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Bankrecht und Verbraucherrecht | 28.07.2021

Bausparen

Wann lohnt sich ein Bauspar­vertrag?

Ein Bauspar­vertrag kann sich angesichts der derzeit niedrigen Darlehens­zinsen und staatlicher Förderung lohnen

Trotz hoher Gebühren und mickriger Zinsen: Bausparen kann sich lohnen. Wer einen passenden Vertrag sucht, muss aber genau hinschauen. Allein ein guter Zinssatz reicht nicht aus.

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Der Ruf von Bausparen schien lange Zeit angekratzt. Ein Grund: Immer wieder wurde lang­jährigen Kunden in der Vergangenheit gekündigt. Und das mitunter mit Druck, wie die Verbraucher­zentralen beobachtet haben. Betroffen waren meist Bauspar­verträge mit hohen Bonuszinsen, die für die Kunden lukrativ, für die Anbieter aber teuer sind.

Dem Absatz neuer Verträge scheint das aber nicht geschadet zu haben. Allein im Jahr 2020 verzeichnete die Branche 1,5 Millionen Neu­abschlüsse, ein Plus von 13 Prozent im Vergleich zu 2019, wie der Verband der Privaten Bauspar­kassen mitteilt. Damit gibt es mittlerweile insgesamt 25 Millionen Bauspar­verträge. Das heißt: Im Schnitt hat jeder zweite Haushalt mindestens einen Bauspar­vertrag.

Bausparsummen werden größer

Ebenfalls um 13 Prozent stieg die neu abgeschlossene Bauspar­summe auf 77,5 Milliarden Euro. Und das, obwohl die Corona-Pandemie den Angaben zufolge die Zahl der persönlichen Beratungen deutlich reduziert hat. Baugeld­auszahlungen lagen 2020 bei insgesamt rund 41 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs von 15 Prozent.

Interessant: Der Trend geht nach Beobachtungen des Verbandes seit Jahren weg von kleinen Spar­verträgen hin zu großv­olumigeren Finanzierungs­verträgen. So hat sich die durchschnittliche Bauspar­summe pro neu abgeschlossenen Vertrag in den letzten zehn Jahren von rund 27.500 Euro auf rund 52.000 Euro fast verdoppelt.

Bausparen soll Zinsabsicherung dienen

Für Max Herbst von der unabhängigen FMH-Finanz­beratung ist diese Entwicklung keine Überraschung: „Banken und Vermittler empfehlen Bauspar­verträge oft mit dem Verweis auf das mögliche Ende der Niedrigzins­phase“, sagt der Experte. „Das Produkt soll der Zins­absicherung dienen und das ist bei vielen Leuten beliebt.“

Nach Ansicht der Stiftung Warentest kann dieses Argument durchaus seine Berechtigung haben. Die Verträge bieten Zins­sicherheit, werden vom Staat gefördert, ermöglichen auch günstige Klein­darlehen für eine Modernisierung und flexible Sonder­tilgungen. Als Ergänzung zu einem Bank­darlehen können Bauspar­verträge daher sinnvoll sein, so das Fazit der Experten.

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Einen Bauspartarif für alle gibt es nicht

Grund­sätzlich gibt es beim Bausparen zwei Phasen: In der Ansparphase zahlt der Sparer monatlich einen Betrag ein. Für das Guthaben bekommt er Zinsen. Ist ein bestimmter Betrag erreicht, wird der Vertrag zuteilungsreif. Der Sparer kann sich das Geld auszahlen lassen.

Gleich­zeitig beginnt die Finanzierungs­phase: Der Kunde kann nun ein günstiges Darlehen beantragen. Die Konditionen dafür hat er bereits vor der Ansparphase vereinbart. Damit kann er eine Immobilie kaufen oder bauen. Er muss den Kredit aber nicht beantragen.

Allerdings gibt es einen Haken: Einen Bauspar­tarif, der für alle optimal ist, gibt es nach Ansicht der Warentester nicht. Ein attraktiver Darlehens­zinssatz sagt zum Beispiel noch nichts darüber aus, ob ein Bauspar­vertrag wirklich günstig ist. Das zeigt sich immer erst an den Spar- und Tilgungs­plänen für ganz konkrete Angebote.

Höhere Tilgung kann sich mehr auszahlen

Max Herbst zufolge kann es manchmal sogar günstiger sein, das Geld, das als Sparbeitrag in den Bauspar­vertrag fließen soll, gleich in die Tilgung zu stecken. „Davon hat man oft mehr“, sagt er und erläutert das an einem vereinfachten Beispiel.

Ein Immobilien­kredit über 100.000 Euro mit einer Laufzeit von 10 Jahren kostet bei einem Zins von 1 Prozent (Mittelwert bei 80 Prozent Beleihung) und einer Tilgungs­rate von 3 Prozent 333 Euro monatlich. Die Restschuld am Ende der Laufzeit beträgt 68.500 Euro.

Wird jetzt zusätzlich ein Bauspar­vertrag für die Ablösung Restschuld abgeschlossen, kommen zusätzlich 230 Euro auf die Käufer zu. Damit wird im Laufe der Jahre die Summe von 27.400 Euro angespart, das Bau­spar­darlehen beträgt 41.100.

Fließen die 230 Euro monatlich aber nun statt in den Bauspar­vertrag in die Tilgung, bleiben nach 10 Jahren statt 68.500 Euro nur noch 39.500 Euro Restschuld übrig. Hier ist zwar der Anschluss­zins noch nicht bekannt. Doch der durchschnittliche Zins für Bau­spar­darlehen liegt immerhin auch bei zwei Prozent.

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Manchmal lohnt ein Vertrag doch

Dennoch kann sich ein Bauspar­vertrag durchaus lohnen, erklären die Experten der Stiftung Warentest. Zum einen, weil seit Anfang des Jahres die Einkommens­grenzen für die Wohnungs­bauprämie erhöht wurden. Dadurch kommen mehr Menschen in den Genuss staatlicher Förderung. Zumindest ein kleiner Bauspar­vertrag lohnt sich in diesem Fall beim Hauskauf fast immer.

Und: Für kleine Hypotheken­kredite verlangen Banken oft kräftige Zins­aufschläge. Oder sie vergeben nur gewöhnliche Raten­kredite zu schlechteren Kondition. Daher kann ein Bauspar­vertrag beispiels­weise für geplante Modernisierungen oder Instand­setzungen durchaus sinnvoll sein. Gut zu wissen: Für Bau­spar­darlehen bis zu 30 000 Euro ist meist kein Grundbuch­eintrag nötig. Das spart Notar- und Gerichts­kosten.

Wichtig ist, dass sich Interessierte an ein paar Regeln orientieren: So sollte ein Bauspar­vertrag immer so aufgestellt sein, dass die Bauspar­summe pünktlich für die geplante Finanzierung zur Verfügung steht. Außerdem sollte der monatliche Regel­sparbetrag eingehalten und nicht viel mehr als das Mindest­guthaben angespart werden.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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