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Arbeitsrecht und Versicherungsrecht | 16.12.2021

Praktikums­einmaleins

Von Bezahlung bis Zeugnis: Das Praktikums­einmaleins für Studis

Diese Regeln sind wichtig

Bei einem Praktikum im Studium kommen viele junge Menschen zum ersten Mal mit der Arbeitswelt in Berührung. Versicherung, Urlaub, Rechte als Arbeit­nehmer - alles neu.

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Studierende, die in Unternehmen Praxis­erfahrung sammeln, sind oft eine Bereicherung für die Betriebe. Entsprechend viel Arbeit bekommen sie zum Teil aufgebrummt. Was springt für Studierende dabei raus? Und welche Rechte haben sie? Die wichtigsten Fragen im Überblick.

Pflicht oder Kür: Welche Praktika gibt es?

Weit verbreitet sind verpflichtende Praktika. Sie sind Teil des Studiums, sagt Valentin Dietrich von der Jugend­abteilung des Deutschen Ge­werkschafts­bundes (DGB). Die Praktika sind in der Regel durch hochschul­rechtliche Bestimmungen vorgeschrieben, etwa durch die Studien- oder Prüfungso­rdnung. „Pflicht­praktika muss ich machen, um mein Studium beenden zu können“, so Dietrich.

Daneben gibt es freiwillige Praktika. Das können etwa Orientierungs­praktika vor dem Studium sein oder studien­begleitende Praktika, die Studierende etwa in den Semester­ferien absolvieren. Praktika nach dem Studium sieht DGB-Referent Valentin Dietrich kritisch. „Hier ist ein Limit erreicht.“ Sinnvoller seien Berufs­einstiegs­programme.

Vergütung: Habe ich Anspruch auf Bezahlung?

Pflicht­praktika dürfen vergütungs­frei sein. Sofern verpflichtende Praktika im Rahmen der hochschul­rechtlichen Bestimmungen geleistet werden, sind sie in der Regel vom Mindestlohn befreit, heißt es dazu in einer Broschüre des Bundes­ministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Es gibt also keinen Anspruch auf Bezahlung.

Bei freiwilligen Praktika besteht ein rechtlicher Anspruch auf eine Vergütung nach Mindestlohn erst, wenn das Praktikum länger als drei Monate dauert. Außerdem müssen Praktikantinnen und Praktikanten über 18 Jahre alt sein.

Oft ist das Praktikums­entgelt aber Verhandlungs­sache. Bei einer Umfrage unter rund 3200 Praktikantinnen und Praktikanten im Auftrag der Unter­nehmens­beratung Clevis wurden etwa 92 Prozent der Praktika im Jahr 2020 bezahlt. Das Durch­schnitts­gehalt lag dem „Future Talents Report“ zufolge bei rund 1067 Euro. 58 Prozent der Befragten absolvierten ein Pflicht­praktikum, 42 Prozent ein freiwilliges Praktikum.

Wer für ein Pflicht­praktikum bezahlt wird und Bafög bezieht, sollte eine Sache beachten: Anders als bei stu­dentischen Nebenjobs wird das Praktikums­entgelt grund­sätzlich in voller Höhe auf den Bafög-Auszahl­betrag angerechnet, da es als Ausbildungs­vergütung behandelt wird, wie die Jugend­abteilung des DGB auf ihrer Webseite erklärt.

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Dauer: Wie lange sollte das Praktikum gehen?

Die Dauer eines Pflicht­praktikums ist in der jeweiligen Studien- oder Prüfungso­rdnung fest­geschrieben. An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel müssen es bei Studierenden der Geistes- und Sozial­wissenschaften zum Beispiel mindestens sechs Wochen sein. Acht seien die Grenze, sagt Katrin Schmidtke, zuständig für die Praktikantinnen und Praktikanten dieses Fach­bereichs. Meistens sind sie in den Semester­ferien abzuleisten.

Valentin Dietrich von der DGB-Jugend rät zu maximal drei Monaten. Bei längeren Praktika stehe der Charakter als Lern­verhältnis in Zweifel. Oft dauern Praktika aber wesentlich länger: Wie aus dem „Future Talents Report“ hervorgeht, betrug die Einsatzzeit der befragten Praktikantinnen und Praktikanten im Schnitt fünf Monate.

Rechtsschutz: Bin ich im Praktikum versichert?

Unter 25 bis 30 Jahren greift entweder die familiäre oder die studentische Versicherung. Ein Pflicht­praktikum ist darüber hinaus sozial­versicherungs­frei, informiert die Deutsche Renten­versicherung.

Die Wochen­arbeits­zeit und Höhe des Verdienstes spielten keine Rolle - im Gegensatz zu einem freiwilligen Praktikum. Bei monatlich weniger als 450 Euro gilt es als Minijob. Der Arbeitgeber zahlt dann für gesetzlich Versicherte einen Pauschal­beitrag. Sozial­versicherungs­pflichtig ist hingegen, wer ein Praktikum direkt vor oder nach einem Studium absolviert.

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Auslandspraktika: Anspruch auf Bafög?

Häufig wollen Studierende auch ein Praktikum im Ausland absolvieren. Oft bedarf das einiger Vorbereitung. Studierende sollten etwa schon frühzeitig den Versicherungs­status klären und sich bei Bedarf um ihre Auslands­kranken-, Haftpflicht- oder Unfall­versicherung kümmern, rät etwa die Universität Bamberg online.

Valentin Dietrich von der DGB-Jugend empfiehlt zudem, den Anspruch auf Auslands-Bafög zu prüfen. „Das können teilweise Leute bekommen, die im Inland kein Bafög erhalten.“ Weiterführende Informationen zum Auslands-Bafög finden Studierende etwa auf den Bafög-Seiten des Bundes­bildungs­ministeriums.

Urlaubsanspruch: Was ist zulässig?

Freiwillige Praktika gelten als normale Arbeits­verhältnisse. Daher gibt es einen gesetzlich vorgeschriebenen Urlaubs­anspruch. Der beläuft sich laut Bundes­urlaubs­gesetz auf 24 Urlaubstage pro Kalender­jahr bei einer Fünf-Tage-Woche. Wenn das Praktikum sechs Monate oder kürzer dauert, besteht entsprechend nur ein anteiliger Anspruch. Wer ein Pflicht­praktikum macht, hat dagegen keinen Anspruch auf Urlaub.

Praktikumszeugnis: Darf ich eines verlangen?

„Lassen Sie sich unbedingt ein Zeugnis ausstellen“, sagt Katrin Schmidtke von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. „Ein Praktikum ist eine erste Visiten­karte für praktische Erfahrungen.“ Umso besser könne man später in Bewerbungen nachweisen, was man draufhabe. „Darin sollte stehen, dass das Praktikum absolviert wurde, wie lange es gedauert hat und welche Tätigk­eiten ausgeübt wurden.“

Der Anspruch auf ein Praktikums­zeugnis ergibt sich je nach Status entweder aus Paragraf 16 des Berufsbildungs­gesetzes (BBiG) oder aus Paragraf 109 der Gewerbe­ordnung. Entscheidend ist hierbei, ob man ein Ausbildungs­verhältnis oder ein Arbeits­vertrag mit dem Arbeitgeber abgeschlossen hat.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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