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Arbeitsrecht | 12.06.2019

Ausbildungs­start

Vom Arbeits­vertrag bis zum Smartphone: Wissens­wertes zum Ausbildungs­start

Wichtige Tipps für einen reibungslosen Start als Azubi

Die erste Zeit im neuen Ausbildungs­betrieb ist aufregend. Und überall lauern Fett­näpfchen und Stolper­fallen.

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Mit der Ausbildung beginnen Berufs­anfänger einen neuen Lebens­abschnitt. Besonders die erste Zeit ist voller neuer Erfahrungen und Heraus­forderungen. Damit der Start gut klappt, ist einiges zu beachten - auf persönlicher wie auf rechtlicher Ebene.

Sie oder Du?

„Damit haben immer noch ganz viele Azubis am Anfang Probleme“, sagt Sabine Bleumortier, Ausbildungs­trainerin aus München. „Das geht soweit, dass sie es manchmal wochenlang direkt vermeiden, ihren Ausbilder anzusprechen.“ Um un­angenehmes Rumge­druckse zu vermeiden, sollten Azubis sich trauen, einfach nachzufragen. Selbst wenn der Ausbilder den Lehrling duzt, ist es gut, zunächst zurück­zufragen: „Darf ich Sie auch duzen?“

Smartphone

Auch das Handy ist ein großes Thema, wenn man frisch ins Arbeits­leben startet. „Man sollte generell versuchen, einen guten Eindruck zu hinter­lassen“, empfiehlt Sabine Bleumortier. Erstmal bleibt das Telefon deshalb in der Tasche, im Zweifels­fall orientiert man sich an den Kollegen.

Anschluss finden

Gerade hatte man noch seine Schul­freunde um sich, auf einmal sind da viele neue Kollegen - und die sind vielleicht alle viel älter als man selbst. Wenn es keine anderen Aus­zubildenden im Betrieb gibt, ist es erstmal eine Heraus­forderung, Anschluss zu finden. Sabine Bleumortier rät, sich als Azubi in die Gespräche einzubringen und die Kollegen in die Mittags­pause zu begleiten. „Nur sich in den Mittelpunkt drängeln, das sollten Auszubildende vermeiden.“

Neugierig sein

Azubis sollten keine Scheu haben, in den ersten Tagen alle Infos mitzuschreiben. „Damit kann man sehr gut punkten“, sagt Sabine Bleumortier.

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Ausbildungsvertrag

Ohne einen schriftlichen Vertrag sollte kein Azubi eine neue Stelle anfangen. „Darin sollte alles Wichtige festgehalten sein. Also zum Beispiel: Wer ist der verantwortliche Ausbilder? Was ist das Ziel der Ausbildung, wie ist sie gegliedert?“, sagt Daniel Gimpel, Referent für Berufsaus­bildung bei der DGB Jugend. Er weist darauf hin, dass auch ein mündlicher Vertrag als geschlossen gilt. „Dennoch sollte man immer einen schriftlichen Vertrag einfordern.“

Ausbildungsinhalte

Neben einem Vertrag gibt es im Optimalfall auch einen betrieblichen Ausbildungs­plan. „Der Plan bietet den Aus­zubildenden Orientierung, welche Aufgaben sie erwarten“, sagt Daniel Gimpel. Liegt kein Plan vom Betrieb vor, können Auszubildende immer den Ausbildungs­rahmenplan angucken. Er ist Teil der Ausbildungs­ordnung. Die gibt es für jeden Beruf, zum Beispiel auf der Webseite des Bundes­instituts für Berufs­bildung (BIBB).

Überstunden

Die Arbeits­zeiten für Auszubildende sind eigentlich genau im Vertrag geregelt. Über­stunden sind in der Ausbildung in der Regel nicht vorgesehen, sagt Daniel Gimpel. „Ein Lern­verhältnis ist kein Arbeits­verhältnis.“ Wer dennoch regelmäßig in großem Umfang Über­stunden machen muss, sollte einen Freizeit­ausgleich einfordern. Oder sich die Über­stunden entsprechend vergüten lassen.

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Betreuung

Wer sich mit seinen Aufgaben allein gelassen fühlt, und eigentlich gar nicht so richtig weiß, was er tun soll, dem rät Daniel Gimpel: „Die Betriebe haben eine Ausbildungs­pflicht. Das heißt, sie müssen den Aus­zubildenden alle nötigen Inhalte und Fertig­keiten vermitteln.“ Das sollten Auszubildende einfordern. Wenn es eine Interessens­vertretung im Betrieb gibt, können sich Azubis mit Problemen auch dorthin wenden. Das kann etwa eine Jugend- und Aus­zubildenden­vertretung (JAV) oder ein Betriebsrat sein.

Berichtsheft

Im Berichts­heft, auch Ausbildungs­nachweis genannt, dokumentieren Azubis, was sie in der Ausbildung gelernt haben. In das Heft sollten sie nur schreiben, was sie wirklich gemacht haben - oder auch Tätigk­eiten, die womöglich nicht zur Ausbildung gehören, aber trotzdem gemacht werden mussten. „Das kann im Zweifels­fall ein Nachweis sein, wenn es mal Probleme oder Streitig­keiten zwischen Azubi und dem Betrieb gibt“, erklärt DGB-Referent Gimpel.

Das Ausfüllen des Hefts gehört zur Ausbildung - deshalb dürfen Azubis diese Tätigkeit auch während der Arbeitszeit erledigen, wie die Verbraucher­zentrale Nordrhein-Westfalen in einem Ratgeber informiert. Außerdem sind die Berichte eine Voraussetzung für die Zulassung zur Abschluss­prüfung.

Schlechter Start mit dem Chef

Passiert Azubis gleich in den ersten Tagen und Wochen ein Ausrutscher, ist das schnell ausgebügelt - sei es, dass man zu spät in den Betrieb kommt oder das Handy im unpassenden Moment klingelt. „Am besten nimmt der Azubi einfach seinen ganzen Mut zusammen, geht zum Chef und sagt „Das tut mir leid. Ich möchte mich für mein Verhalten entschuldigen. Können wir nochmal von vorne anfangen?“, erklärt Sabine Bleumortier.

Stimmt die Chemie generell nicht, kann man versuchen herauszufinden, was dem Chef gar nicht in den Kram passt. Etwa, indem man Kollegen um Rat fragt. „Wenn ich weiß, dass der Chef auf Flüchtigkeits­fehler allergisch reagiert, kann ich Unterlagen, die ich ihm vorliege, vorher immer ganz genau durchgehen“, sagt die Expertin.

Ausbildungsplatzwechsel

Wer nach den ersten Wochen merkt, dass die Ausbildung doch nicht die richtige ist oder gar mit Problemen wie Mobbing zu kämpfen hat, sollte sich nicht unnötig quälen. „Ein Ausbildungs­wechsel ist kein Beinbruch“, sagt Daniel Gimpel. Wer kündigen möchte, beendet das Ausbildungs­verhältnis am besten mit einem Aufhebungs­vertrag. „Das ist der sicherste Weg“, so der Referent. „Sonst können von Seiten des Arbeit­gebers eventuell Schaden­ersatz­ansprüche entstehen.“ Wichtig aber: Erst eine neue Ausbildungs­stelle finden, dann kündigen.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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