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Arbeitsrecht und Vertragsrecht | 05.09.2019

Vermögens­wirksame Leistungen

Vermögens­wirksame Leistungen trotz Elterngeld: Auf die Konditionen kommt es an

Es kommt auf den Tarif- oder Arbeits­vertrag oder die Betriebs­vereinbarung an

Vermögens­wirksame Leistungen können Arbeit­nehmer über ihren Chef abschließen. Er hilft, Ersparnisse aufzubauen. Doch wer Elterngeld bekommen möchte, sollte die Konditionen genauer studieren.

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Ganz nebenbei mehrere tausend Euro ansparen? Das ist mit vermögens­wirksamen Leistungen (VL) möglich. Davon können alle profitieren, die sich in einem Angestellten­verhältnis befinden. Der Arbeitgeber hilft, Geld anzusparen, indem er jeden Monat einen kleinen Betrag einzahlt - in der Regel zwischen 6 und 40 Euro. „Wieviel einem Berufstätigen genau zusteht, regelt der Tarif- oder Arbeits­vertrag“, erklärt Karin Baur von der Zeitschrift „Finanztest“.

Bei Familienplanung Konditionen beachten

Wer einen VL-Vertrag abschließen will und vorhat, in den kommenden Jahren eine Familie zu gründen, sollte sich aber die Konditionen genauer anschauen. „Ob Sie während des Mutter­schutzes Anspruch auf Vermögens­wirksame Leistungen des Arbeit­gebers haben, hängt vom Inhalt Ihrer jeweiligen Vereinbarung ab“, informiert das Bundes­familien­ministerium. Es kommt also auf den Tarif- oder Arbeits­vertrag oder die Betriebs­vereinbarung an.

Das Ganze funktioniert so: Arbeit­nehmer haben bei der Anlageart meist freie Wahl. Nach einer Sparphase von sechs Jahren ruht der VL-Vertrag bis zum Ende des Jahres - erst dann kann man auf das Geld zugreifen. Ein Test der Stiftung Warentest zeigt (02/2019): Wer den VL-Vertrag mit einem Bank­sparplan koppelt, kann beim besten Angebot dank Schluss­bonus eine Rendite von bis zu 2,38 Prozent bekommen. Bei Aktienfonds­sparplänen sind die Rendite­chancen sogar noch höher.

Freiwillige Zahlung des Arbeitgebers kann Zulage sichern

Die zusätzliche Arbeit­nehmer­spar­zulage des Staates gibt es nur auf Zahlungen, die der Arbeitgeber vornimmt. „Man kann versuchen, mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren, dass er während des Mutter­schutzes einen Teil des Mutter­schutz­geldes in den VL-Vertrag einzahlt. Dies ist aber eine freiwillige Leistung des Arbeit­gebers“, erklärt Thomas Hentschel von der Verbraucher­zentrale NRW. Der Vorteil: So lassen sich mögliche Arbeit­nehmer­sparzulagen sowie vereinbarte Boni sichern.

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Elternzeit kann Sparen einschränken

Wenn Sparer Elterngeld beziehen, ist die Sache häufig komplizierter. Grund­sätzlich hat die Elternzeit zwar keinen Einfluss auf die Laufzeit des Vertrages. Aber: „Ob man den VL-Vertrag während der Elternzeit weiter besparen kann, ist vom Anbieter und den genauen Konditionen abhängig“, erklärt Karin Baur.

Bei manchen Anbietern können Sparer während der Elternzeit selbst Beträge weiter einzahlen. Zum Teil ist dies nur zeitlich begrenzt möglich, wie eine Anfrage der Stiftung Warentest bei mehreren Anbietern gezeigt hat. „Bei einem Anbieter war dies beispiels­weise nur maximal bis zu drei Monate erlaubt“, erzählt Karin Baur. Für einen solchen Fall rät Thomas Hentschel: „Man sollte darauf achten, dass man den Betrag frist­gerecht überweist, um mögliche Boni und Zulagen nicht zu gefährden.“

Vertrag laufen lassen statt kündigen

Bei anderen Anbietern bleibt der Vertrag bis zum Ende der Laufzeit beitragsfrei. „Er kann also nicht weiter bespart werden“, sagt Karin Baur. Auch wenn Sparer keine weiteren Beiträge einzahlen dürfen, sollten sie den Vertrag nicht auflösen. „Meist ist es geschickter, den Vertrag bis zum Ende der Laufzeit weiter­laufen zu lassen“, erklärt Karin Baur. Denn nur wenn Sparer bis zum Schluss durchhalten, können sie die staatliche Arbeit­nehmer­spar­zulage auf die eingezahlte Beiträge des Arbeit­gebers erhalten.

Ein weiteres Argument: „Wer den Vertrag behält, behält die Chance auf vereinbarte Boni sowie bei Aktienfonds­sparplänen auf langfristig steigende Kurse“, erläutert Karin Baur. Dies kann bedeuten, dass der vereinbarte Bonus nur für die bereits eingezahlten Beiträge gilt, also geringer ausfällt. Auf eine andere Folge weist Thomas Hentschel hin: „Meist sinken auch die Rendite­chancen. Ob man 1.000 Euro einzahlt und dafür einen Prozent bekommt oder 2.000 Euro, macht einen Unterschied“.

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Neuer Vertrag bedeutet oft auch neue Konditionen

Ist der Vertrag beitragsfrei gestellt, müssen Sparer in der Regel einen neuen VL-Vertrag abschließen, wenn sie nach der Elternzeit wieder Beiträge einzahlen wollen. „Das Problem bei einem neuen Vertrag: Man weiß nicht, ob man unter Umständen andere, schlechtere Zins­konditionen bekommt“, erklärt Thomas Hentschel. „Zudem wird das Geld bei einem neu abgeschlossenen Vertrag ja auch erst später fällig. Das ist ärgerlich, wenn man mit dem Geld etwas Bestimmtes machen wollte.“

Der Verbraucher­schützer empfiehlt deshalb, den Anbieter darauf anzusprechen, wie die Elternzeit geregelt ist. Außerdem sollte man sich vor dem Vertrags­abschluss über die eigenen Ziele und Risiko­bereitschaft klar zu werden. „Aktienfonds sind eher für chancen­orientierte Anleger, Bank­sparpläne für Sparer, die das Risiko scheuen“, sagt Thomas Hentschel.

Vermögenswirksame Leistungen - diese Optionen gibt es

Grund­sätzlich können Arbeit­nehmer selbst entscheiden, welchen VL-Vertrag sie abschließen. Bei den Anlagearten können sie beispiels­weise wählen zwischen: Aktienfonds-, Bank-Sparplänen, Bauspar­verträgen oder Lebens- und Renten­versicherungen. Zudem gibt es die Option, einen Baukredit zu tilgen.

Für manche VL-Verträge bekommen Berechtigte eine Arbeit­nehmer­spar­zulage. Diese staatliche Förderung ist an Einkommens­grenzen gekoppelt. Bei Bauspar­verträgen gibt es zusätzlich die Option auf eine Wohnungs­bauprämie.

ETF-Sparpläne bieten die besten Renditechancen

Nach Einschätzung der Stiftung Warentest bieten Aktienfonds­sparpläne die besten Rendite­chancen - genauer ETFs, also börsen­gehandelte Fonds auf einen weltweiten oder europäischen Index, wie den MSCI World oder etwa MSCI Europe. „ETF-Sparpläne eignen sich gerade für junge Menschen und alle, die den Vertrag länger liegen lassen können. Allerdings müssen Anleger dann mit dem Risiko von Kurs­schwankungen zurechtkommen“, erklärt Karin Baur.

Wer will, kann auch nach Ende der Laufzeit weiter in den Vertrag einzahlen. „Es beginnt dann eine neue Sieben-Jahresfrist. Auf den bereits frei gewordenen Teil des Geldes können Sparer dann trotzdem zugreifen“, sagt die „Finanztest“-Redakteurin.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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