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Reiserecht und Verbraucherrecht | 02.02.2023

Urlaubs­schutz

Welche Reise­versicherungen Sie wirklich brauchen

Welche Reise­versicherungen sinnvoll und wecke überflüssig sind - ein Überblick

Hohe Storno­kosten bei kurz­fristiger Urlaubs­absage, hohe Behandlungs­kosten bei einer Erkrankung im Ausland: Rund ums Reisen kann es teuer werden, wenn etwas schief geht. So sichert man sich ab.

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Urlaub und die Vorfreude darauf sollen unbeschwert sein. Dennoch kann vor oder während der Reise einiges schiefgehen. Daran sollten Urlauberinnen und Urlauber während oder spätestens kurz nach der Buchung denken, auch wenn es angesichts von Gedanken an Palmen, Sonne und Sandstrand schwer­fallen mag.

Aber: Krankheiten, Unfälle und andere Unwägb­arkeiten können nicht nur den Urlaub platzen lassen. Es kann auch richtig teuer werden. Die gute Nachricht ist: Gegen vieles kann man sich absichern. Doch nicht alle Reise­policen, die es so auf dem Markt gibt, sind sinnvoll. Manches ist unverzicht­bar, bei anderem spart man sich das Geld für die Versicherung lieber, wie der folgende Überblick zeigt:

Alternativlos: Auslandsreisekrankenversicherung

Aus Sicht von Verbraucher­schützerin Karolina Wojtal ist diese Police unverzicht­bar für Urlauber. Sie leistet in der Regel für medizinische Behandlungen im Ausland und den Rück­transport. Zwar kann man Notfall-Behandlungs­kosten, die in einem EU-Land oder in Norwegen, Liechten­stein, Island und der Schweiz anfallen, bei der heimischen gesetzlichen Kranken­kasse einreichen.

Der Haken ist aber: Die Kosten werden nach den Tarifen des Behandlungs­landes erstattet oder alternativ nach den Sätzen der eigenen Kasse. Entscheidet man sich für Ersteres, bekommt man nur das, was auch ein Patient in diesem Land als Erstattung erhält, so Wojtal vom Europäischen Verbraucher­zentrum. Das kann bedeuten, dass nicht alle Kosten übernommen werden, weil Patienten in dem anderen Land zum Beispiel ebenfalls Zuzahlungen leisten müssen.

Bei einer Erstattung nach den Sätzen der deutschen Kranken­kasse hingegen entsteht auch oft eine Lücke, da die Behandlung im Ausland wesentlich teurer als in Deutschland sein kann. „Eine Operation kann in Frankreich durchaus das Dreifache wie hierzulande kosten“, sagt Wojtal. Auf der Differenz blieben Reisende dann sitzen. Und ein etwaiger Rück­transport ist in der heimischen gesetzlichen Kranken­versicherung in der Regel auch nicht vorgesehen.

Außerhalb Europas ist die Auslands­reise­kranken­versicherung umso mehr unverzicht­bar. Allein für Rück­transporte aus Übersee könnten Kosten von mehr als 100 000 Euro anfallen, schreibt die Stiftung Warentest auf ihrer Website. Die Absicherung dagegen ist vergleichsweise günstig: Für Singles gibt es Policen schon für weniger als zehn Euro im Jahr, Familien­tarife kosten oft nicht mal 30 Euro pro Jahr.

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Für viele sinnvoll: Reiserücktrittsversicherung

Die Abreise steht kurz bevor, da bricht sich das Kind den Arm. Nicht nur fällt der Urlaub dann kurzfristig ins Wasser. Es wird häufig auch noch richtig teuer, weil für derart kurzfristige Absagen in der Regel immense Storno­gebühren anfallen. Mitunter muss der ganze Reisepreis bezahlt werden. Davor schützen Reiserücktritts­versicherungen.

Voraussetzung ist aber: Der Grund für die Reise­stornierung muss in der Police abgesichert sein. „Es kann sehr viel abgedeckt sein, aber auch sehr wenig“, sagt Wojtal mit Blick auf die Angebote. Neben Unfällen und Krankheiten, die eigentlich immer enthalten sind, können etwa auch unvorhergesehene Prüfungs­termine, Schwangerschaften oder plötzliche Arbeits­losig­keit abgedeckt sein. Deshalb lohnt der genaue Check der Versicherungs­bedingungen.

Worauf man achten sollte: Einige ältere Policen haben Pandemie-Klauseln - das heißt, sie leisten nicht bei Krankheiten, die von der Welt­gesundheits­organisation WHO als Pandemie eingestuft sind. Also auch nicht bei einer Corona-Erkrankung. Ebenfalls zu beachten: Die Angst etwa vor einer Ansteckung im Reiseland reicht für die Nutzung der Reiserücktritt­versicherung generell nicht aus.

Möchte man die Flexibilität haben, bis wenige Tage oder Wochen vor Abreise den Urlaub ohne Angabe von Gründen stornieren zu können, kann man stattdessen einen Flex-Tarif hinzubuchen, den viele Veranstalter anbieten - allerdings meist gegen Aufpreis.

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Für wen lohnt sich eine Reiserücktrittversicherung lohnt

Laut Verbraucher­schützerin Wojtal sollte man den Abschluss besonders bei teuren Reisen und Urlauben mit Kindern in Erwägung ziehen.

Die Policen lassen sich für einzelne Reisen, aber auch ein Jahr abschließen. Ein Jahres­vertrag deckt alle Reisen für ein Jahr bis zu einem festgelegten Reisepreis ab. Allgemein gilt: Je höher der versicherte Reisepreis, desto mehr kostet die Police.

Gut zu wissen: In der Regel lässt sich eine Versicherung noch bis zu 30 Tage vor Reisebeginn abschließen, bei Last-Minute-Angeboten sind es oft drei bis vier Tage nach der Buchung.

Ein Hinweis der Expertin: Sobald etwa eine Erkrankung vorliegt, sollte die Versicherung informiert werden. „Nicht auf Genesung hoffen“, sagt Wojtal. Der Grund: Reicht man ein Attest erst Tage später ein, stellt sich der Versicherer womöglich quer.

So könnten in dem Zeitraum zum Beispiel die Storno­gebühren von 50 auf 100 Prozent gestiegen sein. In dem Fall könnte es passieren, dass der Versicherer nur die 50 Prozent bezahlt und verlangt, dass man für die anderen 50 Prozent selbst aufkommen muss, so Wojtal.

Oft im Paket mit dabei: Reiseabbruchversicherung

Sie wird oft im Paket mit der Reiserücktritt­versicherung angeboten und springt ein, wenn der Urlaub aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls abgebrochen werden muss. Kosten für Rückreise oder Storno trägt dann die Versicherung.

Die Zeitschrift „Finanztest“ rät zu solchen Kombi-Tarifen und auch Verbraucher­schützerin Wojtal sagt: Die Reiserücktritt­versicherung sei zwar das wichtigere Produkt. Aber wenn es die Reise­abbruch­police dazu gibt, schadet das nicht. Und was kosten solche Kombi-Tarife? Laut „Finanztest“, die 52 Kombi-Policen erst jüngst verglichen hat, zahlen Singles bis 65 Jahre 112 Euro, um eine 3000-Euro-Reise damit sehr gut abzusichern. Für einen Jahres­vertrag mit der gleichen Summe sind es ab 104 Euro. Eine Kombi-Police für Familien kostet demnach 143 Euro für die Einzelreise und ab 117 Euro für den Jahres­vertrag.

Überlegenswerte Ergänzung: Corona-Schutzbrief

Folgendes Szenario: Wegen des Verdachts auf eine Corona-Infektion etwa nach einem Schnelltest können Sie nicht fliegen. Oder Ihnen wird deshalb am Zielort die Einreise verweigert. Und jetzt?

Für solche Situationen genügt der Schutz einer Reise­rücktritts­versicherung nicht. Damit daraus entstehende Mehrkosten nicht an einem hängen­bleiben, kann man sich gegen diese Unwägb­arkeiten für einzelne Reisen mit einer Zusatz­versicherung absichern - wahlweise heißt die etwa Corona-Reiseschutz oder Corona-Schutzbrief.

Aktuell seien diese auf jeden Fall sinnvoll und auch notwendig, schätzt Wojtal. Denn der „Verdacht“ auf eine Infektion reiche bei der Reiserücktritt­versicherung eben gerade nicht, erklärt sie, da der tatsächliche Krankheits­fall noch nicht nachweisbar sei.

Oft überflüssig: Reisegepäckversicherung

Minimaler Schutz für einen relativen hohen Beitrag, so lautet die Einschätzung der Verbraucher­zentralen zu diesen Policen: „Denn Sie müssen auf Ihr Gepäck so sorgfältig achten, als ob es überhaupt nicht versichert sei.“ Gut zu wissen: Wird einem der Koffer aus dem Hotelzimmer geklaut, sei der Verlust auch durch die Hausrat­versicherung gedeckt.

Und sonst noch?

Auch im Urlaub kann man anderen ungewollt schweren Schaden zufügen und sich in der Folge mit Schaden­ersatz­forderungen in immenser Höhe konfrontiert sehen. Deshalb sollte man sicherheits­halber prüfen, ob die Privat-Haftpflicht­versicherung auch für das Ausland gilt, raten die Verbraucher­zentralen. Viele dieser Policen leisten demnach weltweit - bei Auslands­aufenthalten von unter einem Jahr.

Quelle: dpa/DAWR/ab
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