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Arbeitsrecht | 27.01.2020

Homeoffice

Von zu Hause aus arbeiten: Die Stolper­steine im Homeoffice

Auch für das Büro daheim gibt es Regeln

Flexibilität - mit diesem Zauberwort verbinden viele Beschäftigte das Thema Homeoffice. Doch die Arbeit von zu Hause birgt neben vielen Vorteilen auch die ein oder andere Schwierigkeit

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Vom Frühstücks­tisch an den Arbeits­platz, vom Papa zum Mitarbeiter, von privat zu Business - und wieder zurück. Privatleben und Arbeit besser miteinander zu verknüpfen, ist das Ziel vieler Menschen, die im Homeoffice arbeiten.

Homeoffice gewinnt an Bedeutung

Laut einer Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit aus dem Jahr 2018 haben rund 38 Prozent aller Beschäftigten zumindest ab und zu die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. Und tatsächlich kann das Arbeiten im Homeoffice viele Vorteile haben.

„Wenn ich die Möglichkeit habe, Homeoffice zu machen, ist es eine Chance, meine Flexibilität zu erhöhen, meinen privaten und beruflichen Verpflichtungen leichter nachzukommen und Stress, beispiels­weise durch Pendeln, zu reduzieren“, sagt Prof. Conny Antoni, Arbeits­psychologe an der Universität Trier.

Für viele Menschen sei insbesondere die Zeit­knappheit ein belastender Faktor. Mit Homeoffice könne Zeit gewonnen werden. „Pendler haben nicht nur den Stress, der aus dem Pendeln als solches resultieren kann“, sagt Prof. Conny Antoni. Kosten- und Umwelt­aspekte kommen ebenso zum Tragen. Es müsse aber sicher­gestellt sein, dass im Homeoffice nicht ein neuer Stressor dazu kommt.

Wenn es im Homeoffice keinen Feierabend gibt

Ein neuer Stressor kann zum Beispiel die ständige Erreich­barkeit sein, der sich Arbeit­nehmer im Homeoffice oft ausgesetzt sehen. Experten wie Ufuk Altun vom Institut für angewandte Arbeits­wissenschaften (Ifaa) empfehlen deshalb, die Regeln des Homeoffice schon im Vorfeld zu kommunizieren und schriftlich fest­zuhalten. „So dass sowohl Arbeit­nehmer als auch Arbeitgeber ganz genau wissen, wie die Spielregeln funktionieren.“

Dazu können etwa feste Erreichbarkeits­fenster zählen, wie Ufuk Altun erklärt. So werde in einigen Betrieben der E-Mail-Server ab 18 Uhr abgeschaltet oder Mails während der Urlaubszeit des Arbeit­nehmers nicht weitergeleitet oder gleich von Vertretern bearbeitet.

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Ohne Absprachen verfliegt schnell die Motivation

Werde das Thema Homeoffice nicht strukturiert angegangen, könne das etwa dazu führen, dass die Beschäftigten sich selbst über­schätzen. Und: Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit aus den Augen verlieren.

„Laut Studien stellen Betriebe, die keine Regelungen und Ver­einbarungen getroffen haben, immer wieder fest, dass es nicht zu einer Motivation, sondern eher zu einer Demotivation der Beschäftigten führt“, sagt Ufuk Altun. Die Mitarbeiter würden dann manchmal lieber auf Homeoffice verzichten, und nach geregelten Strukturen im Büro arbeiten wollen.

Homeoffice, mobile Arbeit oder Tele-Arbeit?

Arbeits- und Erholungs­zeiten sind teilweise auch gesetzlich geregelt. Im Unterschied zur sogenannten mobilen Arbeit, stellt der Gesetzgeber beim „Homeoffice“ teilweise sehr konkrete Anforderungen an die Arbeitszeit, die Arbeits­sicherheit und den Datenschutz. So gilt es, vorab die Begrifflichkeiten zu klären, empfiehlt Ufuk Altun. „Reden wir von Homeoffice oder mobiler Arbeit oder von Tele-Arbeit? Wenn das nicht geklärt ist, kann es zu Unklarheiten führen.“

Im Gegensatz zur „mobilen Arbeit“, bei der der Arbeit­nehmer selbst entscheidet, wie lange und wo er arbeitet, müssen „auch im Homeoffice Arbeits­zeit­vorgaben, Ruhepausen und Höchst­arbeits­zeiten eingehalten werden“, weiß Nathalie Oberthür, Fach­anwältin für Arbeits­recht.

Außerdem müsse der Datenschutz sicher­gestellt sein, so dass niemand unbefugt auf betrieb­liche Daten zugreifen kann. Arbeits­plätze müssen bestimmten Standards zur Arbeits­sicherheit genügen. „Der Arbeitgeber ist dafür verantwortlich, dass diese Vorgaben auch eingehalten werden. Er ist in der Pflicht, den Arbeits­schutz sicherzustellen und muss sich dazu eigentlich ein Zutritts­recht einräumen lassen oder zumindest überprüfen, wie die Arbeits­platz-Situation im Homeoffice gestaltet ist“, erklärt Rechtsanwältin Nathalie Oberthür.

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Begrenzter Unfallversicherungsschutz im Homeoffice

Arbeit­nehmer sollten ihren Blick besonders auf das Sozial­versicherungs­recht richten, rät Rechtsanwältin Nathalie Oberthür. „Denn im Homeoffice genießt man nur begrenzt einen Unfall­versicherungs­schutz. Wenn Sie auf dem Weg zur Toilette die Treppe herunter­fielen, wären Sie im Homeoffice nicht versichert“, erklärt die Expertin. „Deswegen finde ich es immer ganz wichtig, dass Arbeit­nehmer im Homeoffice eine Unfall­versicherung haben.“

Sind die Rahmen­bedingungen geklärt, liegt es am Arbeit­nehmer selbst, sich über die Vor- und Nachteile der Arbeit von zu Hause im Klaren zu sein. Manch einer schätzt die Arbeit ohne Kollegen­gespräche oder ablenkende Telefonate. Andere leiden unter der sozialen Isolation, die Heim­arbeits­plätze mit sich bringen können.

Spontaner Austausch fördert Ideen

„Wie weit eine soziale Isolation damit verbunden ist, hängt maßgeblich damit zusammen, ob ich ständig im Homeoffice bin oder nur ein oder zwei Mal in der Woche von zu Hause arbeite“, erklärt Prof. Conny Antoni. Neben anlassbezogener Kommunikation finde im Büro natürlich spontane Kommunikation statt. „Man tauscht Informationen aus und dabei können auch Ideen entstehen. Diese spontanen Inter­aktionen sind im Homeoffice deutlich erschwert.“

Und noch etwas könnte sich ändern: die Wahrnehmung der Kollegen. „Wenn man verteilt arbeitet, kann es sein, dass der Beitrag des Einzelnen zum Team weniger sichtbar wird. Das kann die Gefahr beinhalten, dass die Kollegen sich fragen, was macht der denn eigentlich zu Hause“, gibt Prof. Conny Antoni zu bedenken.

Helfen könnten dabei klare Aufgaben­verteilungen und die Nutzung von Kollaborations­software, „um den Beitrag des Einzelnen im Prozess und Ergebnis sichtbar zu machen“, rät der Psychologe. Denn, wenn erstmal alle Seiten gut und umfassend auf die Arbeit im Homeoffice vorbereitet sind, da sind sich die Experten einig, kann das Modell auch funktionieren.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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