Haustausch für alle Menschen mit Neugier. Man finde nicht nur die verschiedensten Wohnungen, sondern neben Familien auch Studierende oder ältere Ehepaare. „Besonders für Familien ist diese Art von Urlaub aber einfach unschlagbar günstig“, sagt Strohmeier. Noch dazu sei man nicht in touristischen Hotspots, sondern erlebe Orte authentisch mit ein­heimischen Nachbarn und Insider­tipps der Tausch­familie.

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Ein bisschen Bürokratie gehört dazu

Damit der Tausch möglichst reibungslos läuft, gibt es einige Dinge zu beachten. Zunächst sollte man einen Tausch­vertrag aufsetzen, der wesentliche Punkte enthält, die Christian A. Rumpke aufzählt: Tauschdauer, Schlüssel­übergabe, die Kosten für Strom, Wasser und Heizung, die normalerweise jeder Tausch­partner für die eigene Wohnung trägt, eine Kontakt­person und Notfall­nummern. Die meisten Plattformen bieten Muster­formulare an, mit denen man nichts Wichtiges vergisst.

Geklärt werden muss auch, was überhaupt alles getauscht werden soll: Nur das Haus oder auch das Auto? Gibt es vielleicht ein Haustier, das betreut werden muss? Wichtig ist außerdem der Versicherungs­schutz: Eine private Haft­pflicht­versicherung komme für Schäden bei Dritten auf, sagt Claudia Frenz vom Bund der Versicherten. Mit einer Hausrats­versicherung könne man sein Inventar zusätzlich gegen Beschädigungen durch Feuer, Vandalismus und Raub absichern.

Es gibt mittlerweile einige Versicherer, die Versicherungs­schutz für den Haustausch anbieten. „Wie immer sollte man sich das Klein­gedruckte genau anschauen, um zu wissen, was abgedeckt und was ausgeschlossen ist“, rät Frenz.

Wer das Auto tauscht, sollte prüfen, ob ein Verleihen laut Kfz-Versicherungs­vertrag zulässig ist. Rumpke empfiehlt, möglichst eine Voll­kasko­versicherung für das Auto abzuschließen. Er betont: „Haustausch ist keine Pauschal­reise und nichts für Juristen. Es kann viel Spaß machen, ist allerdings nicht ganz ohne Risiken.“

Wenn das Elektrogerät eine andere Sprache spricht

Neben den formalen und rechtlichen Hürden gibt es noch andere Heraus­forderungen. „Als wir zum Beispiel nach Finnland gereist sind, standen bei der Wasch­maschine alle Befehle ausschließlich auf Finnisch geschrieben“, erzählt Strohmeier. „Das hat uns erst einmal überfordert.“ Die erfahrene Haus­tauscherin empfiehlt daher, Haushalts­geräte entsprechend zu beschriften.

Außerdem mache eine Art Bedienungs­anleitung für das Haus Sinn, sagt Strohmeier. Darin könne man Dinge wie die Müllt­rennung erklären, aber auch auf Besonderheiten hinweisen - zum Beispiel, wenn die Heizung oder Warmwasser anders als üblich funktionieren.

Im Gegensatz zu einem konventionellen Urlaub hat man vor der Abreise im eigenen Haus daher noch einiges zu erledigen. „Ich habe den Anspruch an mich, das Haus in einem sauberen und ordentlichen Zustand zu übergeben“, sagt die Bloggerin. Dementsprechend sei der Haustausch ein guter Anlass, das Haus „ordentlich zu schrubben“.

Damit die Gastfamilie in Ruhe ankommen kann und nicht sofort einkaufen muss, bereitet Strohmeier stets ein Willkommens­paket vor. Meist mit landes­typischen, regionalen Spezialitäten.

Dieses Jahr geht es für die Strohmeiers nach Thüringen. Eine Destination, die gut mit dem Auto erreichbar ist. „Viele waren aufgrund von Corona abwartend“, sagt Strohmeier. Die Vorfreude ist bereits groß. Und es gibt noch einen Vorteil: „Da werden wir immerhin keine Verständigungs­schwierigkeiten mit der Wasch­maschine haben.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
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