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Arbeitsrecht | 01.03.2021

Befristete Arbeits­verhältnisse

Was Sie zu befristeten Verträgen wissen müssen

Antworten auf Fragen zum Thema befristeter Arbeits­vertrag

Ein Jahr hier, eine Vertretung dort: Befristete Arbeits­verhältnisse können anstrengend sein. Experten erklären, warum ein unbefristeter Vertrag immer besser ist und wann Anspruch darauf entsteht.

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Für Berufs­anfänger, aber auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten bieten Arbeitgeber gerne nur befristete Verträge an. Das macht es möglich, sich relativ unkompliziert wieder von Arbeit­nehmerinnen oder Arbeit­nehmern zu trennen. Für Beschäftigte kann ein befristeter Vertrag zwar den Einstieg erleichtern, bringt aber oft Unsicherheit mit sich.

Wann ist eine Befristung grundsätzlich zulässig?

„Jedes Arbeits­verhältnis kann befristet werden“, sagt Peter Meyer, Fachanwalt für Arbeits­recht aus Berlin. Befristete Verträge gebe es in allen Bereichen, Branchen und Betriebs­größen.

Hoch sei der Anteil beispiels­weise im öffentlichen Dienst, so der Fachanwalt für Arbeits­recht Sönke Runge. Der Bedarf sei in größeren Betrieben generell höher als in Klein­betrieben.

Welche Chancen und Risiken bieten befristete Verträge?

Befristeten Verträgen wird oft nachgesagt, sie würden die Chance bieten, viel Berufs­erfahrung zu sammeln. „Allerdings ist ein befristeter Vertrag für einen Arbeit­nehmer immer schlechter“, sagt Fachanwalt Runge. Auch aus einem unbefristeten Vertrag komme man jederzeit heraus, wenn man in anderen Betrieben neue Erfahrungen sammeln wolle.

Zu den Risiken gehören unter anderem die Planungs­schwierigkeiten. Kann ich mir die Wohnung leisten, wenn ich nicht sicher bin, ob ich den Job in einem halben Jahr noch habe? Zudem könnte es sein, dass Arbeit­nehmer weniger motiviert sind, wenn sie wissen, dass der Job etwa nur für ein Jahr Bestand hat.

Für Arbeitgeber ist es mit einem befristeten Vertrag leichter, sich von Mitarbeitern zu trennen, etwa weil sie noch nicht wissen, ob man zueinander passt und ob die Arbeits­leistung zufrieden­stellend ist. Oder weil sie nur einen vorüberg­ehenden Beschäftigungs­bedarf haben.

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Welche Modelle gibt es?

Es gibt zwei Möglichkeiten der Befristung: Ohne oder mit Sachgrund. Bei einer sogenannten sach­grundlosen Befristung darf vorher kein Arbeits­verhältnis zwischen Arbeit­nehmenden und Arbeit­gebern bestanden haben.

In beiden Fällen läuft der Vertrag mit Ende der Befristung aus, ohne dass der Arbeitgeber kündigen muss. Sofern aber das Kündigungs­recht vereinbart ist, kann der Arbeitgeber auch ein befristetes Arbeits­verhältnis in den ersten sechs Monaten frist­gerecht im Rahmen der Probezeit ohne Grund kündigen. Gibt es einen Betriebsrat, muss dieser bei einer Kündigung beteiligt werden.

Wie oft kann ein Vertrag befristet werden?

Ohne Sachgrund darf ein Vertrag grund­sätzlich nicht länger als zwei Jahre befristet sein. Innerhalb dieser zwei Jahre kann die Befristung bis zu drei Mal verlängert werden. Gleich­zeitig mit der Ver­längerung dürfen die Vertrags­bedingungen jedoch nicht geändert werden. Dann wäre die befristete Ver­längerung unwirksam und der Vertrag unbefristet.

Mit Sachgrund kann der befristete Vertrag deutlich länger gültig sein. Klassische Fälle seien hier die Elternzeit- oder Krankheits­vertretung sowie Projekt­arbeit, die auf einen bestimmten Zeitraum beschränkt ist oder im Bereich des öffentlichen Dienstes zeitlich befristet finanziell gefördert wird, zählt Meyer auf.

Eine Befristung mit Sachgrund könne auch wirksam sein, wenn bereits in der Vergangenheit ein befristetes oder unbefristetes Arbeits­verhältnis bestanden habe, erklärt Meyer, der Mitglied des Geschäfts­führenden Ausschusses der Arbeits­gemeinschaft Arbeits­recht im Deutschen Anwalt­verein (DAV) ist.

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Gibt es ein Limit für Befristungen?

Es gibt gewisse Grenzen, die eingehalten werden müssen, damit nicht ein befristeter Vertrag nach dem anderen geschlossen wird. Dafür sei eine Ampel­regelung entwickelt worden, erklärt Meyer. Basis ist ein Urteil (Az.: 7 AZR 135/15) des Bundes­arbeits­gerichts von 2016, in dem sich erstmals klare quantitative Vorgaben zu erlaubten Befristungen in drei Stufen finden.

Unkritisch und damit „grün“ sind im Ampelsystem vier Jahre, in denen sechs Verträge abgeschlossen werden. In acht Jahren zwölf Mal einen Vertrag abzuschließen, könnte auch noch zulässig sein, erklärt Runge weiter. Die Befristungs­ampel würde dann aber auf gelb schalten. Im Einzelfall wird die Rechtmäßigkeit vor Gericht geprüft.

Auch Misch­modelle sind möglich. So könnte beispiels­weise ein neu eingestellter Arbeit­nehmer zunächst zwei Jahre lang ohne Grund befristet gearbeitet haben. Wird dann beispiels­weise eine Kollegin schwanger, kann ein neuer befristeter Vertrag zur Vertretung während der Schwangerschaft und der anschließenden Elternzeit - dieses Mal also mit Sachgrund - abgeschlossen werden.

Welche Bedingungen muss ein befristeter Vertrag erfüllen?

Eine Befristung muss schriftlich erfolgen. „Und zwar oldfashioned in einem von beiden Parteien unter­schriebenen Dokument, nicht per Mail oder digitaler Signatur“, stellt Meyer klar. Wichtig ist, dass der Vertrag vor Arbeits­beginn von beiden Parteien unter­schrieben wurde. Fangen Arbeit­nehmer schon vorher an zu arbeiten, wird die Befristung in aller Regel unwirksam.

Ob es sich um eine sach­grund­lose Befristung handelt oder nicht, muss nicht im Vertrag stehen. „Führt der Arbeitgeber einen Sachgrund an, muss er diesen im Zweifels­fall beweisen“, erklärt Runge. Auf jeden Fall sollte also ein Akten­vermerk vorhanden sein.

Wie spricht man eine gewünschte Entfristung am besten an?

„Sprechen Sie die Entfristung dann an, wenn Ihre Verhandlungs­position am besten ist“, rät Runge. Also wenn der Arbeitgeber das Gefühl hat, er wird Sie auch in Zukunft brauchen.

Drei Monate vor Vertrags­ende müssen sich Beschäftigte bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend melden. Wird das Arbeits­verhältnis unbefristet fortgesetzt, benötigt man eigentlich keinen neuen schriftlichen Vertrag. Fachanwalt Peter Meyer rät dennoch dazu, die dann geltenden Bedingungen zu verschriftlichen.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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