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Erbrecht und Steuerrecht | 26.03.2019

Schenkungen

Verschenken statt vererben: Was außer den Steuer­vorteilen noch zählt

Die eigene Rechte sichern und Streit unter späteren Erben vermeiden

Eine Schenkung bietet Angehörigen Steuer­vorteile. Wer schon zu Lebzeiten Vermögen weitergibt, sollte dies schriftlich vereinbaren. So kann man Streit unter späteren Erben vermeiden und sich eigene Rechte sichern - etwa ein lebens­langes Wohnrecht in einer Immobilie.

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Immobilien, wertvolle Kunst­gegenstände, Gemälde oder Bargeld - im Laufe des Lebens häufen manche einige Besitz­tümer an. Mit zunehmendem Alter stehen viele vor der Frage, ob sie Teile des Vermögens schon zu Lebzeiten an Angehörige übertragen sollen. Dafür spricht, dass sich mit Schenkungen hohe Vermögenswerte steuerfrei übertragen lassen. Grund­sätzlich können Familien­angehörige zwar einen gewissen Freibetrag steuerfrei erben - dieser liegt derzeit bei 400.000 Euro für Kinder und 500.000 Euro für Ehepartner. Der Vorteil einer Schenkung zu Lebzeiten: Der Beschenkte kann den Freibetrag alle zehn Jahre neu ausschöpfen.

Nicht nur von steuerlichen Gründen leiten lassen

Doch Vorsicht: Wer zu Lebzeiten Vermögen an Familien­mitglieder verschenken will - juristisch ist von vorweg­genommener Erbfolge die Rede - sollte sich dabei nicht allein von steuerlichen Gründen leiten lassen, sagt Anton Steiner. Der Münchner Fachanwalt für Erbrecht ist Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht.

Rückforderungsvorbehalt schriftlich festhalten

Grund­sätzlich gilt „Weg ist weg!“, zumindest wenn man keinen rechtlich wirksamen Rück­forderungs­vorbehalt vereinbart hat. „Einen solchen Vorbehalt sollten beide Seiten, also der Schenkende und der Beschenkte, zwingend schriftlich festhalten“, rät Eberhard Rott, Fachanwalt für Erb- und für Steuerrecht in Bonn.

Warum, erklärt Rechtsanwalt Rott exemplarisch: Ein Mann verschenkt das Haus, in dem die Familie seit Generationen wohnt, zu Lebzeiten an seinen Sohn. Der Sohn ist Unternehmer. Seine Firma muss eines Tages Insolvenz anmelden. Da der Vater verhindern wollte, dass das Haus dann die Gläubiger zum Opfer fällt, hat er mit seinem Sohn bei der Schenkung einen Rück­forderungs­vorbehalt vereinbart. So geht das Haus bei einer Insolvenz an den Vater zurück und muss nicht verkauft werden, um mit dem Erlös die finanziellen Forderungen der Gläubiger zu erfüllen.

Die Vereinbarung ist auch sinnvoll, wenn der Schenkende unvorhergesehen in Armut verfällt. Oder wenn etwa der Vater die Immobilie zu Lebzeiten auf seinen Sohn übertragen will, aber mit dessen Frau nicht klarkommt. Sollte der Sohn dann sterben, würde ansonsten die ungeliebte Schwieger­tochter das Haus erben.

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Lebenslanges Wohnrecht sichern

„Mit einem Rück­forderungs­vorbehalt kann man festlegen, dass das Haus bei einem Tod des Sohnes wieder ins Eigentum des Vaters übergeht“, erklärt Wolfram Theiss, Vorsitzender der Arbeits­gemeinschaft Erbrecht im Deutschen Anwalt­verein (DAV). Zudem kann sich der Schenkende bei einer Immobilie etwa ein lebens­langes Wohnrecht einräumen lassen

Und noch etwas ist möglich: Wer etwa wertvolle Antiquitäten besitzt, kann diese zu Lebzeiten verschenken und trotzdem festlegen, dass die Gegenstände im Haus bleiben. Der Besitz geht dann erst nach dem Tod etwa auf die Kinder über.

Generell gilt: Schenkungen müssen nachgewiesen werden können

„Es sollte zu der Schenkung immer ein Schrift­stück geben“, rät Wolfram Theiss. Ein Beispiel zeigt, warum dies wichtig ist: Eine Mutter besitzt wertvolle Gemälde und verschenkt einige davon zu Lebzeiten an ihre Kinder. Idealer­weise hat jedes Kind zu jedem Bild eine schrift­liche Erklärung der Mutter. „Damit es nach dem Tod der Frau nicht zu Streit unter den Kindern kommt, wer was per Schenkung erhalten hat“, erklärt Wolfram Theiss.

Überweisung allein als Nachweis nicht ausreichend

Selbst wenn jemand Geld an Angehörige verschenkt, reicht die Über­weisung allein als Nachweis nicht aus - auch dann muss es eine schrift­liche Erklärung geben. Darin sollte beispiels­weise stehen, ob die Schenkung zu Lebzeiten auf das Pflichtteil angerechnet werden soll oder nicht, erklärt Rechtsanwalt Eberhard Rott. Eine Anrechnung ist nur wirksam, wenn sie zum Zeitpunkt der Schenkung schriftlich vereinbart wurde. Es reicht nicht, dies später im Testament festzulegen. Es könne aber regeln, ob durch die Schenkung gegenüber anderen Erben eine Ausgleichs­pflicht besteht.

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Schenkungen sollten gut durchdacht sein

In jedem Fall sollten Schenkungen zu Lebzeiten gut durchdacht sein - und zu dem mit familiären und persönlichen Zielen harmonieren. „Schon so manch einer hat seine Großzügigkeit bitter bereut, wenn sich später die persönlichen Verhältnisse grundlegend gewandelt haben“, gibt Rechtsanwalt Anton Steiner zu bedenken.

Vorsichtig bei Schenkungen an Minderjährige

Vorsichtig sollte man insbesondere bei Schenkungen an Minder­jährige sein, rät Wolfram Theiss. Er berichtet von einem Mann, der seinem erst wenige Tage altem Kind eine Million Euro ohne irgendwelche Absicherung geschenkt hat. Mit Vollendung seines 18. Lebens­jahres sollte das Kind frei über den Betrag verfügen können. „Ob das Kind dann die Reife hat, das Geld sinnvoll zu verwenden, ist allerdings fraglich.“

Quelle: dpa/DAWR/ab
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